ARBEIT UND WIRTSCHAFT HERAUSGEGEBEN VON ANTON HUEBER REDAKTEURE: EDUARD STRAAS, VIKTOR STEIN, DR. EDMUND PALLA UND DR. J. HANNAK XI. JAHRGANG 1. OKTOBER 1933 HEFT 10 GEGEN DEN FASCHISMUS Angesichts der gegenw�rtigen politischen Lage sind am Sonntag, den 17. September, nach� mittags der Parteivorstand der �ster� reichischen Sozialdemokratie und der Bundes� vorstand der Freien Gewerkschaften zu einer gemeinsamen Sitzung zusammengetreten, der eine Beratung der Bezirksobm�nner der Wiener sozial� demokratischen Organisationen folgte. Die K�r� perschaften haben folgenden Beschlu� gefa�t: Die �sterreichische Arbeiterklasse ist willens, die Selbst�ndigkeit �sterreichs gegen jeden Angriff des braunen Faschismus zu verteidigen. Sie hat seit Monaten trotz den empfindlichsten Beeintr�chtigungen ihrer politischen Freiheiten und ihrer sozialen Rechte die gr��te Zur�ck� haltung ge�bt, um alles zu vermeiden, was dem braunen Faschismus den Angriff gegen �sterreich erleichtern k�nnte. Aber der Parteivorstand und der Bundes� vorstand stellen fest, da� die �sterreichischen Arbeiter und Angestellten diese Selbst�ber� windung im Interesse der Abwehr des braunen Faschismus nicht zu dem Zwecke ge�bt haben, um sich von einem �sterreichischen Heimwehr� faschismus niederwerfen zu lassen. Der Parteivorstand und der Bundesvorstand haben daher f�r den Fall eines gewaltt�tigen An� griffes des Heimwehrfaschismus gegen die ver� fassungsm��ige und gesetzliche Ordnung der Re� publik die erforderlichen Beschl�sse gefa�t. NEUE KAMPFMITTEL In einer Vorst�ndekonferenz der freien Gewerk� schaften am 12. September ist nach einem Referat Schorsch' folgende Resolution einstimmig angenom� men worden: Die letzten Jahre der ununterbrochen ansteigenden Wirtschaftskrise haben Arbeitern und Angestellten schwere wirtschaftliche Opfer auferlegt. Unter dem Druck der un� geheuren, langandauernden Arbeitslosigkeit haben Unter� nehmer den Angestellten und Arbeitern den tats�chlichen Verzicht auf ihnen zustehende Rechte abgepre�t, L�hne und �ehalte abgebaut und Arbeitsbedingungen diktiert, die durch die wirtschaftliche Situation keineswegs be� gr�ndet werden k�nnen. Die in vielen F�llen nur dem Eigennutz und der Aus� n�tzung der Krisenlage auf dem Arbeitsmarkt entspringen� den Angriffe von Unternehmern auf Kollektivvertr�ge der Arbeiter und Angestellten werden immer heftiger. Die Abwehr dieser Angriffe durch die -Gewerkschafts� organisationen ist infolge der allgemeinen Wirtschaftslage au�erordentlich erschwert und gelingt nicht immer zur G�nze. Der Anwendung des Streiks oder der passiven Resistenz, der Kampfmittel der Gewerkschaften, stehen infolge der Wirtschaftslage vielfach Hindernisse entgegen; in vielen Berufsgruppen ist die Anwendung dieser Kampf� mittel durch eine Notverordnung der Regierung verboten. Je schwerer die Abwehr dieser Angriffe auf die Berufs� gruppen aus ihrer eigenen Kraft wird, desto rascher dreht sich der Kreislauf: Lohn- und Gehaltsk�rzung, weitere Konsumeinschr�nkung, Verminderung der Produktion und Vergr��erung der Arbeitslosigkeit ins unendliche fortzu� setzen. Dagegen m�ssen sich Angestellte und Arbeiter zur Wehr setzen und neben den alten Kampfmitteln neue anwenden. Eine bisher fast gar nicht ausgen�tzte, bei ihrer An� wendung aber gewaltige Macht liegt in der Konsum� kraft der Arbeiter und Angestellten. Die Unternehmer selbst ben�tzen ihre Kartelle, Konzerne und ihre sonstigen Verbindungen, ihre Organi� sationen und die Banken, um Vertragsbr�chige in ihren eigenen Reihen wirtschaftlich unm�glich zu machen. Niemand kann die Arbeiter und Angestellten zwingen, den Bedarf f�r sich und ihre Familie, wie Kleider, W�sche, Schuhe, Lebensmittel und alle �brigen Bedarfsartikel des Haushaltes, bei jenen Firmen zu kaufen, die ihre Ange� stellten und Arbeiter nachweisbar entrechten oder Material von Firmen verarbeiten, die die Vertr�ge mit Arbeitern und Angestellten brechen, L�hne und Gehalte fast ununterbrochen abbauen und sich so stark f�hlen, ihren Arbeitern und Angestellten die Arbeits� bedingungen �autorit�r" zu diktieren. Hier mu� die Solidarit�t der Angestellten