ARBEIT UND WIRTSCHAFT HERAUSGEBER �STERREICHISCHER ARBEITERKAMMERTAG UND �STERREICHISCHER GEWERKSCHAFTSBUND REDAKTEUR: ERNST LAKENBACHER 7. Jahrgang 1. Januar 1954 Nummer 6 KARL MANTLER: Fachaussch�sse f�r Arbeiter und Angestellte in Gewerbebetrieben Im alten �sterreich haben die Gehilfenaussch�sse eine �beraus ersprie�liche T�tigkeit im Interesse der Arbeiterschaft entwickelt. Bei ihrer Einf�hrung im vori� gen Jahrhundert waren sie die erste gesetzliche Inter� essenvertretung der Arbeiterschaft zu einer Zeit, als die Gewerkschaften noch sehr schwach waren. Wohl erstreckte sich ihr Wirkungskreis nur auf die Arbeiter� schaft der Gewerbebetriebe � unter Ausschlu� der Industrie �, aber damals und noch bis lange nach der Jahrhundertwende war der Anteil der gewerblichen Gehilfenschaft an der Gesamtarbeiterschaft erheblich gr��er als heute. Mit der Entwicklung der Industrie, mit dem Erstarken der Gewerkschaften b��ten die Gehilfenaussch�sse zwar an Bedeutung ein, aber auch noch in der Ersten Republik erwiesen sie sich als ein �beraus n�tzliches Instrument zur Durchsetzung des Arbeits- und Jugend� schutzes f�r die Arbeiter in den Kleinbetrieben, mit denen die Gewerkschaften schwer Kontakt bekamen. Das autorit�re �sterreichische Regime setzte im Jahre 1935 ihrer T�tigkeit ein Ende. Durch die Novelle zur Gewerbe� ordnung vom Jahre 1935 wurden die Gehilfenaussch�sse aufgehoben. In der Zweiten Republik hat sich aber erneut das Bed�rfnis gezeigt, eine Institution zu schaffen, die den Arbeitern, den Angestellten und insbesondere den Lehr� lingen in gewerblichen Betrieben zur Verf�gung steht; diese Arbeitnehmerkategorie ist weitaus mehr als die Besch�ftigten in der Industrie, wo schon die Wirksam� keit der Betriebsr�te eine Sicherung bedeutet, auf die st�ndige Kontrolle der Einhaltung der gesetzlichen Arbeiter- und Jugendschutzbestimmungen durch hiezu legitimierte Organe angewiesen. Es ist zun�chst der Ver� such unternommen worden, die gesetzliche Grundlage zur Wiedererrichtung von Gehilfenaussch�ssen bei den Innungen der Gewerbetreibenden zu schaffen. Unter gro�en Schwierigkeiten wurde das Bundesgesetz vom 1. M�rz 1950, BGBl. Nr. 87, �ber die Gehilfenaussch�sse zustande gebracht. Es erwies sich jedoch in den fast drei Jahren seines Bestandes als so gut wie unrealisierbar. Um das Gesetz �berhaupt bei der parlamentarischen Beratung durchzubringen, mu�ten den widerstrebenden Gewerbevertretern Zugest�ndnisse gemacht werden, die, wie sich nunmehr zeigt, zu gro�en Schwierigkeiten f�h� ren. Insbesondere ist die Einhebung eines Beitrages im Abzugswege f�r die Gesch�ftsf�hrung der Gehilfen� aussch�sse, die Gehilfenumlage, an die vorherige Zu� stimmung der zust�ndigen Fachgruppe der Dienstgeber gekn�pft, die in der Praxis nicht zu erlangen ist. Es soll aber auch nicht �bersehen werden, da� in weiten Kreisen der gewerblichen Arbeiterschaft eine neuerliche Be� lastung mit einer besonderen Beitragsleistung f�r die Gehilfenaussch�sse nur ungern gesehen werden w�rde. In dieser Situation hat sich die Kammer f�r Arbeiter und Angestellte in Wien entschlossen, den Arbeitern des Kleingewerbes einen mehr als gleichwertigen Ersatz f�r die Gehilfenaussch�sse zu bieten. Die Arbeiterkammer errichtet f�r den Bereich einzelner oder mehrerer Fach� gruppen des Gewerbes, des Handels und des Fremden� verkehrs Fachaussch�sse f�r Arbeiter und Angestellte, denen sie die erforderlichen Geldmittel zur Bestreitung der mit ihrer Gesch�ftsf�hrung verbundenen Spesen zur Verf�gung stellt. Die Fachaussch�sse sind Organe der Arbeiterkammer. Ihre T�tigkeit unterliegt der Aufsicht der Kammer und wird durch die Kammer laufend kontrolliert. Einer be� sonders rigorosen Kontrolle wird die Verwendung der bereitgestellten Geldmittel unterworfen; die Arbeiter� kammern sind �ffentlich-rechtliche K�rperschaften, zur Rechnungslegung �ber die ihnen aus den Beitr�gen der Kammermitglieder zuflie�enden Mittel verpflichtet, und dieser Verpflichtung kommt die Wiener Arbeiterkammer auch bei der Gebarung mit den Mitteln, die den Fach� aussch�ssen zur Verf�gung gestellt werden, gewissenhaft nach. Eine von der Kammer ausgearbeitete Gesch�fts� ordnung und die von ihr aufgestellten strikten Richt� linien f�r die Abrechnung der von der Kammer an die Fachaussch�sse ausgezahlten Zuwendungen sowie die einheitlich von der Kammer beigestellten Kassenb�cher und Belegformulare erleichtern diese Aufgabe. Mit der Schaffung der Fachaussch�sse er�brigt es sich vollst�ndig, die Wiedererrichtung von Gehilfen� aussch�ssen auf Grund eines hiezu wenig geeigneten Gesetzes zu betreiben. Schon der gro�e und kostspielige Wahlapparat, der zur Bestellung der Gehilfenaussch�sse errichtet werden m��te, lie�e sich kaum rechtfertigen, wenn jetzt eine vollwertige Institution zur Verf�gung steht, deren Errichtung und Gesch�ftsf�hrung weitaus einfacher und wohlfeiler gestaltet werden kann. Selbstverst�ndlich ist, da� die Fachaussch�sse im engsten Einvernehmen mit der fachlich zust�ndigen Ge� werkschaft handeln. In der kurzen Zeit ihres Bestandes hat es sich bereits erwiesen, da� die Fachaussch�sse sehr Ersprie�liches zu leisten verm�gen. Besser als eine theoretische Darstellung ihrer T�tig� keit werden daf�r einige aus ihren eigenen Berichten herausgegriffene Zitate Beweis legen. Der Fachausschu� der Drechsler und Spielwaren� hersteller berichtet: �Der Fachausschu� hat in der Zeit vom 1. Juli bis 30. Sep� tember 1953 drei Ausschu�sitzungen abgehalten, in denen eine rege Diskussion �ber die Lehrlingshaltung und Ge� sellenpr�fung entstanden ist. Es wurde von den Pr�fungs� fachm�nnern mitgeteilt, da� die Lehrlinge sehr mangel� haft ausgebildet werden, und oft kommt es vor, da� ein Lehrling fast keine Fachausbildung in sein Berufsleben