In diesem Sinne sind sie also Manager der öffentlichen Hand. Sie müssen deswegen aber nicht notgedrungen aus dem Staatsdienst stammen4). Obwohl man meist Fachleute für die Delegierung in die diversen von der öffentlichen Hand kontrollierten Unternehmen aus¬ gewählt hat, dürfte diese Auswahl doch auch maßgeb¬ lich durch politische Gesichtspunkte bestimmt worden sein. Von den insgesamt 25 in diese Untersuchung ein¬ bezogenen Managern fallen nach unserer Klassifizie¬ rung 8 in die Gruppe der öffentlich-politischen Manager, die ihr Dasein als solche vor allem der Förderung durch die verschiedenen politischen Gruppen verdanken. ad b) Manche in der Gruppe der Bankmanager verdanken ihre Stellung denselben Gründen wie der größte Teil der öffentlich-politischen. Trotzdem er¬ scheint ihre Heraushebung als eigene Gruppe aus ver¬ schiedenen Gründen als gerechtfertigt. Es scheinen in dieser Gruppe nur leitende Angestellte der verstaat¬ lichten Banken auf, die ja bekanntlich trotz ihrer Natio¬ nalisierung ein ziemlich ausgeprägtes Eigenleben füh¬ ren. Dieser Gruppe wurden elf Manager zugeordnet. ad c) Der Ausdruck Privatmanager soll andeuten, daß hier hoch bezahlte Angestellte einen Teil der Unter¬ nehmerfunktionen im Auftrage von privaten Eigen¬ tümern (Aktienbesitzern) ausüben und tatsächlich das oder die Unternehmen leiten. Allerdings wurde hier vom Verfasser insofern eine Inkonsequenz begangen, als in diese Gruppe auch eine Person eingegliedert wurde, die kein besoldeter Manager, sondern tatsächlich noch Unternehmer im wahren Sinne des Wortes ist. Doch dürfte diese Inkonsequenz insofern entschuldbar sein, als ja erstens durch diese Untersuchung auch das Aus¬ maß der Kapitalkonzentration schlechthin festgestellt werden sollte und sie zweitens den Gültigkeitswert des Ergebnisses über die managerielle Konzentration fast gar nicht beeinflußt. Der Gruppe der Privatmanager wurden sechs Personen zugeordnet. Von den acht öffentlichen Managern werden 48 Un¬ ternehmen mit einem Aktienkapital von 1428 Mill. S kontrolliert, von den elf Bankmanagern 98 Unterneh¬ men mit einem Kapital von 777 Mill. S5) und von sechs Privatmanagern 47 mit einem Kapital von 439 Mill. S6). Gerade in diesem Ergebnis zeigt sich aber wieder die Problematik, auf die schon anläßlich der beiden früher veröffentlichten Arbeiten über die Aktiengesellschaften, wenn auch in anderem Zusammenhang, hingewiesen wurde, wieder mit aller Deutlichkeit: daß nämlich das heute nominell ausgewiesene Aktienkapital auf Grund seiner historischen Bewertung manchen Vergleichen eine unsichere Basis verleiht. Das ist besonders ins Auge springend, wenn man die Konzentration in den Hän¬ den der öffentlichen und Bankmanager vergleicht. So wird von den öffentlichen Managern eine beachtlicher Anteil der jüngeren Aktiengesellschaften kontrolliert, deren Nominalkapital daher dem Realwert noch verhält¬ nismäßig nahekommt (zum Beispiel Energiewirtschaft), während von den Bank-, aber auch Privatmanagern fast durchwegs nur ältere Gesellschaften mit aus¬ gesprochen historischem Aktienkapitalwert kontrolliert werden. Für die beiden letzten Gruppen ergibt sich da¬ her gewissermaßen eine Unterbewertung, die die ver¬ hältnismäßige Bedeutung der einzelnen Manager¬ gruppen zueinander nicht im richtigen Licht7) er¬ scheinen läßt8). ') In diesem eingeschränkten Sinn könnten in dieser Unter¬ suchung nur zwei als öffentliche Manager angesprochen werden. ?) Zieht man die bereits von öffentlichen Managern kontrollierten Unternehmen ab, bleiben dieser Gruppe 92 Unternehmen (701 Mill. S). ') Zieht man die bereits von öffentlichen und Bankenmanagern kontrollierten Unternehmen ab, bleiben dieser Gruppe 40 Unter¬ nehmen (258 Mill. S). 7) Das richtige Verhältnis zwischen öffentlicher, Bank- und Privatmanagerkonzentration dürfte ungefähr 2'/j : 2'/s : 1 lauten. ") Diese Vorbehalte dürften allerdings für das hauptsächliche Ergebnis dieser Arbeit — daß nämlich 72,4 Prozent des Aktienkapitals von 25 Managern kontrolliert werden — weniger Bedeutung haben, da bei der Gesamtberechnung bereits kompensatorische (Fehler automatisch ausgleichende) Effekte zur Geltung kamen. Eine gewisse Senkung des Prozentsatzes der Kapitalkonzentration (im Sinne dieses Artikels) von 72 Prozent auf etwa 65 Prozent dürfte allerdings bei einer zeitgemäßen Aktienbewertung auch hier eintreten. Mögen aber nun auch die Ergebnisse dieser Unter¬ suchung vom streng statistischen Standpunkt aus manche Schwächen aufweisen, so scheinen sie doch repräsentativ genug, um zu zeigen, daß die soziologische Erscheinung der „Revolution der Manager" auch in Österreich von einer gewissen Bedeutung ist. Ohne da¬ bei in den schwarzseherischen und teilweise fatalisti¬ schen Tenor des von Burnham als soziologischem „thril¬ ler" geschriebenen Buches einfallen zu wollen, scheint uns trotzdem dieses Ausmaß an Konzentration von Kontroll- und Machtfunktionen der österreichischen Aktiengesellschaften in Händen weniger Manager von verschiedenen Gesichtspunkten aus als kein besonders erfreulicher Zustand. Daß fachmännische Manager allmählich einen immer größer werdenden Anteil an der Leitung des Produk¬ tionsprozesses bekommen, ist ein unvermeidbares sozia¬ les Phänomen und in gewissem Sinne auch ein äußeres Zeichen des sozialen Fortschrittes. Ernst wird das Problem erst dann, wenn sich in der Klasse der Manager neue Akkumulations- und Konzen¬ trationstendenzen von Dauer abzeichnen. Und es dürfte vor allem im Interesse der demokratischen Arbeiter¬ bewegung liegen, diese Entwicklung, die später auch entsprechende Rückwirkungen auf politischem Gebiet haben könnte, aufmerksam und kritisch zu verfolgen. Dr. SEPP HAAR (Graz): Die Funktionen des Genossenschafts¬ verbandes Alle Genossenschaften in Österreich, die Verbraucher- (Konsum)genossenschaften ebenso wie die Genossen¬ schaften der Gewerbetreibenden und der Landwirte, die Kreditgenossenschaften usw., sind zu Verbänden zusam¬ mengeschlossen. Die Funktionen, die der Verband im Genossenschaftswesen ausübt, haben eine stetig auf¬ steigende Entwicklung genommen. Vor Jahrzehnten noch waren die kleinen örtlichen oder beruflichen Ge¬ nossenschaften völlig isoliert, sie führten ihre Geschäfte nach freiem Ermessen, allerdings auch ohne über die Grenzen ihres eigenen engen Bereiches hinauszublicken. Es genügte damals auch die Betätigung der Genossen¬ schaft zum Beispiel auf der Ebene des Einzelhandels oder der lokalen Einkaufsvereinigung. Das war zu der Zeit, als auch die Unternehmer der privaten Erwerbs¬ wirtschaft noch weitgehend unabhängig waren und nach eigenem Gutdünken walteten. Allmählich schlössen sich aber immer mehr private Unternehmungen zu größeren Gebilden, Konzernen, Kartellen, Trusts, zusammen und immer mehr unsichtbare Fäden begannen sich um die einzelnen Unternehmungen zu schlingen. Auch die Ge¬ nossenschaftsbewegung strebte immer mehr danach, eine geschlossene, von einem einheitlichen Willen erfüllte Organisation zu schaffen, um leistungsfähiger und schlagkräftiger zu werden. Dies war also offensichtlich das erste Ziel des Zu¬ sammenschlusses der einzelnen Genossenschaften und damit auch die Hauptfunktion. Vor der Verwirklichung dieses Zieles starben allerdings noch viele kleine Ge¬ nossenschaften an den Kinderkrankheiten, denn mit Begeisterung allein und ohne Erfahrung konnte man eben auch genossenschaftliche Arbeit nicht leisten. Doch gerade diese ersten Fehlschläge dienten zur Lehre und veranlaßten die Genossenschafter, die einzelnen Genos¬ senschaften zu Verbänden zusammenzuschließen, welche die Genossenschaften eines ganzen Landes umfaßten. Der Verband schafft die Voraussetzung für gemein¬ sames Handeln, gemeinsame Bildung und Erziehung der Mitglieder. Durch die Organisation des Verbandes ist man erst in der Lage, ein gemeinsames Ziel anzustreben. Die Verbandsbildung schafft eine genossenschaftliche öffentliche Meinung. Ja man kann von Genossenschafts- bewegung überhaupt erst sprechen, seit die Genossen¬ schaftsverbände entstanden. Denn eine Bewegung er- 6