Die Diskussion Das Volkswagenwerk und Österreich Die Auseinandersetzungen um das Volkswagenwerk können auch für Österreich grundsätzliche Bedeutung haben. Das deutsche Bundesland Niedersachsen, das auf Grund einer Verordnung der britischen Militär¬ regierung das Volkswagenwerk verwal¬ tet, hat bekanntlich beschlossen, das Volkswagenwerk in Wolfsburg in eine Stiftung umzuwandeln, deren Erträg¬ nisse zur Förderung der Wissenschaft und Forschung verwendet werden sollen. Die deutsche Bundesregierung hingegen verfolgt völlig andere Ziele. Nach ihrer Auffassung ist das Werk als ehemaliges Vermögen der Deutschen Arbeitsfront der Deutschen Bundes¬ republik als der alleinigen Nachfolgerin des Deutschen Reiches verfallen. Das Unternehmen, dessen Wert auf rund 6 Milliarden Schilling veranschlagt wird, etwa 45.000 Arbeitnehmer be¬ schäftigt und im Jahre 1958 556.000 Fahrzeuge produziert hat, soll nach den Absichten der Bundesregierung in pri¬ vates Eigentum übergeführt werden, wobei unter anderem an die Ausgabe von Volksaktien gedacht ist. Der Jahres¬ produktionswert von wenigstens 16 Mil¬ liarden Schilling zeigt, daß der Schätz¬ wert zu niedrig angesetzt und damit das Formalmäntelchen für die „recht¬ mäßige" Verschleuderung von Volks¬ vermögen gewebt ist. Direktor Dr. Wirlandner von der Wiener Arbeiterkammer hat erst un¬ längst darauf hingewiesen, daß durch die Ausgabe von Volksaktien dem Kapitalmarkt und damit der Investi¬ tionsfinanzierung im wesentlichen keine neuen Mittel zufließen. Schon die bis¬ herigen Versuche mit Kleinaktien be¬ stätigen vollauf die Voraussage, daß auch diese Wertpapiere nach einiger Zeit in den großen Akkumulationstopf der Finanz- und Industriegewaltigen wandern. Derzeit herrscht auf den westeuropäischen Börsen große Nach¬ frage nach Aktien, wodurch die Kon¬ zentrationstendenz noch verschärft werden dürfte. Die Verschleuderung von Volks¬ eigentum in Form von Volksaktien- Emissionen hat drei Gründe: 1. Sie dient der Ausweitung der Macht und der Gewinnmöglichkeiten des Privatkapitals. Die Konzentration von Kapital schreitet in Deutschland und in Österreich rasch fort. 2. Sie dämpft den Preisdruck auf die Privatwirtschaft, der von gemeinwirt¬ schaftlichen Betrieben ausgehen kann. Der deutsche Volkswagen könnte übri¬ gens noch wesentlich billiger abgegeben werden, was aber zugegebenermaßen durch die Wirtschaftsbehörden ver¬ hindert wird. 3. Die vorbildlichen Sozialleistungen der gemeinwirtschaftlichen Betriebe sollen nicht weiterhin die Ertragslage der Privatbetriebe stören. Eine maßgebende deutsche Tages¬ zeitung illustrierte den letzten Hinweis auf glänzende Art: Sie macht Bedenken geltend gegen die Politik Nieder¬ sachsens, das Volkswagenwerk in Ge¬ meineigentum zu belassen. Auf der gleichen Seite dieser Zeitung steht eine Kritik des deutschen Industrieinstituts an der Verkürzung der Arbeitszeit im Kasseler Volkswagenwerk auf 40,5 bzw. 42,5 Wochenstunden. Die Privatisierung von gemeinwirt¬ schaftlichen Unternehmungen hat zwei¬ fellos aber auch eine politische Ziel¬ setzung, und zwar in Westdeutschland ebenso wie in Österreich: Gewissen Teilen des Mittelstandes soll auf diese Weise ihre politische Treue vergolten werden. Es darf jedoch nicht übersehen wer¬ den, daß solche Objekte vom Staat, von Ländern oder Gemeinden mit Hilfe der finanziellen Beiträge aller Schich¬ ten des Volkes erworben wurden. Die bevorzugte Abgabe solcher Vermögens¬ anteile bedeutet demnach eine Schädi¬ gung aller, die dabei nichts bekommen. Der Streit um das Eigentum am Bücher und Alfred Gerardi: Kunden in jedem Haus. Econ-Verlag, Düsseldorf, Leinen, 320 Sei¬ ten, Preis 19.80 D-Mark. — Der Verfasser ist Werbe- und Vertriebsberater des Ver¬ sandhandels. Er berichtet von den gelun¬ genen und den mißglückten Versandhaus¬ gründungen, analysiert die Typologie des Versandhauskunden, berichtet über die Kalkulationsspannen, schildert die Werbe- und Vertriebsmaßnahmen sowie die inner¬ betrieblichen Arbeitsmethoden der Groß-, Mittel- und Kleinbetriebe im Versand¬ geschäft. Mit seinem Buch will Gerardi nicht nur Händlern, die ein Versand¬ geschäft aufbauen wollen, wertvolle Hin¬ weise geben, sondern auch Werbefach¬ leuten, Einzelhändlern, Fabrikanten, Ver¬ kaufsleitern und Vertretern praxisnahe Anregungen für Maßnahmen zur Steige¬ rung ihrer Umsätze bieten. L. Helmut Lenhardt: Probleme des Wert- papiersparens. Verlag Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Wertpapiersparens, Wien 1958, broschiert, 60 Seiten, Preis 10 Schilling. — Lenhardt gibt zunächst einen Überblick über die seit der Wäh¬ rungsstabilisierung in Österreich ergriffe¬ nen Maßnahmen zur Popularisierung der Geldanlage in Wertpapieren. Dabei widmet er mehr als sechs Seiten der Darstellung der „Volksaktien-Idee" und deren bis¬ heriger Verwirklichung in Österreich. Die Volksaktien-Idee habe von „den Wahl¬ propagandisten der bürgerlichen Volks¬ partei" gegen die Sozialisten gut ver¬ wendet werden können, meint Lenhardt. In ihrem zweiten Teil gibt die Unter¬ suchung Erfahrungen von den ausländi¬ schen Kapitalmärkten wieder, wie sie auf dem im Vorjahr in Paris stattgefundenen „Internationalen Kongreß zum Studium der Probleme des Sparens" von Experten aus 18 Ländern ausgetauscht wurden. Auf Grund der ausländischen Erfahrungen setzt sich der Verfasser dafür ein, daß Emissionen, die in breiten Schichten der Bevölkerung Anklang finden sollen, so ausgestattet werden, daß dadurch die „Phantasie der Zeichner angeregt" wird (zum Beispiel für Trefferanleihen). W. E. M. Geba: Wie man sich die Büro¬ arbeit erleichtert. Gebr. Riggenbach Ver¬ lag, Basel, broschiert, 78 Seiten, Preis 22 Schilling. — Geba legt dar, wie man die am häufigsten vorkommenden Arbei¬ ten am zweckmäßigsten erledigt, und weist auf jene Eigenschaften diverser Hilfsmittel hin, die Arbeit und Zeit sparen helfen. Volkswagenwerk zeigt für Österreich noch zwei weitere Aspekte: In Öster¬ reich wurde das Vermögen der ehe¬ maligen Deutschen Arbeitsfront der Republik Österreich überantwortet, wo¬ bei das Finanzministerium als Ver¬ walter auftritt. In Westdeutschland haben die Besatzungsmächte dieses Vermögen — mit wenigen Ausnahmen — den deutschen Gewerkschaften über¬ antwortet. Es wäre daher nur folge¬ richtig, die Gewerkschaften auch bei der vermögensrechtlichen Ausein¬ andersetzung um das Volkswagenwerk entsprechend zu berücksichtigen. Die Zuteilung des ehemaligen DAF- Vermögens an die österreichischen Ge¬ werkschaften ist nach wie vor eine offene Frage. Schließlich berührt der Streit um das Volkswagenwerk auch die in Österreich ansässigen Volks¬ wagensparer, die bisher weder von Deutschland noch von Österreich eine Entschädigung erhalten haben. jp Zeitschriften Egon Kötting: Herr Karlsson und sein Königreich. Schwedens Land und Leute. Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1958, 115 Seiten, 8 Tafeln, Ganz¬ leinen 6.80, kart. 4.80 D-Mark. — In an¬ regender Weise führt der Autor den Leser den Weg Schwedens von einer kriegeri¬ schen Großmacht zu einem Wohlfahrts¬ staat. Der Autor läßt durch Herrn Karls¬ son, den schwedischen „Herrn Maier", anschaulich die vielen Faktoren, Ein¬ richtungen und Organisationen schildern, die zusammenwirken müssen, damit das politische und soziale Experiment, soziale Sicherheit für alle Schweden, gelingen kann. Eine Art Zauberformel sind in Schwe¬ den die beiden Buchstaben „KF", die Abkürzung für Kooperativa Förbundet (Verband schwedischer Genossenschaften). KF ist eines der größten Unternehmen Schwedens. 14 Prozent des gesamten schwedischen Detailhandels und vier Pro¬ zent des schwedischen Gesamtumsatzes haben die Geschäfte des KF zu ver¬ zeichnen. Außerdem betreiben die Ge¬ nossenschaften eine intensive Tätigkeit in vielen anderen Wirtschaftszweigen, vor allem in der Bauindustrie. Herr Karlsson schildert den Weg der Gewerkschaften zwischen Kapital und Arbeit, blättert mit uns in den Ver¬ fassungsurkunden, beantwortet die Fra¬ gen, wie die Karlssons zu Kirche und Kultur stehen und warum sie auf keinen Fall ihre allianzfreie Außenpolitik auf¬ geben wollen. Die Befürchtung, daß sich Schweden durch die Allianzfreiheit von den westlichen Ländern, mit denen es kulturell, wirtschaftlich und gefühlsmäßig verbunden ist, isolieren würde, wurde durch die Entwicklung der letzten Jahre entkräftet. Herr Karlsson glaubt nicht, daß in seinem Land der Idealzustand mensch¬ lichen Zusammenlebens erreicht ist. Aber er ist überzeugt, daß man in Schweden einen Weg gefunden hat, der zu gesunden und gerechten Lösungen führt. R. N. Verlag des ÖGB Das Dienstrechtsverfahren. Dienst- rechtsverfahrensgesetz — Dienstrechts- verfahrensverordnungen — Allgemeines Verwaltungsverfahrensgesetz. Mit Erläu¬ terungen von Dr. Alfred Stifter und Dok¬ tor Hanns Waas, Zentralsekretäre der Gewerkschaft der öffentlich Bediensteten, und einem Geleitwort von Bundesrat Franz Gabriele, Wirklicher Amtsrat, Vor-