sucht, in welcher Wechselwirkung Änderungen in Löh¬ nen, Profiten, Arbeitskräftepotential, Produktionstechnik, Grad der Konkurrenz (beziehungsweise des Monopols) und Akkumulation zueinander stehen. Wie man sieht, ist selbst die Abgrenzung, die Herausschälung der Bedingun¬ gen für das „einfache" Modell keine ganz einfache Sache. Ungeachtet aller nachfolgenden Modifikationen liefert aber dieses Modell die Grundlage für die Herausarbeitung der wichtigsten Merkmale der Akkumulation unter den „kapitalistischen Spielregeln". (S. 73 bis 84.) Lohn und Profit bei gegebener Produktionstechnik: Die Diffe¬ renz zwischen gesamter Lohnsumme und Gesamt(netto)produkt eines Jahres ist gleich dem Gesamtprofit und (da es keinen Kon¬ sum aus Profiten gibt!) gleich dem Zuwachs an Kapital. Der Reallohn wird bestimmt durch die Produktion pro Kopf der im Konsumsektor beschäftigten Arbeiter und das Verhältnis zwischen der Beschäftigung im Konsumgütersektor und der Beschäftigung im Produktionsmittel- (Investitionsgüter-, Kapitalgüter-) Sektor. Das heißt im Effekt, daß die Unternehmer eine bestimmte Zahl Arbeiter zur Erzeugung von Produktionsmitteln sowie jene weitere Zahl von Arbeitern beschäftigen, die erforderlich ist, um „Lohngüter" für sämtliche beschäftigten Arbeiter zu liefern. Geldmäßig ausgedrückt: bei gegebenem Nominallohn ist der jährliche Gesamtwert der Konsumwaren gleich der Lohnsumme im Konsumgütersektor plus der Lohnsumme im Kapitalgüter¬ sektor, und der Bruttoprofit3 vom Verkauf der Konsumgüter gleich der Lohnsumme für Kapitalgüter. Profite und Akkumulation: Profite setzen voraus, daß das Produkt je Arbeiter größer ist als die Reproduktionskosten seiner Arbeitskraft. Aber daß die „technischen" Bedingungen für einen solohen Überschuß vorhanden sind, genügt nicht, damit Profite tatsächlich gemacht werden. Dazu ist es auch notwendig, daß die Unternehmer investieren. Wenn die Unternehmer nicht pro¬ fitieren, können sie nicht akkumulieren; wenn sie nicht akku¬ mulieren, können sie keinen Profit machen. Im ersteren Fall herrscht Stagnation aus Armut (technischer Rückständigkeit), im letzteren aus Sättigung. Monopol und Reallohn: Wachsende Monopolisierung (Kar- tellisierung) führt zu Preissteigerungen. Setzen sich die Arbeiter nicht entsprechend zur Wehr, so sinken die Reallöhne, der Absatz von Konsumgütern und die Beschäftigung im Konsumgütersektor. Die Beschäftigung im Kapitalgütersektor bleibt zunächst unver¬ ändert und die Bruttoprofite im Konsumgütersektor ebenfalls. Der Bruttoprofit pro Beschäftigtem steigt in dem Maße, wie die Beschäftigung je Kapitaleinheit fällt.4 Aber mit wachsender Uberkapazität im Konsumgütersektor sinken die Bestellungen für Ersatz- oder Neuinvestitionen, es kommt auch im Kapitalgüter¬ sektor zur Arbeitslosigkeit und die Profitrate sinkt. „Jeder Unter¬ nehmer, für sich genommen, zieht Gewinn aus einem niedrigen Lohn im Verhältnis zu seinem eigenen Produkt, aber alle zu¬ sammen leiden unter der Absatzbeschränkung, die niedrige Real¬ löhne mit sich bringt." Überschuß an Arbeitskräften: Nehmen wir an, Bevölkerung und Arbeitskräftepotential wachsen rascher als die Akkumula¬ tion. Die Unternehmer drücken die Löhne. Was weiter? Wenn sie ihre Akkumulation bloß dem physischen Umfang nach auf¬ rechterhalten, so bleibt die Beschäftigung im Kapitalgütersektor unverändert, aber die Lohnsumme dieses Sektors und damit die Bruttoprofite im Konsumsektor sinken im selben Verhältnis wie die Löhne. Bei vollkommener Konkurrenz sinken die Preise im selben Verhältnis und der Reallohn bleibt —? trotz der schwachen Verhandlungsposition der Arbeiter — unverändert. Da die Akku¬ mulationsrate auf das Wachstum der Bevölkerung nicht reagiert hat, wachsen die Zahl der Arbeitslosen und die Arbeitslosenrate weiter. Werden die Preise durch Kartelle hochgehalten, so ist es noch schlimmer, denn mit niedrigeren Reallöhnen und unver¬ änderter Beschäftigung im Kapitalgütersektor sinken Absatz und Beschäftigung im Konsumgütersektor; die Entstehung von Uber¬ kapazität im Konsumgütersektor bedeutet weniger Bestellungen für Investitionsgüter und die Akkumulation sinkt ab. Halten die Unternehmer die Akkumulation aber angesichts der gesun¬ kenen (Geld-)Löhne dem Wertumfang nach aufrecht, dann steigt die Beschäftigung im Investitionsgütersektor und die Lohnsumme hier sinkt weniger als die (Geld-)Löhne. Die Preise fallen weniger als die (Geld-)Löhne und der Reallohn sinkt. Mit dem wachsenden Maschinenbestand steigt die Beschäftigung im Konsumgüter¬ sektor;5 und da Maschinen jetzt (angesichts der Aufrechterhal¬ tung der Akkumulation nach Wertumfang) rascher akkumuliert 3 Mrs. Robinson gebraucht hier den Ausdruck „Quasi-Rente", definiert als Überschuß von Verkaufserlös über laufende Produk¬ tionskosten; „Profit" ist bei ihr der Überschuß von Quasi-Rente über Grundrente und Amortisationskosten. Leihzinsen, Dividen¬ den und die Privatausgaben (Konsum) der Unternehmer (die erst später berücksichtigt werden) fließen aus dem so definierten Profit. (S. 13.) 4 Vergessen wir nicht die Annahme, daß die Produktions¬ kosten unabhängig vom Produktionsumfang, also auch vom Grad der Kapazitätsausnutzung, sind! 5 Die Produktionstechnik und damit das Verhältnis von Be¬ schäftigten und in Produktion stehenden Anlagen werden ja zunächst als starr gegeben betrachtet! werden, hat sich die Nachfrage nach Arbeitskräften wenigstens teilweise dem gestiegenen Angebot angepaßt. (Hält die Akkumu¬ lationsrate aber noch immer nicht Schritt mit der wachsenden Bevölkerungs- und Arbeiterzahl, so kann sich der Prozeß fort¬ setzen, bis die Löhne das absolute Existenzminimum erreichen. Die Akkumulation ist dann — physisch — bei ihrer höchstmög¬ lichen Rate angelangt, und der Bevölkerungszuwachs wird durch Malthusianisches Elend auf die entsprechende Rate beschränkt.) Mangel an Arbeitskräften: Nehmen wir an, das Kapital wird rascher akkumuliert als Bevölkerung und Arbeiterangebot wach¬ sen. Mit steigendem Maschinenbestand (und immer unter der Annahme gleichbleibender Technik, also mangels irgendeiner Mechanisierung oder Rationalisierung!) entsteht Mangel an Ar¬ beitskräften und die Unternehmer versuchen einander Arbeits¬ kräfte durch höhere Löhne abzujagen. Geben die Unternehmer des Investitionsgütersektors sie nicht her (und erhöhen die Löhne entsprechend), so steigen die Preise ebenso rasch oder rascher, der Reallohn bleibt unverändert und die Akkumulation wird behindert. Ziehen die Konsumgüterindustrien die Arbeiter aber mit Erfolg an sich, so steigt die Lohnsumme im Kapitalgüter¬ sektor langsamer als die (Geld-)Löhne, die Konsumgüterpreise steigen ebenfalls weniger; Reallöhne, Konsumgüterproduktion und Konsum steigen und die Akkumulationsrate sinkt. Der Mechanismus, wird betont, durch den die Akkumulations¬ rate sich an ein steigendes Arbeitsangebot anpaßt, funktioniert besser, wenn die Rate schrumpfen als wenn sie wachsen soll; ein Uberschuß an Arbeitskräften im Verhältnis zum Bestand an Kapital entwickelt sich nur zu leicht mit nachlassenden Investi¬ tionen und um sich greifender Stagnation, während andererseits die Unternehmer nicht daran denken, bei überschüssiger Ka¬ pazität zu akkumulieren, so daß eine im Verhältnis zu den Arbeitsreserven zu hohe Akkumulationsrate so oder so auf jeden Fall eingeschränkt wird. Zusammenfassend zeitigt das Grundmodell folgende Ergebnisse: Bei starrer Produktionstechnik, keinem Kon¬ sum aus Profiten und Anpassung des Arbeitsangebotes an die Nachfrage ist die aus einer gegebenen Situation sich entwickelnde Akkumulationsrate begrenzt: 1. Durch den potentiellen Überschuß über das Existenzminimum der beschäftigten Arbeiter; 2. innerhalb dieser Grenze durch den Überschuß über die Reallöhne, die die Arbeiter ge¬ willt und imstande sind, zu verteidigen (indem sie bei allfälligen Preissteigerungen sofort entsprechende Lohn¬ erhöhungen durchsetzen und so eine „Inflationsbarriere" gegen eine Senkung der Reallöhne errichten (S. 48 und 84); 3. innerhalb dieser Grenze durch die Energie, mit der die Unternehmer die Akkumulation betreiben; 4. (wo das Arbeitskräfteangebot unabhängig von der Nachfrage der Unternehmer nach Arbeitern ist) durch die Wachstums¬ rate des Arbeitskräftepotentials. Bleibt die Akkumulation unter dieser Wachstumsrate, dann steigt die Arbeitslosig¬ keit, langfristig betrachtet. Im weiteren werden die vereinfachenden Annahmen der Reihe nach modifiziert. Zunächst durch Berücksichti¬ gung des technischen Fortschritts, aber noch immer unter der Annahme starrer technischer Produktionskoeffizienten (S. 85 bis 100), dann durch Berücksichtigung der Tatsache, daß die Produktionskoeffizienten auch bei gegebenem Stand des technischen Wissens keineswegs starr gegeben sind, sondern daß es einen breiten Fächer (ein „Spektrum") von Möglichkeiten gi'bt, Arbeit und Kapital (Arbeitskräfte und produktive Ausrüstungen) zu kombinieren, deren je¬ weilige Auswahl und Realisierung vom herrschenden Niveau der Reallöhne abhängt (S. 101 bis 158), und schlie߬ lich durch Betrachtung der Akkumulation unter den Be¬ dingungen sowohl des technischen Fortschritts als auch der Wahl von verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten von Arbeit und Kapital (S. 159 bis 172). Dabei wird er¬ örtert, welches die Bedingungen für eine stetige, harmo¬ nische, störungsfreie Entwicklung sind — und wie un¬ wahrscheinlich es ist, daß sie tatsächlich realisiert werden. Das unerreichte Ideal des Goldenen Zeitalters „Die erste Voraussetzung für die reibungslose Ent¬ wicklung einer fortschrittlichen Wirtschaft ist, daß der Bestand an Maschinen (als Produktionskapazität) in einem Tempo wächst, das der wachsenden Produktion je Ar¬ beiter angemessen ist, wobei die Konkurrenz sicherzu¬ stellen hat, daß sich die Preise im Verhältnis zu den (Geld-)Löhnen so bewegen, daß die Produktionsanlagen normal ausgelastet sind — das heißt derart, daß das 235