Niveau der Reallöhne zusammen mit der Pro-Kopf-Pro¬ duktion steigt, damit genügend Nachfrage vorhanden ist, um die ständig wachsende Produktion des ständig wach¬ senden Bestandes an Ausrüstungen aufzusaugen ..(wo¬ bei „der wichtigste Schutz gegen die Tendenz zur Sta¬ gnation im Druck der Gewerkschaften für höhere Löhne liegt"). „Zweitens muß jegliche zufällige Diskrepanz zwi¬ schen vorhandenen Arbeitskräften und Ausrüstungen rasch beseitigt werden, wenn ein stabiles Beschäftigungs¬ niveau gesichert werden soll. Dies wird dann der Fall sein, wenn — bei einem Arbeitskräfteüberschuß — die Real¬ löhne weniger rasch steigen als die Produktion pro Kopf, gleichzeitig aber die Investitionstätigkeit so aufrecht¬ erhalten wird, daß die Akkumulation (im Sinne produk¬ tiver Kapazität) in der oben geschilderten Weise beschleu¬ nigt wird; und wenn — bei einem Arbeitskräftemangel — die (Geld-)Löhne im Verhältnis zu den Preisen steigen, der Reallohn mehr als die Produktion pro Kopf steigt und das Tempo der Akkumulation sich verlangsamt. Funktio¬ niert dieser Mechanismus, dann wird die Bereitstellung von Kapitalgütern laufend an die Bereitstellung von Arbeitskräften angepaßt, und jedwede Tendenz zu Über¬ schuß oder Knappheit an Arbeitskräften wird rasch kor¬ rigiert. — Es ist bloß erforderlich, die für die Erhaltung der Stabilität notwendigen Bedingungen anzuführen, um zu sehen, wie prekär die Erhaltung der Stabilität unter den kapitalistischen Spielregeln ist." (S. 89, von mir her¬ vorgehoben, Th. P.) Nur wenn das Tempo des technischen Fortschritts sich nicht unversehens ändert, wenn der technische Fortschritt sich nicht ungleichmäßig über die ganze Wirtschaft ver¬ breitet, wenn die Akkumulationsrate nicht von der Rate des technischen Fortschritts divergiert, wenn Zuwachs¬ rate von Bevölkerung beziehungsweise Arbeitskräfte¬ potential und Akkumulationsrate nicht auseinanderklaffen und wenn der Mechanismus der Konkurrenz nicht ver¬ sagt — nur wenn das alles nicht passiert und die Profit¬ raten daher konstant zu sein neigen und die Reallöhne zusammen mit der Produktivität wachsen, ist eine Situa¬ tion gegeben, in der es keine inneren Widersprüche in dem System gibt. Und wenn die Unternehmer dann fort¬ fahren, gleichmäßig zu akkumulieren, dann entwickelt sich das System ohne Störungen. „Jährliche Gesamtpro¬ duktion und gesamter Kapitalbestand wachsen dann mit¬ einander in gleichmäßig proportionalem Tempo, wobei die Wachstumsrate ein Produkt der Zuwachsraten von Ar¬ beitskräftepotential und Produktivität pro Kopf ist. Wir können diese Bedingungen als Goldenes Zeitalter bezeich¬ nen — und damit zum Ausdruck 'bringen, daß das ein märchenhafter Zustand ist, den es in der wirklichen Ökonomie kaum gibt." (S. 99.) Wir können die komplizierte und erschöpfende Analyse dieses Kernstücks des vorliegenden Werks hier nicht wiedergeben (selbst ihre konzentrierte Zusammenfassung nimmt mehrere Seiten — 173 bis 176 — ein), sondern bestenfalls andeuten. Inzwischen sei noch auf die zentrale Bedeutung verwiesen, die die Reallöhne darin einnehmen (ihr unterschiedliches Niveau bei der Beurteilung der Lage und Entwicklung verschiedener Länder, ihre Be¬ wegung bei der Beurteilung der Lage und Entwicklung in einem Lande). Zum Beispiel: Bei gegebenem Stand des technischen Wissens entscheidet das Niveau der Reallöhne den Mechanisierungsgrad der in Angriff genommenen Investitionsprojekte (S. 106 bis 108); bei höheren Löhnen ziehen die Unternehmer einen höheren Mechanisierungsgrad vor, bei niedrigen Löhnen wird der Me¬ chanisierungsgrad im allgemeinen niedriger sein; letzterer ist ein Symptom der tieferen Ursache „niedrige Löhne", nicht die Ursache niedriger Löhne; wohl kann es (bei sinkender Akkumu¬ lationsrate) höhere Löhne ohne höhere Produktivität geben, un¬ möglich aber (unter Bedingungen der Konkurrenz) höhere Pro¬ duktivität ohne höhere Löhne. (S. 129 bis 131.) Allerdings darf man aus der These, daß wachsende Mechanisierung mit sinkender Profitrate und steigenden Löhnen Hand in Hand geht, nicht schließen, daß die wachsende Mechanisierung dies verursache: „Unsere Argumentation bringt die Tatsache ans Licht, daß es die Akkumulation als solche ist, die die Löhne zu steigern neigt, während die Mechanisierung die Senkung der Profitrate bremst, die eintreten würde, wenn die Akkumulation ohne die Möglich¬ keit für weitere Mechanisierung fortgesetzt werden würde." (S. 151.) Umgekehrt zur Wechselwirkung von Reallöhnen und Akku¬ mulation: „Die Wachstumsrate des Wohlstandes wird, auf längere Sicht betrachtet, nicht durch irgendwelche technische Faktoren begrenzt, sondern durch die Lethargie, die Platz greift, wenn der Stachel der Konkurrenz und der wachsenden Reallöhne ab¬ stumpft." (S. 100.) Insgesamt ergibt die Analyse der Bedingungen der kapitalistischen Akkumulation auf längere Sicht (und nur davon war bisher die Rede), daß die Realisierung der „potentiellen Wachstumsrate" der Akkumulation, also eines „Goldenen Zeitalters", wo sich das System gleich¬ mäßig, harmonisch, störungsfrei entwickelt, wohl logisch denkbar, aber praktisch so gut wie unmöglich ist. Allein die häufigen und erratischen Veränderungen in Wachs¬ tumsrate und „Schlagseite" des technischen Fortschritts (etwa in kapitalverbrauchender8 oder kapitalsparender Richtung) zerstören die Bedingungen dafür, ebenso die andern oben angeführten Störungsmomente. („Und selbst wenn die potentielle Wachstumsrate stabil und ungestört verläuft, gibt es einen Wurm in der Knospe. Mit wach¬ sendem Bestand an Kapital neigt die Konkurrenz dazu, abzustumpfen, und der Stachel der Akkumulation zu er¬ schlaffen, so daß die Wirtschaft aus einem Goldenen Zeit¬ alter in einen Zustand der Stagnation zu verfallen droht.") (S. 176.) Wobei Mrs. Robinsons Analyse zeigt, daß den Kettenreaktionen, die durch die mannigfaltigen Störungs¬ faktoren ausgelöst werden, durchaus nicht jene Automatik zu selbsttätigen Korrekturen innewohnt, die die „neo¬ klassische" Richtung der bürgerlichen Nationalökonomie (vor Keynes) der Akkumulation unter den Spielregeln des Kapitalismus zuzuschreiben gewohnt war. Keim der Krise in der Konjunktur Die Akkumulation des Kapitals im großen Trend, auf lange Sicht, ist das Ergebnis der Investitionsentscheidun¬ gen in einer Kette kurzer Fristen. Diese wieder basieren auf den Profiterwartungen. Mit der Wechselwirkung von Profiten und Investitionen und den entsprechenden Schwankungen und Zyklen beschäftigt sich der Abschnitt über Akkumulation innerhalb kurzer Fristen (S. 179 bis 221). Kurzfristige Nachfrageschwankungen stören den Me¬ chanismus der Anpassung (Beschleunigung) der Akku¬ mulationsrate an einen auftauchenden Überschuß von Arbeitskräften; dies stärkt die im ersten Teil erzielte Schlußfolgerung, daß ein Defizit der Nachfrage nach Arbeitskräften im Verhältnis zum Angebot viel weniger zur Selbstkorrektur neigt als ein Angebotsdefizit. (S. 197.) Hohe Profite fördern lebhafte Investitionen, und diese wieder hohe Profite. Wenn die Investitionen an eine Ober¬ grenze anstoßen (die durch einen Mehrzuwachs an Pro¬ duktionskapazität im Verhältnis zum Beschäftigten¬ zuwachs und folglich durch ein Nachlassen der Nachfrage gegeben sein mag oder auch durch Engpässe in den Investitionsgüterindustrien), sinken sie ab; schrumpfende Investitionen erzeugen schrumpfende Profite und eine 0 Zum Beispiel führt eine starke Schlagseite in Richtung kapitalverbrauchenderTechnik und wachsender „Real-Kapitalrate" (Verhältnis des Bestandes an Kapitalgütern, gemessen in Arbeits¬ zeit, zum laufenden Arbeitsaufwand bei normaler Kapazitäts- ausnützung; also etwa das, was bei Marx der organischen Zu¬ sammensetzung des Kapitals entspricht) zu einem „technokrati¬ schen Alptraum"; solange sie anhält, steigt der Konsum sehr langsam und der Anteil der im Investitionsgütersektor beschäf¬ tigten Arbeiter wächst ständig mit der wachsenden Anwendung von Techniken, die immer mehr Kapital, gemessen am Arbeits¬ aufwand je Kapazitätseinheit, erfordern. Dies muß nicht unbe¬ dingt zur Arbeitslosigkeit führen, aber die Reallöhne steigen äußerst langsam und das Verhältnis zwischen Konsum und Inve¬ stitionen sinkt. Gleichzeitig ist es ein äußerst labiler Zustand. Denn wenn es in irgendeinem Zeitpunkt zu einer Änderung in der diesbezüglichen Schlagseite der technischen Neuerungen kommt, würde die Investitionstätigkeit abrupt sinken und eine schwere Krise einsetzen. „Kurz gesagt, während kapitalverbrau¬ chende Neuerungen die Unternehmerinteressen begünstigen (in¬ dem sie Kapital knapp im Verhältnis zu den Arbeitskräften machen), schaffen sie, wenn man ihnen übermäßig frönt, Be¬ dingungen, unter denen es unmöglich wird, unter den Spielregeln des Kapitalismus weiterzuspielen." (S. 172.) 236