weitere Investitionsschrumpfung, wobei die Untergrenzen keineswegs so definitiv gegeben sind wie im umgekehrten Fall. Die Konjunktur basiert auf einem Widerspruch; die Investitionstätigkeit, die durch einen Verkäufermarkt herbeigeführt wurde, sägt den Ast ab, auf dem sie sitzt, indem sie die Bedingungen für einen Verkäufermarkt beseitigt. (S. 198 bis 209.) Aber selbst wenn die Bedingun¬ gen für ein Goldenes Zeitalter gegeben wären, würde es Konjunkturen und Krisen (booms and slumps) geben, denn die globale Wirkung der Entscheidungen der im Ungewissen agierenden einzelnen Unternehmer führen notwendigerweise zu Überspitzungen, Über- oder Unter¬ investitionen und zu den entsprechenden kumulativen Schwankungen. {S. 209.) Die Abschnitte über Geld und Finanzen, Rentiers, Grund und Boden, relative Preise und Welthandel bringen weitere Modifikationen der ursprünglichen vereinfachen¬ den Annahmen und damit eine immer unmittelbarere Wirklichkeitsnähe, ohne aber die Hauptthesen zu ändern.7 Die chronische Tendenz zu überhöhten Zinssätzen (über¬ höht im Verhältnis zu den Profitraten) verstärkt die ohne¬ hin stets vorhandenen Tendenzen zur Stagnation. (S. 242.) Hoher Konsum aus Profiten bedeutet (bei hoher Investi¬ tionstätigkeit) niedrigere Reallöhne und provoziert unter ' Anlaß zum Bedauern mag mancher Leser darin finden, daß die Annahme des „laisser-faire" nur gelegentlich gelockert wird. Die Berücksichtigung der Auswirkungen des staatlichen Inter¬ ventionismus würde in dieser Epoche der monopolisierten („ver- machteten") Wirtschaft und des Wettbewerbs der Systeme nicht wenig zu einem noch besseren Verständnis der derzeitigen Trieb¬ kräfte der Akkumulation beitragen. Fritz Klenner: Die geänderten politischen Verhältnisse und der Macht¬ zuwachs der Gewerkschaften haben die Gewerk¬ schaftspolitik wesentlich verändert. Sie stellt heute nicht ein nur auf die Lohnpolitik und die Sozialpolitik be¬ schränktes Konzept dar, sondern sie versucht, in allen Sektoren des wirtschaftlichen, sozialen und darüber hinaus auch des kulturellen Lebens wirksam zu werden, die irgendwie für die Arbeitnehmer von Bedeutung sind •— und das sind fast alle! Eine solche Politik bedingt ein Sichten und Werten übernommenen Gedankengutes. Was vor Jahrzehnten seine Richtigkeit hatte, muß heute nicht mehr zutreffen. Es frägt sich vor allem, ob das in der Vergangenheit den Unternehmer darstellende Bild heute noch allgemeine Gültigkeit hat. Auch der Unternehmer hat sich dem Wan¬ del der Verhältnisse anpassen müssen. War früher der sozial eingestellte Unternehmer die Ausnahme, so ist er heute eigentlich die Regel und der unsoziale Unternehmer bildet die Ausnahme. Es gibt" selbstverständlich in bezug auf soziales Verhalten verschiedene Auslegungen, doch kann nicht geleugnet werden, daß die Mehrzahl der Unter¬ nehmer größerer, mittlerer und auch kleinerer Betriebe sich mit dem Vorwurf unsozialen Verhaltens nicht be¬ lasten will. Dabei sind die Motive nicht ausschlaggebend, entscheidend sind die Tatsachen. Sie mögen in vielen Fällen nicht nur durch den Wandel der Zeit, sondern auch durch die Kraft der Gewerkschaften und die der öffent¬ lichen Meinung herbeigeführt worden sein. Ebenso hat sich d'as Verhalten vieler Arbeiter und Angestellter zum Betrieb gewandelt. Wenn auch die Stellung der meisten Arbeitnehmer im Betrieb eine be¬ sonders enge Betriebsverbundenheit nicht aufkommen läßt, so ist doch die Wertung der Betriebsstätte als „Aus¬ beuterbude" im Schwinden. Je nach dem Grad des Be¬ triebsklimas gibt es eine mehr oder weniger aufgeschlos¬ sene Haltung zum Betrieb und seinen Problemen. 1 Siehe Paul Blau: „Gefährliche Rezepte" in Arbeit und Wirt¬ schaft 6/1960. Umständen auch anti-inflationistische Maßnahmen und damit eine Senkung der Akkumulation; unter Bedingun¬ gen der Stagnation allerdings regt ein stärkerer „Rentier"- Konsum Beschäftigung und mittelbar auch die Akkumu¬ lation an. Jedenfalls sind Luxusausgaben ein besseres Hilfsmittel gegen Arbeitslosigkeit als Rüstungsausgaben, aber weniger gut als produktive oder Sozialinvestitionen. (S. 272/3.) Aus der Fülle der Gedanken, die hier nicht einmal mehr andeutungsweise wiedergegeben werden können — und die geringeren Geistern Stoff für ein gutes halbes Dutzend Lehrbücher abgeben würden (darunter vor allem über die Wechselwirkung von Unterschieden beziehungs¬ weise Änderungen in Naturreichtum [einschließlichBoden], Bevölkerung undAkkumulation sowie überKonkurrenzund Monopol) —, sei nur noch die Bemerkung erwähnt, wo¬ nach „das Niveau von Renten, Löhnen und Profitrate nicht bestimmt wird durch die Grenzprodukte von Boden, Ar¬ beit und Investitionen. Vielmehr werden alle drei zusam¬ men in komplexer Weise durch das Spektrum der techni¬ schen Möglichkeiten, die der ganzen Wirtschaft zur Ver¬ fügung stehenden Mengen von Land und Arbeitskräften, die Summe der bereits stattgefundenen Akkumulation und durch das Niveau der wirksamen Nachfrage nach Waren und durch die Investitionsrate bestimmt". (S. 311/12.) Diese Bemerkung allein zeigt anschaulich, wie wenig sich Mrs. Robinson auf den ausgetretenen Pfaden der „neoklassischen" Sackgassen bewegt und mit welcher außerordentlich bedeutsamen und originellen Arbeit wir es hier zu tun haben. Unter solchen Aspekten gewinnt die Frage der Gewinnbeteiligung eine andere Bedeutung als in der Vergangenheit. Die Gewinnbeteiligung ist keineswegs eine Erfindung der Gegenwart. Schon vor dem ersten Weltkrieg ver¬ suchten in Deutschland und der österreichisch-ungari¬ schen Monarchie Unternehmer, die Arbeiter an einer Gewinnbeteiligung zu interessieren. Die wachsende Macht der Gewerkschaften und der Einfluß von deren Ideologie auf die Arbeiterschaft brachten es damals mit sich, daß die Unternehmer allerlei Pläne erörterten, die der Agi¬ tation der Gewerkschaften entgegenwirken sollten. Die ersten Versuche der Gewinnbeteiligung der Ar¬ beiter in Fabrikbetrieben lagen schon im vorigen Jahr¬ hundert. Insbesondere in England und Frankreich hatte man in der Industrie und in der Landwirtschaft mit die¬ sem Lohnsystem experimentiert. Aber die verschiedensten Versuche, durch Gewinnbeteiligung oder Wohlfahrts¬ einrichtungen die Arbeiter an die Betriebe zu fesseln, führten nur in den seltensten Fällen und auch nur dann, wenn ehrliche und nicht egoistische Absichten den Unter¬ nehmer leiteten, zum Erfolg. Zwischen 1905 und 1910, als Folge des raschen An¬ wachsens der gewerkschaftlichen Kräfte, wollten die österreichischen Unternehmer neuerlich einen Vorstoß in der Richtung der Gewinnbeteiligung unternehmen. Die Gewinnbeteiligung war damals als ein System der Ent¬ schädigung der Arbeiter gedacht, bei welchem nach freiem Entschluß des Unternehmers neben dem scheinbar in üblicher Höhe bezahlten Lohn noch ein bestimmter Anteil am Gewinn des Unternehmens zugesagt wurde. Die Interessen des Unternehmers und der Arbeiter sollten durch die Gewinnbeteiligung eng verknüpft werden. In den meisten Fällen war das Versprechen der Gewinn¬ beteiligung nichts anderes „als ein raffiniertes Mittel zur Ausbeutung der Arbeitskraft", wie damals die freien Gewerkschaften argumentierten. Mit Hilfe der Gewinnbeteiligung wollten manche Gefährliche oder heilsame Rezepte? Zur Frage der Gewinilbeteiligung und der Volksaktien1 237