gungen wird dabei die Überführung der in der Landwirt¬ schaft freigesetzten Arbeitskräfte in die Industrie abver¬ langen. Dieser Frage wäre eine besondere Arbeit zu widmen. Bei der Umstrukturierung der bereits bestehen¬ den Betriebe wird es sich um Maßnahmen, wie Speziali¬ sierung, Typenbereinigung usw., handeln, die die An- Sassung an den größeren Markt erleichtern. Infolge des berwiegens der Klein- und Mittelbetriebe in Österreich8 sind für uns einige in den USA gesammelte Erfahrungen interessant, aus denen hervorgeht, daß auch im größeren Markt ein erheblicher Teil der Fabrikation weiterhin dem Klein- und Mittelbetrieb vorbehalten ist. Um nur einige Beispiele zu nennen: Die Radio Co¬ operation of America bezieht 76 Prozent ihrer Fertigung von Kleinbetrieben. Vor einigen Jahren hat sie sogar einen ihrer eigenen Verarbeitungsbetriebe geschlossen, weil ein eigentlich recht bescheidenes Elektrounterneh- men aus der Umgebung einen besseren Apparat auf den Markt gebracht hatte. Die General Electric läßt die Hälfte ihrer Fertigung von 42.000 Zulieferern ausführen, die sich zu 90 Prozent aus Kleinbetrieben zusammensetzen. Die General Motors schaltet 21.000 Zulieferer und Lieferanten ein, so daß man sagen kann, daß von jedem Dollar Umsatz fünfzig Cents auf die verschiedenen Lieferanten entfallen. Zur Frage der Lebensfähigkeit der Klein- und Mittel¬ betriebe ist schließlich noch zu bemerken, daß es selbst innerhalb einer großen Freihandelszone auch weiterhin regionale Märkte geben wird. Um ihre Lebensfähigkeit zu gewährleisten, wird man allerdings den bestehenden Betrieben die Anpassung er¬ leichtern müssen. Hier erwachsen der öffentlichen Hand große Zukunftsaufgaben. Selbst in den USA verschließt man sich nicht der Notwendigkeit eines ordnenden Ein¬ greifens in den freien Wirtschaftsablauf (Small Business Act einerseits, Antitrustgesetzgebung andererseits). Erforderliche Maßnahmen Um ihren Aufgaben gerecht zu werden, wird die Re¬ gionalpolitik in drei spezifischen Arten des Vorgehens zum Ausdruck kommen müssen: — erstens in der Aktion auf sozialem Gebiet, die im wesentlichen den Problemen der Beschäftigung, Berufs¬ ausbildung und -umschulung gilt. Dabei wird man sein besonderes Augenmerk der Förderung der beruflichen Freizügigkeit (Erleichterung des Berufswechsels durch Umschulungsbeihilfen usw.) zuzuwenden haben; — zweitens in Maßnahmen auf dem Gebiete der Investi¬ tionen und besonders der Infrastruktur. Bei den indu¬ striellen Neugründungen werden selektive Investitions¬ hilfen in der einen oder anderen Form (von direkten Zu¬ schüssen bis zu Steuerstundungen) eine Rolle zu spielen haben. Hinsichtlich der Infrastruktur wird eine bessere regionale Harmonisierung anzustreben sein; — drittens schließlich in anregenden Maßnahmen vor allem auf dem Gebiete der Verkehrspolitik und der Energiepolitik. Darunter fallen in erster Linie tarifarische Maßnahmen. Hier wird es besonders wichtig sein, einen engen Kontakt zwischen den Zentralstellen und den re¬ gionalen Instanzen sicherzustellen.9 Das moderne wirtschaftspolitische Instrumentarium ist sehr reichhaltig. Sein zweckmäßiger Einsatz im Dienste der Regionalpolitik konnte hier nur sehr sum¬ marisch und beispielhaft angeführt werden. Bevor man 8 Lediglich 1,9 Prozent aller österreichischen Industrie¬ betriebe beschäftigen mehr als 1000 Arbeitnehmer, aber mehr als 58 Prozent weniger als 50 Arbeitnehmer. Dazu kommt, daß das hauptsächlich aus „Ein-Mann-Betrieben" bestehende Gewerbe in Österreich weit größere Bedeutung hat als in den meisten anderen Ländern. (Ende 1956 waren schätzungsweise im Gewerbe 510.000 und in der Industrie 643.000 Personen beschäftigt; im Gewerbe also nicht viel weniger als in der Industrie.) Quelle: Österreich und die Integration, herausgegeben vom österreichi¬ schen Institut für Wirtschaftsforschung. • Hier wie auch a. a. O. wird zum Teil auf Leitsätze zurück¬ gegriffen, die von Mitgliedern des Ausschusses für langfristige Wirtschaftspolitik des Europäischen Parlaments in der Sitzungs¬ periode 1959/60 entwickelt wurden. es einsetzt, bedarf es der Klärung einer Reihe von Ge¬ gebenheiten, denn es gibt keine vernünftige Politik ohne Kenntnis der Gegebenheiten, auf die sie einwirken will. Um sich einen richtigen Begriff von der Region machen zu können, müssen daher zunächst deren Abgrenzungs¬ kriterien herausgearbeitet werden. Die regionale Wirklichkeit läßt sich auf zwei gleich¬ laufenden Wegen abgrenzen:10 — einmal, indem man die Grenze des Raumes sucht, in¬ nerhalb dessen die wirtschaftlichen Gegebenheiten eine gewisse Homogenität aufweisen, wodurch sich eine Re- • gion von der anderen unterscheidet, — zum anderen, indem man die Grenzen des Raumes sucht, dessen innere Beziehungen so geartet sind, daß zwischen den verschiedenen Teilen des regionalen Ge¬ bietes ein stärkerer Grad wechselseitiger Abhängigkeit besteht als hinsichtlich der Beziehungen, die sie mit anderen Räumen unterhalten. Soweit die von französischen Wissenschaftern ausge¬ arbeiteten Leitgedanken, von denen sich auch die EWG- Kommission inspirieren ließ. Solange dieses relativ junge Forschungsgebiet jedoch nicht eingehender wissenschaft¬ lich erschlossen ist, wird sich die Wirtschaftspraxis dar¬ auf beschränken müssen, sich auf gewisse wirtschaftliche Kriterien der Homogenität, wie durchschnittliche Ein- kommenshöhe der Bevölkerung, Steueraufkommen, pro¬ zentualer Anteil der Industriearbeiter am gesamten Ar¬ beitskräftepotential usw. zu stützen und demographische sowie geographische Faktoren hilfsweise heranzuziehen haben. Ein großer Schritt auf dem Wege zur Erfassung der jeweiligen regionalen Gegebenheiten wäre es, regionale Wirtschaftsbilanzen zu erstellen und Tabellen des inter- sektorialen und interregionalen Austausches auszu¬ arbeiten. Diese Verfahren sind in voller Entwicklung be¬ griffen. Mit Hilfe dieser Verfahren können die Wachs¬ tums- und1 die Stagnations- beziehungsweise Schrump¬ fungstendenzen von Teilräumen, wie zum Beispiel inner¬ halb der Ballungsräume oder Notstandsgebiete, verdeut¬ licht werden. Diese statistischen und buchhalterischen Inventar¬ studien würden die in die Zukunft weisenden Arbeiten — die Prognosestudien und schließlich die Regionalpläne als Krönung dieser Arbeiten — vorbereiten. Die Regionalpläne dürften jedoch keinesfalls die allein verbindliche Richtschnur für das wirtschaftliche Handeln in dem zu integrierenden Europa abgeben. Die regionale Orientierung darf sich nicht so verselbständigen, daß sie die gegenseitige Abhängigkeit und Bedingtheit aller wirt¬ schaftlichen Sachverhalte und Ziele nicht gebührend be¬ rücksichtigt und damit den Grundsatz einer einheitlichen Konzeption der. Wirtschaftspolitik aufgibt.11 Damit sind wir an die Grenzen jeder Regionalpolitik gestoßen. Die grundlegenden Wirtschaftsentscheidungen werden in einem integrierten Europa zentral, von einem einheitlichen wirtschaftlichen Konzept ausgehend, zu fäl¬ len sein. Durch diese Feststellung soll die Bedeutung der Regionalpolitik jedoch keinesfalls herabgesetzt werden. Infolge der Integration werden die wichtigsten wirt¬ schaftlichen Entscheidungen von der jeweiligen Staats¬ ebene auf die europäische Ebene verlagert. Aus dieser „hohen Sicht" der europäischen Zentralorgane könnten da nur allzuleicht die spezifischen Probleme und Nöte der benachteiligten europäischen Regionen „übersehen" werden. Die energische Verfechtung regionalpolitischer Belange wird daher in Zukunft besonders wichtig sein. Die Regionalpolitik wird zu einem wirksamen Gegen¬ gewicht gegen den sich abzeichnenden europäischen In¬ tegrationszentralismus werden müssen. " Siehe: „L'Economie regionale, espace operationnel" — Cahiers de l'Institut des Services economiques appliques, Leitung Prof. Frangois Perroux. 11 Das deckt sich mit den vom Arbeitskreis für industrielle Standortwahl (beim Deutschen Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumplanung) ausgearbeiteten „Thesen zu wirt¬ schaftlichen Fragen der Raumordnung". 244