Die süd- lind zentralafrikanischen Gruben der europäischen Kolonial¬ gesellschaften sind profitbringender als alle anderen Bergbaue der Welt. Ein Beispiel: Der „Kupfergürtel" (Nord¬ rhodesien und Südkatanga) liefert ein Erz, das 3 bis 7 Prozent Metall enthält. Die nordamerikanischen Vorkommen enthalten nur 0,9 Prozent, die chileni¬ schen 1,8 Prozent. Die Gestehungs¬ kosten des zentralafrikanischen Kupfers betragen (je nach dem Vorkommen) 80 bis 135 Pfund Sterling pro Tonne. Der Weltmarktpreis des Kupfers schwankt zwischen 420 (höchster Kurs) und 170 (niedrigster Kurs) Pfund Sterling; er beträgt gegenwärtig etwa 260 Pfund Sterling und ermöglicht einen Profit von 100 bis 200 Prozent. Das afrikanische Grubengebiet wird von drei Gruppen beherrscht. Vom „Rhodesian Selection Trust" (kontrol¬ liert von der „American Metal New York"), der seit sieben Jahren zweimal soviel Dividenden ausschüttet, als 39.000 rhodesische Bergarbeiter in Form von Lohn bekommen; von der anglo-ameri- kanischen Gruppe unter Harry Oppen¬ heimer, die 20 Prozent der Weltvor¬ kommen an Gold, 35 Prozent an Dia¬ manten und 10 Prozent an Kupfer er¬ zeugt und von der „Union Miniere du Haut-Katanga (U.M.H.K.)", einer Filiale der „Soci6t6 Generale beige", die an beiden Gruppen beteiligt ist. Für die „Society Generale" waren der Kongo und insbesondere Katanga bis 1952 eine Familienangelegenheit. Sie fungierte gleichzeitig als Zentralbank und EmmisSions-Institut. Sie sah daher keine Gefahr darin, daß die Mehrheit der Aktien der „Union Miniere" im Be¬ sitz des „Comite special du Katanga" war, das selbst wieder zu zwei Drit¬ teln durch die kongolesische Regierung kontrolliert war. Als die Unabhängig¬ keit des Kongo unvermeidlich wurde, war es die große Sorge der „Societe Generale", ihr Reich in Katanga auf¬ rechtzuerhalten. Das „Comite Special du Katanga" wurde aufgelöst; die Regie¬ rung des unabhängigen Kongo verlor auf diese Art die indirekte Kontrolle über die „Union Miniere"; von letzterer wurden ihr bloß 22,5 Prozent der An¬ teile zugestanden. Im 'Verlaufe der Verhandlungen in Brüssel wurde nicht festgelegt, ob diese 22,5 Prozent der kongolesischen Zen¬ tralregierung oder der Provinzialregie- rung von Katanga zugesprochen werden. Der Plan der „Union Miniere" war, der Zentralregierung des Kongo die 22,5 Pro¬ zent seiner Anteile zu entziehen, indem er die Lostrennung Katangas provozierte und zwecks noch größerer Sicherung die Föderation Katangas mit Rhodesien, dem britischen Dominion, anstrebte. Es ist bezeichnend, daß die Kurse der afrikanischen Wertpapiere an der Brüs¬ seler Börse, die sich im Zusammenhang mit Ankündigung der Lostrennung Ka¬ tangas wieder von ihrem Sturz erholt hatten, erneut stürzten, sobald man dort vom Eingreifen der UNO im belgischen Kongo erfuhr. Mehr noch: die Kurse der Aktien der „Union Miniere" stiegen noch am Vorabend der Ankündigung der Lostrennung Katangas durch Tschombe. Das sozialistische Wochen¬ organ Belgiens, La Gauche, schreibt: „Die liberale und klerikale Rechte üben auf die Regierung einen schändlichen Druck aus, damit diese die Angst in vie¬ len Familien als Vorwand nehme, um die Unabhängigkeit des Kongo wieder in Frage zu stellen und dort eine Kol- labarationsregierung zu errichten, die mit Leo (mit dem König) zusammen¬ arbeiten soll." Mit der Lostrennung Katangas hätte die „Societe Generale" zwei Fliegen auf einen Schlag getroffen: sie hätte den Kongo geschwächt, der zwei Drittel seiner Steuereinnahmen von der „Union Miniere" bezieht, und sie würde ihren Einfluß auf Katanga behalten und even¬ tuell auf zwei weitere reiche Provinzen (Kasai und Kivu) ausdehnen, falls sich diese mit Katanga zu einer Föderation zusammenschließen. Die Durchführung dieses Planes zur Zerstückelung des Kongo war schon Ende Juli sehr weit fortgeschritten. Die Regierungen Großbritanniens und der USA waren bisher sichtlich abge¬ neigt, sich dem Spiel der Bergbaugesell¬ schaften anzuschließen. Die „freund¬ schaftliche Hand", die Sir Roy Welen- sky Katanga reichen wollte, erhielt vom britischen Premier Macmillan ein paar auf die Finger und zog sich zu¬ rück. Die amerikanische Regierung fürchtete, daß durch eine Fortsetzung der kolonialistischen Methoden reinsten Stils Afrika in den kalten Krieg ein¬ bezogen und damit die Versorgung der Vereinigten Staaten mit nichteisen¬ haltigen Metallen beeinträchtig werden könnte. K. F. Die Wirtschaft der zentral¬ afrikanischen Föderation Auch für die in der Mitte der afrika¬ nischen Landmasse liegende zentral¬ afrikanische Föderation, bestehend aus Südrhodesien, Nordrhodesien und Njassaland, wird das Jahr 1960 ein Schlüssele ahr bedeuten. Die im März 1959 ausgebrochenen Unruhen, die in letzter Zeit wieder aufgeflammt sind, waren nur die ersten Wellenschläge einer Flut, die von den Stürmen im übrigen Afrika angefacht wird. In der zentralafrikanischen Föderation ist das Dilemma der 300.000 Weißen unter den mehr als 7 Millionen Einwohnern des Landes besonders offenkundig. Als weiße Kolonie gedacht, sieht sie sich nun dem schwarzen Nationalismus ge¬ gegenübergestellt. Im Oktober 1960 soll eine Revision der Bundesverfassung vor¬ genommen werden, bei der auch über den künftigen Status von Nordrhode¬ sien mit seinen reichen Kupferminen entschieden werden soll. Trotz dieser unruhigen und ungewissen Situation stand die Wirtschaft der Föderation am Ende des Jahres 1959 im Zeichen einer umfassenden Erholung. Der Außenhandel hatte in den ersten neun Monaten 1959 eine außerordent¬ lich günstige Bilanz aufzuweisen. Wäh¬ rend die Handelsbilanz in derselben Periode des Jahres 1958 mit 7,13 Mil¬ lionen Pfund Sterling passiv gewesen war, ergab das Jahr 1959 ein Aktivum von 33,46 Millionen Pfund Sterling. Während der Neunmonatsperiode 1959 sanken die Importe aus dem Sterling¬ gebiet gegenüber dem Vorjahr um 8 Prozent, hauptsächlich auf Kosten Englands; diejenigen aus dem Dollar¬ gebiet gingen um mehr als 29 Prozent und die aus dem OEEC-Gebiet um an¬ nähernd 20 Prozent zurück; die Ein¬ fuhr aus den übrigen Gebieten der Welt wies eine Zunahme um 36 Prozent auf. Demgegenüber waren die Exporte, ausgenommen diejenigen in den Dollar¬ raum, bedeutend höher als im Vorjahr: die Exporte in das Sterlinggebiet um 20 Prozent, in das OEEC-Gebiet um 54 Prozent und in die übrige Welt um 119 Prozent. Die Verschiffungen nach dem Dollargebiet gingen wertmäßig um 23 Prozent zurück. Die Wirtschaft der einzelnen Gebiete der Föderation zeigt folgendes Bild: Südrhodesien: Eine der Hauptein¬ nahmequellen des Landes bildet die Tabakproduktion, die von 1956/57 bis 1958/59 mengenmäßig von 144,29 Mil¬ lionen lb.1 auf 191,30 Millionen lb. und wertmäßig von 23,67 auf 27,45 Mil¬ lionen Pfund Sterling angewachsen ist. Davon gingen 49,52 Prozent nach Eng¬ land, 5,66 Prozent nach Australien und 3,25 Prozent entfielen auf den Inland¬ konsum. Südafrika übernahm 79,5 Mil¬ lionen lb. In der Verarbeitungsindustrie unter¬ standen Ende 1959 insgesamt 1858 Un¬ ternehmen der Fabriksgesetzgebung ge¬ genüber 1526 Ende 1957. Das südrhodesische Staatsbudget 1959/60 Sieht bei 18,80 Millionen Pfund Sterling Einnahmen Ausgaben in der Höhe von 20 Millionen Pfund Sterling vor. Nordrhodesien: Die in Nordrhodesien infolge politischer Unruhen eingetrete¬ nen Schwierigkeiten wirtschaftlicher Natur ließen sich dank einer guten Ernte zum größten Teil meistern. Das wirt¬ schaftliche Rückgrat Nordrhodesiens bildet die Kupfergewinnung. Während im Jahre 1958 die Gesamtproduktion mit 375.000 Tonnen einen Ertrag von nur 69,84 Millionen Pfund eingebracht hatte, wurde in den ersten zehn Monaten 1959 ein Ertrag von 443.000 Tonnen im Werte von 97,83 Millionen Pfund Sterling verzeichnet. Auch die Zink¬ produktion brachte eine Verbesserung der Gelderträge, als Folge der steigen¬ den Weltmarktpreise. Während 1958 30.250 Tonnen 1,99 Millionen Pfund Sterling eingebracht hatten, betrug der Ertrag für die in den ersten 10 Monaten 1959 produzierten 24.800 Tonnen bereits 1,98 Millionen Pfund Sterling. Njassaland: Die am 3. März 1959 im Zusammenhang mit den Unruhen er¬ folgte Erklärung des Notzustandes hatte auch auf die Wirtschaft schädi¬ gende Auswirkungen, doch konnten diese durch Maßnahmen der Regierung eingedämmt werden. Die Haupteinnahmequelle des Lan¬ des bildet die Tabakproduktion. Da sich im Norden des Landes eine Mi߬ ernte ergab und 5 Millionen lb. Tabak wegen Unverkäuflichkeit vernichtet wer¬ den mußten, belief sich der Gesamt¬ ertrag 1959 nur auf 33,6 Millionen lb. gegenüber 38,4 Millionen lb. im Jahre vorher mit einem Ertragswert von 2,32 beziehungsweise 2,78 Millionen Pfund Sterling. N. 1 1 lb. = 1 Pfund = zirka Vi Kilogramm. Die französische Erdölwirtschaft Vor der Erschließung der reichhal¬ tigen Erdölfelder in der Sahara war Frankreich von ausländischen Liefe- 261