ARBEIT UNDWIRTSCHAFT HERAUSGEBER: �STERREICHISCHER ARBEITERKAMMERTAG UND �STERREICHISCHER GEWERKSCHAFTSBUND Nr. 12Dezember 196115. Jahrgang Dr. Erwin Weissei: |>Cr KII II �I�VNVOl i! I1S4*111 :i^ 1962 Nach langen Parteiverhandlungen konnte zum letzten verfassungsm��ig zul�ssigen Ter� min der Bundesvoranschlag 1962 fertiggestellt und dem Nationalrat zugeleitet werden. Dieses Schau� spiel wiederholt sich seit etlichen Jahren in jedem Winter, und es wird vielleicht nicht wenige Staats� b�rger geben, die sich durch diesen Bruderzwist im Hause Koalition abgesto�en f�hlen oder sich fragen, warum denn bis zur letzten Minute gestrit� ten werden mu�. Nun, ein Budget ist ein so wich� tiger Faktor im wirtschaftlichen und sozialen Leben, da� erbitterte Auseinandersetzungen zwi� schen den verschiedenen Interessengruppen zur Natur der Sache geh�ren. Wenn etwa um 50 Mil� lionen gestritten wird (die Landwirtschaft forderte f�r den Gr�nen Plan 500 Millionen, erhielt aber nur 450 Millionen), um einen Betrag also, der im Rahmen eines Milliardenbudgets kaum eine Rolle spielt, dann geht es h�ufig um Prestigefragen oder um Fragen der weiteren Auswirkungen, die eine Ausgabe von 50 Millionen Schilling hervorruft und die den urspr�nglichen Betrag um ein Vielfaches �bertreffen k�nnen. Daraus irgendwelche Schl�sse auf die F�higkeit oder Unf�higkeit der Regierung ziehen zu wollen, w�re v�llig verfehlt. Je mehr Konjunktur- und Sozialpolitik ein Staat betreibt, um so sch�rfer werden die Auseinandersetzungen um den Staats� haushalt sein und um so z�her werden die Verhand� lungen gef�hrt. Diese Tatsache m�ssen wir uns stets vor Augen halten. Der Budgetrahmen Der Bundesvoranschlag f�r das Finanzjahr 1962 sieht Gesamteinnahmen in der H�he von rund 52 Milliarden Schilling und Gesamtausgaben in der H�he von fast 54 Milliarden Schilling vor (siehe Tabelle 1). Es ergibt sich somit ein pr�liminierter Ge- samtgebarungsabgang von fast 1,9 Milliarden Schil� ling. Damit sind wir beim ersten Punkt angelangt, der eine ausf�hrliche Er�rterung erfordert. In der gegenw�rtigen wirtschaftlichen Lage �berwiegen zweifellos die expansiven Kr�fte. Es ist zu erwar� ten, da� sich die Wirtschaft im n�chsten Jahr wei� terhin g�nstig entwickeln und die Produktion wei� ter steigen wird, wenngleich auch das Wachstums� tempo langsamer als in den letzten Jahren sein d�rfte. Gleichzeitig machen sich Zeichen einer un� gesunden Konjunktur�berhitzung bemerkbar: der starke Anstieg des Preisniveaus in den letzten Monaten weist auf eine nahezu v�llige Auslastung aller Produktionskapazit�ten hin. Mit R�cksicht auf diese Situation wurde daher, wie es offiziell hei�t, eine ausgeglichene Gebarung angestrebt. Wie l��t sich der Gebarungsabgang mit diesem Konzept vereinbaren? Bundesvoranschlag 1962 belle 1 (Globale Gliederung) 1962 1961 Differenz Ordentliche Gebarung i n Millionen Schilling in Prozenten 52.536 45.098 + 7.438 + 16,5 52.020 44.787 + 7.233 + 16,1 311 + 205 + 65,9 Au�erordentliche Gebarung 1.360 2.280 � 920 � 40,4 5 � 5 � 100,0 2.275 � 915 � 40,2 Gesamteinnahmen 52.020 44.792 + 7.228 + 16,1 53.896 47.378 + 6.518 + 13,8 2.586 � 710 � 27,5 361