von der so lange nicht geschauten landschaftlichen Schönheit und den großen wirtschaftlichen Erfolgen. Aber er fügte in seinem, für die katholische „FURCHE" geschriebenen Artikel Worte ehrlicher Besorgnis hinzu: 'l Und jetzt: als Schillerfeier getarnte Nazidemonstration. Die „europäische" Maske, die diese Unbelehrbaren zu tragen pflegen, macht ihre Wühlarbeit nur noch gefähr¬ licher. Als 1962 ein alter Österreicher, den die Annexion seiner Heimat 1938 nach Amerika getrieben hatte, für einige Monate unser Land besuchte, war er tief beeindruckt „Man hofiert die ehemaligen National¬ sozialisten und Deutsch-Nationalen, macht sich mit Verbelen und Reders vor der Welt anrüchig und hat doch mit dem Versuch, sie für den österreichischen Staat zu gewinnen, nur geringen Erfolg. Sicher ist es ebenso nobel wie klug, ehemalige Gegner zu versöhnen. Müssen dazu aber nicht zwei Voraussetzungen erfüllt werden? Erstens: Die Gegner müssen guten Willen haben und dürfen nicht darauf hoffen, sich noch einmal wie Schmeißfliegen an dem Siechtum des Staates mästen zu können. Zweitens: Man muß sie für den Staat, nicht für die Stär¬ kung parteilicher Machtpositionen gewin¬ nen." („Die Furche" vom 22. Dezem¬ ber 1962.) Wer wollte leugnen, daß diese Kritik, die sich nicht gegen eine bestimmte Partei, sondern gegen alle Oppor¬ tunisten ohne Unterschied des Parteibuches richtet, nur allzu berechtigt ist? Der 25. Jahrestag der Annexion unseres Vaterlandes durch Nazideutschland mahnt uns, wachsam zu sein. W Gerhard See, Jerusalem Probleme der israelischenAußenpolitik Seit Entstehung des Staates Israel vor 15 Jahren erstrebt die israelische Außenpolitik den Friedensschluß mit den arabischen Nachbarstaaten und die Integration in die Völkergemeinschaft des Mittleren Ostens. In der Unab¬ hängigkeitserklärung heißt es: „Wir strecken allen Nach¬ barstaaten und ihren Völkern die Hand zum Frieden und auf gute Nachbarschaft entgegen und appellieren an sie, mit dem in seinem Lande selbständig gewordenen jüdischen Volk in gegenseitiger Hilfe zusammen¬ zuarbeiten. Der Staat Israel ist bereit, seinen Anteil an der gemeinsamen Anstrengung, den ganzen Vorderen Orient zu entwickeln, beizutragen." Dieser Appell wurde von den arabischen Regierungen vollständig überhört. Sie erklärten den jüdischen Staat für einen Fremdkörper, forderten die arabische Bevölke¬ rung Israels auf, das Land zu verlassen und begannen gleichzeitig einen Krieg mit dem eindeutig ausgespro¬ chenen Ziel, den jungen Staat gänzlich zu vernichten. Dieser Krieg mißlang, und in der ersten Hälfte des Jahres 1949 wurde unter Mithilfe der Vereinten Nationen zwar kein Friedensschluß, jedoch ein Waffenstillstands¬ abkommen mit Israels unmittelbaren Nachbarn: Ägypten, Jordanien, Syrien und dem Libanon erreicht. Die Araber beharrten aber auf ihrer feindseligen Haltung und führen ab diesem Zeitpunkt einen Wirtschafts-, Propaganda- und zeitweilig auch einen Guerillakrieg gegen Israel. Die arabische Propaganda gegen Israel überschattet auch die eigentliche Verbundenheit des arabischen und jüdischen Volkes und zwingt die jüdische Bevölkerung Israels in eine abwehrende Haltung. Es ist aber not¬ wendig, die Bereitschaft, sich als ein Teil der Bevölkerung Westasiens zu betrachten, innerhalb des Landes zu ver¬ stärken. Der Israeli müßte sich trotz der ihm entgegen¬ gebrachten Feindschaft als ein natürlicher Partner der 16