Zur Diskussion Gegen das Tannenbaumgesch�ft! Der Beitrag des Kollegen HKP zum Weihnachtsfes' in der Dezemberausgabe des �Jugendfunktion�rs" ist � ich w�hle bewu�t eine friedvolle Umschrei� bung � einigerma�en ungl�cklich aus� gefallen. Sein darin enthaltener Pro� test gegen die Kommerzialisierung die� ses Festes wird zwar gerade bei Men� schen mit einer klaren religi�sen �ber� zeugung besondere Zustimmung gefun� den haben. Der folgende, gr��ere Teil des Artikels entt�uschte jedoch zutiefst, da er nur als eine verbr�mte antichrist� liche Demonstration verstanden werden kann. Diese Interpretation wird zwar manchen Kollegen �bertrieben erschei� nen, aber sie dr�ngt sich unwillk�rlich auf. Der ganze oberfl�chliche Exkurs �ber die Geschichte des Weihnachts� festes, in dem nebenbei Arius gekonnt vulg�rmarxistisch zum Klassenk�mpfer bef�rdert und dem �b�rgerlichen" Ge� schichtsunterricht eine Zensur erteilt wird, soll doch offensichtlich junge Men� schen beeindrucken und sie zum Schlu� verleiten, Weihnachten sei nicht mehr als eine Mixtur aus babylonischen, alt� r�mischen, germanischen und sonstigen heidnischen Vorstellungen und habe schlie�lich von der �feudalen" Kirche den heutigen christlichen �bergu� er� halten. In diesem Sinn wurde der Ar� tikel auch von der, den Gewerkschaften gegen�ber �u�erst aufgeschlossenen, �Furche" verstanden, daher ihre schar� fe Glosse in der Ausgabe vom 5. J�nner dieses Jahres. Es steht nun sicherlich auch heute je� dermann frei, gerade im Dezember ir� gend etwas oder auch nichts anstelle von Christus zu feiern. Wir verlangen auch keine religi�sen Kundgebungen der Ge� werkschaftsjugend zur Weihnachtszeit, aber wir, wehren uns gegen Versuche, gerade jungen Menschen den Zugang zu Christus und zur Weihnachtsbotschaft noch mehr zu erschweren als es Kom� merz, Sex und Sekt ohnehin schon tun. Es ist ohne Zweifel verdienstvoll, junge Menschen durch Dichterworte und Musik aus dem Alltag und der Routine herauszuf�hren, dies nicht nur im De� zember, sondern auch sonst w�hrend des �brigen Jahres. In diesem Zusammenhang sind nun die Gedichttips, die dem Artikel bei� gef�gt sind, auch f�r den nur wenig Be� lesenen erstaunlich. Ist Kollege HKP nach Tucholsky und K�stner noch nie auf einen echt christlichen Dichter ge� sto�en, keinen �konfessionell �bereifri� gen", sondern etwa Claudel, Peguy, Reinhold Schneider oder die vielen an� deren? Diese Einseitigkeit in den Tips zur Gestaltung von �Weihnachtsfeiern" ist illustrativ und entt�uschend. Jedenfalls werden die unter anderem auch angegriffenen ��blen Gesch�fte� macher" kaum etwas gegen den Protest des Kollegen HKP einzuwenden haben. Sie machen ihr Gesch�ft, so oder so. Aber die �konfessionell �bereifrigen", als einer von denen ich mich durch diese Zuschrift brandmarke, meinen, Ar� tikel zu einem religi�sen Thema, i.i die� ser Art geschrieben, seien nicht not� wendig, auf jeden Fall nicht den Be� strebungen einer ideologisch neutralen Gewerkschaftsbewegung f�rderlich. Romuald Riedl Pr�gelknabe Masse Vor gro�en Aufgaben Es gibt keine Masse und auch keinen Durchschnittsmenschen im Sinne Ortega y Gassets. Das ist die Meinung von Ma� rie Rapp (Arbeit und Wirtschaft 1/1963). Aber man kann da sehr wohl auch anderer Meinung sein. Ortega bezeich� net als Masse die �Gesamtheit der nicht besonders Qualifizierten", ist aber so unvorsichtig, auch von einem �Durch� schnittsmenschen" zu sprechen. Diese Charakterisierung des Massenmenschen verleitet n�mlich Frau Rapp, sich auf Abwege zu begeben: sie versucht Ortega zu widerlegen, indem sie seinen Durch� schnittsmenschen statistisch inter� pretiert. H�tte sie dem �Durchschnitt" die Bedeutung gegeben, die Ortega of� fensichtlich im Sinne hatte, als er sei� nen �Aufstand der Massen" schrieb, so w�re ihr das gewi� nicht passiert. �Durchschnittlich" bedeutet n�mlich auch �gew�hnlich" oder �ohne beson� dere Eigenschaften". Der �durchschnittliche Mensch" k�nne nicht denken, meint Ortega (Der Auf� stand ..., Rowohlt-Ausgabe, S. 53), und er ma�e sich eine Meinung �ber Dinge an, von denen er keine Ahnung habe. Er wolle �berall mitreden und mit� entscheiden, ohne sich daf�r gr�ndlich vorbereitet zu haben (S. 49). �Den Wust von Gemeinpl�tzen, Vorurteilen, Gedan� kenfetzen oder schlechtweg leeren Wor� ten, den der Zufall in ihm angeh�uft hat, spricht er ein f�r allemal heilig ..." (S. 50) Wer k�nnte ernsthaft leugnen, da� all diese Vorw�rfe gegen viele, viele Menschen v�llig zu Recht erhoben wer� den k�nnen, gegen jene �gro�e Mehr� zahl der Menschen", die sogar Frau Rapp die �Masse" nennt. Aber Ortega erhebt diese Vorw�rfe nicht nur gegen den �gemeinen Mann", sondern � ganz konsequent � auch ge� gen diejenigen Wissenschaftler, die sich �ber ihr Spezialgebiet hinauswagen und dabei ihre Meinungen nicht durch eine geh�rige Portion Wissen untermauern k�nnen (S. 82/3). �Wer sich angesichts eines Problems mit den Gedanken zu� frieden gibt, die er ohne weiters in sei- sem Kopfe vorfindet, geh�rt intellek� tuell zur Masse." (S. 44) Frau Rapp meint, man k�nne mit der �Masse" in der Soziologie nichts anfan� gen. Ich bin da anderer Meinung. Denn die Eigenschaften des Massenmenschen wirken auch in Gesellschaft und Politik, so da� sich die Soziologie sehr wohl mit den Eigenschaften und mit dem Ver� halten des Massenmenschen zu befassen hat, etwa mit dem Dreinredenwollen, ohne von gewissen Dingen was zu ver� stehen, ja sogar ohne den Willen, sich das n�tige Wissen anzueignen. �ber die Folgen der Massenmeinung f�r die Politik der Westm�chte nach dem ersten Weltkrieg schreibt Walter Lippmann, der bekannte Soziologe und Leitartikler gro�er amerikanischer Zei� tungen: �Die unerfreuliche Wahrheit ist, da� die herrschende �ffentliche Meinung falsch war, gerade in kriti� schen Zeiten. Die Leute haben ihr Veto eingelegt gegen das Urteil der infor� mierten und verantwortlichen Personen in der Regierung." (W. Lippmann. �The Public Philosophy", published by The New American Library, 3. Auflage, S 23/4.) Und Lippmann zeigt auch, wie verh�ngnisvoll sich dieses Veto auf die Politik der Westm�chte ausgewirkt hat. Die Abh�ngigkeit der F�hrer von den Gef�hrten, die Frau Rapp in ihrem Ar� tikel besonders hervorhebt, hier war sie wirksam. Rache triumphierte �ber Ver� nunft � und die Saat f�r den zweiten Weltkrieg war damit ges�t. Ich gebe zu, da� ich hier und in manch anderen F�llen den Einflu� der Masse (im Sinne Ortegas) f�r verderb� lich halte. Das hat nichts zu tun mit einer �bersch�tzung der Experten oder der Eliten oder wie immer man die Sachverst�ndigen bezeichnen mag. Und es hat auch nichts zu tun mit �aristokratischen Ordnungsvorstellun� gen" (Rapp). Denn ich erkenne nur die sachliche Berechtigung der Kritik Ortegas am �Durchschnittsmenschen" an � ich halte es f�r schlecht, wenn jemand auch in Dinge dreinreden will, von denen er nichts versteht, und halte es f�r ver- 27