führende Rolle der Partei als „Lehrer, Organisator und Führer des ganzen Sowjetvolkes" stark in den Vordergrund gerückt wurde. Um das Parteileben aktiver zu ge¬ stalten, sollen jetzt die Spitzen¬ führer, Mitglieder des Zentral¬ komitees und andere führende Funktionäre häufig auf Partei¬ aktivtagungen über aktuelle Fra¬ gen sprechen, und im Zentral¬ komitee sollen regelmäßig Be¬ richte von Gebietssekretären ge¬ geben werden. Auch die regel¬ mäßigen Gesamt-Parteikonferen- zen, die früher alljährlich statt¬ fanden, aber seit 1941 „eingeschla¬ fen" sind, sollen jetzt wieder zum Leben erweckt werden. Gleich¬ zeitig wird die Parteidisziplin ver¬ schärft. Die Komitees für Partei¬ kontrolle sollen eine größere Rolle spielen, der Eintritt in die Partei ist erschwert, das Parteistatut ver¬ schärft, während das unter Chru¬ schtschow eingeführte „Rotations- System", das regelmäßig perso¬ nelle Auswechslung von Partei¬ sekretären vorsah, jetzt wieder abgeschafft wurde. Unter diesem Blickwinkel muß auch die Umbenennung von „Parteipräsidium" in „Politbüro" und die Wieder¬ einführung des „General¬ gesehen mulka ein Maisfeld eines polnischen werden. Obwohl Staatsgutes. Zu Hause erntete er jedoch diese Namensände- auf dem Gebiet der Landwirtschaft rungen wenig Lorbeeren. di * Sä.-V , Die Eröffnung des 23. Parteitages der KPdSU. Am Rednerpult: Leonid I. Breschnjew. daß die ideologischen Neuformulierungen der Chru¬ schtschow-Ära über den „Staat des ganzen Volkes" und die „Partei des gesamten Volkes" kaum noch erwähnt wurden. Chruschtschow begutachtet mit Go- Titels Sekretär" ,*? 1 y y mit dem Hinweis auf Lenin begründet wurden, sind beide Begriffe in Wirklichkeit längst zu einem integralen Bestand¬ teil der Stalin-Ära geworden; ihre Wie¬ dereinführung muß daher als „Brücke zu Stalin" gewertet werden. Der Name Politbüro dient dar¬ über hinaus wohl auch dem Ziel, den politischen Charak¬ ter der Parteispitze deutlicher zum Aus¬ druck zu bringen und damit das Lei¬ tungsorgan der Par¬ tei von dem (von Kossygin geleiteten) Präsidium des Mini¬ sterrats klarer ab¬ zugrenzen. Interes¬ sant erscheint auch, Aber selbst hiebei muß auch die andere Seite gesehen werden. So ist etwa gleichzeitig neben den bisher erwähn¬ ten Maßnahmen auch beschlossen worden, die Autorität des Obersten Sowjets zu erhöhen — sowohl durch Bildung neuer ständiger Kommissionen als auch durch die regel¬ mäßige Berichterstattung von Regierungsmitgliedern vor diesem Gremium. Realistische Wirtschaftspolitik Auf dem Gebiet der Wirtschaftspolitik ist, zum Unter¬ schied der Innen- und Kulturpolitik, der Einfluß der Re¬ formkräfte deutlich zutage getreten — obwohl auch auf diesem Sektor die für den Kongreß so typischen Kompro¬ mißformulierungen mitunter ihre Widerspiegelung er¬ fahren. Besonders positiv erscheint auf dem Gebiet der Wirtschaftspolitik, daß die früheren überhöhten Planziele unter Chruschtschow offen gerügt wurden. Der neue, jetzt angenommene Fünfjahrplan 1966 bis 1970 zeugt von einer realistischen und nüchternen Einschätzung der wirtschaftlichen Möglichkeiten der UdSSR. Im Unterschied zu früher liegt jetzt der Akzent mehr als je zuvor auf der Konsumgüterproduktion. Während in den vergange¬ nen fünf Jahren die Schwerindustrie um 58 Prozent, die Konsumgüterproduktion um 36 Prozent gesteigert wur¬ den, ist im neuen Fünfjahrplan eine Steigerung der Schwerindustrie um 49 bis 52 Piozent und eine Zuwachs¬ rate der Konsumgüterproduktion von 43 bis 46 Prozent vorgesehen. Die Wirtschaftsreform soll forgesetzt wer¬ den, aber keineswegs in dem von den Reformern ge¬ wünschten Ausmaß. Der Akzent liegt jetzt sowohl auf einer Verstärkung der zentralisierten Planwirtschaft als 11