kratie kann nur bedeuten, daß Unternehmer und Arbeit¬ nehmer gleichberechtigte Partner sind." Und auf der Seite 29 dieser Broschüre heißt es weiter: „Der öster¬ reichische Gewerkschaftsbund hält die Verwirklichung folgender wirtschaftspolitischer Ziele für besonders vor¬ dringlich: Vollbeschäftigung, Beschleunigung des wirt¬ schaftlichen Wachstums, solidarische Einkommenspolitik und Verwirklichung der Wirtschaftsdemokratie." Objektiverweise muß dazu festgestellt werden, daß die österreichische Gewerkschaftsbewegung in den inzwischen vergangenen acht Jahren zwar viele Anstrengungen im Sinne einer Politik der Vollbeschäftigung und des be¬ schleunigten Wirtschaftswachstums unternommen hat, daß aber die Frage der Wirtschaftsdemokratie, insbesondere V im Sinne einer gleichberechtigten Partnerschaft zwischen Unternehmer und Arbeitnehmer, nach wie vor Neuland ist, das wir offenbar kaum zu betreten wagen. Natürlich mag zunächst die Sorge um die Vollbeschäfti¬ gung und eine erfolgreiche Lohn- und Sozialpolitik schwe¬ rer wiegen, aber es gibt doch zwischen diesen Problemen und jenen der Betriebsdemokratie einen ursächlichen Zu¬ sammenhang. Denn es geht heute nicht mehr allein um die Sicherung des Arbeitsplatzes, nicht mehr allein um das höhere Einkommen, sondern ebenso auch um den arbei¬ tenden Menschen im Betrieb, der nicht als „Mitarbeiter" tituliert sein will, ohne es tatsächlich zu sein. Was nützen alle Erkenntnisse der Betriebspsychologie, die das Be¬ triebsklima verbessern sollen, wenn die Widersprüche zwi¬ schen der hierarchischen Führung des Betriebes und der zunehmenden Vergesellschaftung der Arbeit nicht aufge¬ hoben werden? Die freie Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit kann nicht erst nach getaner Arbeit am Feierabend, in einer mehr oder minder sinnvoll gestalte¬ ten Freizeit einsetzen, sondern braucht als ihr wesentlich¬ stes Betätigungsfeld den Arbeitsplatz. Längst ist die Zeit vorüber, in der die uneingeschränkte Autorität der leiten- Gildenbücher und -schallplatten: AUSGEZEICHNET und PREISWERT den Einzelperson im Betrieb begründet war. An ihre Stelle trat das Teamwork der Spezialisten, die fortgesetzte Ar¬ beitsteilung in vielen Verantwortungsbereichen. Die Wis¬ senschaft und die Technik waren der Motor zu einer Ent¬ wicklung, die eine Verfeinerung der Produktionsmethoden zum Ergebnis hat. Die Ansprüche an die Arbeitskräfte wachsen dementsprechend unaufhörlich. Der Ruf nach ihrer umfassenderen und besseren Ausbildung ist ver¬ ständlich. Hingegen haben wir es mit überholten Traditio¬ nen in den Produktionsverhältnissen zu tun, so daß ein wachsender Widerspruch zwischen ihnen und den Produk¬ tivkräften daraus resultieren muß. Dieser Widerspruch kann nicht dadurch aufgehoben werden, daß man etwas mehr Information für die Betriebsräte und eine „stärkere" Vertretung der Arbeitnehmer in den Aufsichtsräten for¬ dert, wie das auf einer Enquete der Bundesfraktion christlicher Gewerkschafter zum Thema der Mitbestim¬ mung im Oktober des Vorjahres das Mitglied des wirt¬ schaftspolitischen Ausschusses des ÖAAB Dr. Manfred Drenning tat. Das hieße nämlich, sich auch weiterhin auf das „Mitwirken" der Betriebsräte zu beschränken, ohne eine Mitbestimmung im Sinne einer gleichberechtigten Partnerschaft herbeizuführen. Verwirklichung in Etappen Selbstverständlich wäre eine gesetzlich verankerte und laufende Information über die wirtschaftliche Entwicklung und Problematik des Betriebes an seine Betriebsräte ein erstes Etappenziel auf dem Weg zur betrieblichen Mitbe¬ stimmung. Diese qualifizierte Information wäre eine kon¬ sequente Ergänzung des Rechtes, das den Betriebsräten nach dem Betriebsrätegesetz die Einsichtnahme in die Bi¬ lanz gewährt. Ein zweites Ziel auf dem Wege der Mit¬ bestimmung wäre die Forderung: Keine Personalmaßnah¬ men der Unternehmensführung ohne vorhergegangene Einvernahme mit den Betriebsräten. Allein in der Durch¬ setzung dieser Teilaspekte der Mitbestimmung würde ein Fortschritt liegen, der nicht zu unterschätzen wäre und der es lohnen würde, sich beharrlich dafür einzusetzen. Daß in den Arbeitnehmern schöpferische Kräfte vorhan¬ den sind, die für ein weiteres Wirtschaftswachstum mobili¬ siert werden könnten, beweist auch das da und dort ent¬ wickelte betriebliche Vorschlagswesen, das jedoch an und für sich mit der betrieblichen Mitbestimmung nichts zu tun hat, sondern lediglich auf das Vorhandensein dieser schöp¬ ferischen Kraftreserven hinweist. So zum Beispiel langten bisher jährlich bei den Österreichischen Stickstoffwerken durchschnittlich 300 Vorschläge ein, deren errechneter Er¬ folg sich auf mehr als 10 Millionen Schilling bemißt. Der sozialistische Abgeordnete zum Nationalrat Karl Czernetz schrieb in seinem Buch „Vor der Entscheidung": „Wir haben ein hohes Maß sozialer Sicherheit erreicht und die Grundlagen eines Wohlfahrtsstaates errichtet. Aber dürfen wir die Augen vor der Tatsache verschließen, daß die demokratische Selbstverwaltung in unserem Wohl¬ fahrtsstaat noch unzureichend entwickelt ist? Unsere Demokratie ist im staatlichen Bereich immer noch formal, im wirtschaftlichen kaum existent. Staat und Wirtschaft stehen weitgehend unter der Herrschaft der Bürokratie und des Managertums .. Er hat recht! Die Wirtschaftsdemokratie auszubauen, ist wahrlich ein dringendes Gebot unserer Zeit. i 6