tut für Wirtschaftsforschung ins Leben zu rufen und hof¬ fähig zu machen. Zwei Jahre später gelang der Durch¬ bruch hinsichtlich der mittelfristigen Prognosen und damit der Durchbruch zu einer Vorstufe einer planvollen Wirt¬ schaftspolitik. In Westeuropa war man aber inzwischen schon viel weiter gekommen. Ende 1966 überraschte uns die OECD mit einer mittelfristigen Prognose des wirt¬ schaftlichen Wachstums von 1960 bis 1970. Diese Prognose müßte in Österreich alarmierend wirken. Eine Durchsicht der Tabellen erbrachte nämlich das Resultat, daß unser Land, einst der Spitzenreiter des wirtschaftlichen Wachs- tums, in den kom- _ menden Jahren weit - abfallen würde, um mit der Schweiz und der Bundesrepublik Deutschland das Schlußlicht zu bil¬ den, mit zwei Län¬ dern allerdings, mit denen wir angesichts des relativ niedrigen Niveaus unseres Bruttonational- produkts pro Kopf kaum in einem Atem genannt werden können. Wenn die Prognose realistisch ist, und alle An¬ zeichen weisen darauf hin, würden wir nach zehn Jahren unter der Annahme eines etwa gleichbleibenden Arbeits¬ kräftepotentials hinsichtlich des Pro-Kopf-Einkommens hinter Italien an der letzten Stelle der westeuropäischen Industrieländer liegen; hinter uns kämen dann nur noch Spanien, Portugal und die Türkei. Die nachfolgende Tabelle veranschaulicht das oben Gesagte: als relativ sehr hoch angesehen werden kann. Auch diese Überlegungen sollen durch die nachfolgende Tabelle ver¬ anschaulicht werden: Durchschnittlicher jährlicher Brutto- Länder Zuwachs des nationalproduktBrutto- pro Kopf nationalprodukts in US-Doliar in Prozent 1965 Italien 5,0 1100.— Norwegen 4,8 1880.— Frankreich 4,8 1920.— Niederlande 4,5 1550.— Dänemark 4,4 2100.— Schweden 4,3 2500.— Großbritannien 4,1 1810 — Belgien 4,0 1780.— Österreich 3,8 1270.— Schweiz 3,7 2330.— Deutschland 3,5 1900.— Nur am Rande sei darauf hingewiesen, daß auch Länder mit einem viel höheren wirtschaftlichen Reifegrad als Österreich, zum Beispiel die USA mit einem Pro-Kopf-Ein¬ kommen von 3560 Dollar, eine Wachstumsrate von 4V2 Prozent erwarten können. Bei den Überlegungen, welche Gefahren unsere relative Wachstumsschwäche und unser Zurückfallen in der inter¬ nationalen Einkommensrangordnung heraufbeschwören, darf nicht vergessen werden, daß ein Abgehängtwerden eines wirtschaftlich ohnehin relativ schwachen Landes wie Österreich fast zwangsläufig einen kumulativen Pro¬ zeß auslösen muß. Ein geringer werdendes Sozialprodukt macht eine entsprechend hohe Investitionsrate unerhört schwierig, und besonders muß die absolute Höhe der Investitionen pro Kopf hinter der der anderen Länder zurückbleiben. Dies gilt vor allem, wenn man bedenkt, daß Österreich eine Investitionsrate besitzt, die ohnedies schon Land Österreich Belgien Dänemark Frankreich .... Deutschland ... Italien Niederlande ... Norwegen ..... Schweden Schweiz Großbritannien Anteil der Kapitalbildung am Brutto- nationalprodukt in Prozent 25,7 20,7 22,1 21,7 26,5 18,9 24.5 29,2 23.6 27.7 17,7 Kapitalbildung pro Kopf in US-Dollar 1965 330.— 370.— 460.— 420.— 500.— 210.— 380.— 550.— 590.— 650.— 320.— Zur Illustration des oben Gesagten sei auch noch darauf hingewiesen, daß die USA mit einer Investitionsrate von 17,2 Prozent eine Kapitalbildung pro Kopf in der Höhe von 610 Dollar erreichen. Das heißt, sie erreichen bei einem relativ geringeren Konsumverzicht als wir eine bald doppelt so große Kapitalbildung pro Kopf; sie können daher viel leichter als wir die Wirtschaft mit leistungs¬ fähigen Produktionsmitteln, die Arbeiter mit hochmoder¬ nen Arbeitsplätzen ausrüsten. Die mittelfristige Prognose Offensichtlich angeregt durch die OECD-Prognose und die düsteren Wirtschaftsperspektiven des Jahres 1967 hat der Bundeskanzler und unabhängig von ihm auch der Finanzminister dem österreichischen Institut für Wirt¬ schaftsforschung den Auftrag erteilt, eine mittelfristige Prognose der möglichen Entwicklung des Sozialprodukts der österreichischen Wirtschaft zu versuchen. Das Wirt¬ schaftsforschungsinstitut hat sich dieser Aufgabe mit bewunderswerten Mut unterzogen; bewunderswert ist der Mut deshalb, weil eine Fülle von personellen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine solide Wachs¬ tumsprognose noch nicht gegeben sind. Die Arbeitsgruppe des Wirtschaftsbeirates für vorausschauende volkswirt¬ schaftliche Gesamtrechnung hatte sich bereit erklärt, diese Arbeiten zu unterstützen und die Prognosen nach allen Richtungen hin zu testen. Viel wird dabei voraus¬ sichtlich nicht herausschauen, denn was ein Jahrzehnt lang versäumt wurde, kann nicht in wenigen Wochen gutgemacht werden. Das Ergebnis der ersten in sich widerspruchslosen, aber noch mit keinen wirtschaftspolitischen Alternativen Dabei wird mit einem jährlichen Abgang von 28.000 Beschäftigten aus der Landwirt¬ schaft gerechnet, was natürlich nicht bedeutet, daß die alten Bauern ihre Höfe verlassen werden... 5