Erwin Weissei Die Großen werden größer Die wirtschaftliche Entwicklung der heutigen Zeit zeich¬ net sich durch eine Tendenz in Richtung Monopol aus. Sie kommt allerdings nicht nur im gegenseitigen Nieder¬ kämpfen, Vernichten oder Aufkaufen oder in Absprachen, Kartellen usw. zum Ausdruck. Seit dem Standardwerk Chamberlins ist auch die berühmte Möglichkeit theore¬ tisch analysiert worden, dem Konkurrenzkampf dadurch auszuweichen, daß man das eigene Pro¬ dukt irgendwie von anderen, gleicharti¬ gen Produkten dif¬ ferenziert — ein Phänomen, das wir bei langlebigen Kon¬ sumgütern (Kühl¬ schränken, Fernseh¬ geräten usw.) genau¬ so beobachten können wie etwa bei Wasch¬ mitteln.1 Zu richtigen Monopolen kommt es jedoch nicht. Es bleibt bei einer bloßen Tendenz, weil selbst die Produkt¬ differenzierung den Wettbewerb nicht völlig umgehen kann (die verschiedenen Waschmittel- oder Kühlschrank¬ marken konkurrieren ja doch mehr oder weniger mitein¬ ander), und an die Stelle niedergekämpfter oder vernich¬ teter Unternehmen treten neue Unternehmen. Das letztere setzt jedoch voraus, daß keine „Barriere" besteht, keine „Hürde", die genommen werden muß, damit man sich in der Branche etablieren kann. Nun bestehen aber einige solcher Hürden, und die vielleicht wichtigste ist das Er¬ fordernis einer bestimmten Mindestausstattung mit Kapi¬ tal oder, wenn man es so nennen will, einer bestimmten Mindestgröße. Wir wollen im folgenden diesen wichtigen Aspekt der modernen Marktkämpfe näher betrachten. Dabei stützen wir uns auf sehr eindrucksvolles Zahlenmaterial, das von der amerikanischen Zeitschrift „Fortune" wie alljährlich, so auch heuer wieder veröffentlicht und zum Teil analy¬ siert wurde, nämlich auf Daten über die 500 größten 1 E. Chamberlin, „The Theory oi Monopolistic Competition", Cam¬ bridge 1932. Industrieunternehmen der USA und die 200 größten Industrieunternehmen in der übrigen Welt außerhalb des Ostblocks. Die GrößenVerhältnisse Die 500 größten Industrieunternehmen der USA, auf die wir zunächst unsere Betrachtung beschränken wol¬ len, erzielten im Jahre 1965 einen Umsatz von insgesamt 298 Milliarden Dollar und einem Gewinn von insgesamt 20 Milliarden Dollar. Nach der Anzahl sind es ein viertel Prozent der Gesamtzahl der Industrieunternehmen in den USA, aber sie vereinigten rund 60 Prozent des Gesamt¬ umsatzes und 70 Prozent des Gesamtgewinnes auf sich. Diese ausgeprägte Anhäufung der Umsätze und Gewinne bei den Großen macht sich natürlich auch innerhalb dieser illustren Gruppe bemerkbar. In Tabelle 1 sind die zehn Unternehmen mit den größten Gewinnen angegeben Tabelle 1 USA-Spitzenunternehmen nach Höhe des Gewinnes 196S Gewinn (MillionenUnternehmen Dollar) General Motors 2126 Standard Oil (N. J.) 1036 Ford Motor 703 Texaco 637 IBM 477 Gulf Oil 427 Du Pont 407 Standard Oil (Kalifornien) 391 General Electric 355 Mobil Oil 320 (nach Abzug der Steuern, also netto). Von den insgesamt über 20 Milliarden Gewinn der 500 Großen entfielen fast 6,9 Milliarden oder über ein Drittel auf diese zehn Größten der Großen. General Motors allein fielen 10 Prozent zu und Standard Oil (N. J.) 5 Prozent, diese beiden allein weisen also fast die Hälfte des Anteils der zehn Größten aus. Ganz analog ist das Ergebnis, wenn wir die Umsätze betrachten. An der Spitze stehen nicht dieselben Unter¬ nehmen wie in Tabelle 1, weil ein höherer Umsatz nicht auch einen entsprechend hohen Gewinn bedeuten muß. Von den insgesamt über 298 Milliarden Umsatz der 500 Großen entfielen über 75 Milliarden oder ein Viertel auf die zehn Größten. Betrachten wir noch, um das Bild abzurunden, das Vermögen (unter Berücksichtigung aller Arten von Abschreibungen) einschließlich der Staats¬ papiere zur Aufrechnung gegen Steuerverpflichtungen. Wieder sind es nicht genau dieselben Unternehmen wie in Tabelle 1, weil ja auch ein höherer Kapitaleinsatz nicht unbedingt einen entsprechend höheren Gewinn be¬ deuten muß. Die Summe der Aktiva aller 500 Großen beträgt über 251 Milliarden. Davon entfallen über 66 Mil¬ liarden oder über ein Viertel auf die zehn Größten. Wir können aus den Zahlen zwei Tatsachen ableiten. Erstens sind Umsatz, Gewinn und Aktiva höchst ungleich¬ mäßig verteilt; einer großen Masse mit kleinen Anteilen an der Gesamtsumme steht eine kleine Gruppe mit großen Anteilen gegenüber. Das gilt auch, wenn wir andere Größen betrachten. So entfallen etwa von der Gesamt¬ summe des eingesetzten Kapitalstocks, die über 154 Mil- <3S> 13