. .. . «,r w, . % Die Zukunft hat schon begonnen: 47 Meter lang und 300 Tonnen schwer ist die russische „Wostok"-Rakete, die viele Satelliten auf ihre Umlaufbahn gebracht hat. Sie wurde Ende Mai in Le Bourget (Paris) bei der großen Luft- und Raumfahrtausstellung gezeigt. Tendenzen auskommen. Erst die Ausarbeitung einer wis¬ senschaftlichen Synthese, der inneren Relationen und Bindungen, die zu einem Modell der neuen Zivilisations¬ prozesse führen, sind die Voraussetzung für das Verste¬ hen der gegenwärtigen empirischen Fakten, die zwei ver¬ schiedene Typen und Stadien der Entwicklung wider¬ spiegeln. Deshalb sprechen wir in dieser Beziehung von einer Scheidelinie der Geschichte. Das Wesen der wissen¬ schaftlich-technischen Revolution kann am kürzesten in ihrer Analogie zur industriellen Revolution klargelegt werden — als eine radikale und universelle Veränderung der Struktur und der Dynamik der Produktivkräfte, auf denen das menschliche Leben beruht. Die Anwendung der Kategorie Produktivkraft ist von entscheidender Bedeutung für das Begreifen der Perspek¬ tiven dieser Veränderungen. Wir können nämlich das Wesen der wissenschaftlich-technischen Revolution nicht verstehen, wenn wir in ihr nur die Umwälzungen inner¬ halb der Technik betrachten. Diese einseitige Orientierung ist jedoch verständlich, wenn wir bedenken, daß im tra¬ ditionellen Industriesystem gerade dies den Pol der Pro¬ duktivkräfte darstellte, die ständigen Veränderungen unterlagen, während Arbeitsgegenstand und noch mehr der arbeitende Mensch eine passive Rolle spielten. For¬ schungen, die jedoch auch bei der Untersuchung der neuen Erscheinungen die Stellung des Menschen in der Welt der Produktivkräfte vernachlässigen, bleiben die Antwort auf die Frage schuldig, wonach denn eigentlich beurteilt werden soll, ob die heutigen technischer! Errungenschaften wirklich einen revolutionären Charakter haben. Erst wenn die neuen Erscheinungen vom Standpunkt der grundsätzlichen Veränderungen im gesamten System der gesellschaftlichen Produktivkräfte beobachtet und analysiert werden, die grundsätzlich die Stellung des Menschen in der von ihm geschaffenen Welt verändern, können wir die einzelnen empirisch untersuchten Kompo¬ nenten erfassen und in die Gesamtkonzeption einreihen. Dann erst werden wir begreifen, daß das Eindringen der neuen Technik nach und nach die beschränkten physi¬ schen und mentalen Kräfte des Menschen aus der unmittel¬ baren Produktion verdrängt, so daß die Produktion eine innere technische Einheit erlangt, die die Grundlage für die Anwendung des — wie wir es nennen — automatischen Prinzips bildet, das auf der Verbindung neuer techno¬ logischer Prozesse mit der modernen Rechentechnik be¬ ruht. In demselben Maß, in dem die einfache menschliche Bedienung von Maschinen durch das Maschinensystem ersetzt wird, dringt die Wissenschaft als neue und ent¬ scheidende gesellschaftliche Produktivkraft in den Pro¬ duktionsprozeß ein. Das Wichtigste — Investitionen in den Menschen Um die zu unterscheidenden Epochen zu charakterisie¬ ren, kann jnan von den beiden Grundfaktoren des Wachs¬ tums, dem Kapital und der Arbeit, ausgehen. In der Epoche der Industrialisierung resultiert das Wirtschafts¬ wachstum vorrangig aus einem steigenden Aufwand von lebendiger und vergegenständlichter Arbeit, wobei im Laufe des Industrialisierungsprozesses der Anteil des Kapitals auf Kosten der Arbeit immer größer wird. Das Ansteigen der totalen Produktivität beider Produktions¬ faktoren bleibt im Verhältnis zum Wachstum des gesell¬ schaftlichen Produkts mehr oder minder konstant, die Kapitalkoeffizienten2 weisen eher eine steigende Tendenz auf. Die gegenwärtigen wissenschaftlich-technischen Um¬ wälzungen hingegen zeugen von einer rapid zunehmenden totalen (integralen) Produktivität aller Faktoren. Bereits Marx wies in seinen „Theorien über den Mehrwert" dar¬ auf hin, daß das Produkt der Arbeit, das von wissen¬ schaftlichen Elementen durchdrungen ist, immer niedriger bewertet wird, als es seinem Wert entspräche. Die zu sei¬ ner Reproduktion notwendige Arbeitszeit ist nämlich bei weitem nicht proportional zur Arbeitszeit, welche für ihre ursprüngliche Produktion — wir würden heute sagen zur Entwicklung des Prototyps — erforderlich ist. Es geht hier um ein neues Wachstumsmodell. Die Investitionen in die Produktionsmittel verschieben sich in bedeutendem Maß in Investitionen in den Menschen, der den wissenschaftlich-technischen Fortschritt weitgehend beeinflußt. Die Kapitalkoeffizienten steigen nicht mehr unbedingt. Wenn nun die Akkumulationsrate nicht mehr die Tendenz zum Ansteigen hat, dann muß das Anwachsen des Verbrauchs nicht mehr hinter dem Wachstum des Produkts zurückbleiben. Ein derartiges Modell kann sich natürlich erst auf einer bestimmten, der vollendeten Industrialisierung nachfol¬ genden Entwicklungsstufe durchsetzen. Die Gesellschaft muß über ein genügendes Reservoir von moderner Tech¬ nik, von Forschungskapazitäten und von Wissenschaft- ? Verhältnis von Investitions- und Produktionszuwachs. 19