Die soziale Krankenversicherung Die soziale Krankenversicherung kennt nicht die Wahlmöglichkeit zwischen verschiedenen Ver¬ sicherungsgesellschaften, sondern der Versicherte muß bei jenem Krankenversicherungsträger versichert sein, der nach der Art der Beschäftigung (zum Beispiel Gebietskrankenkasse oder Landwirtschaftskranken¬ kasse) und nach seinem Beschäftigungs- oder Wohnort zuständig ist. In der sozialen Krankenversicherung ist man ver¬ sicherungspflichtig ab dem Beginn einer Beschäfti¬ gung.10 Die Versicherungspflicht endet erst wieder mit der Aufgabe der Beschäftigung. In der privaten Kran¬ kenversicherung kann der Versicherte nach freiem Entschluß seine Versicherung abschließen oder kün¬ digen. In der sozialen Krankenversicherung kann der Ver¬ sicherte Art und Umfang der Leistung und die Höhe der Beitragsleistung (Prämien) nicht selbst bestim¬ men. Die Beiträge und Leistungen werden durch Gesetz und Satzung vorgeschrieben. In der privaten Krankenversicherung hingegen kann der Versicherte Art und Umfang der Leistung selbst bestimmen. Es besteht die Wahl zwischen verschie¬ denen Tarifen. Die Leistungshöhe wird durch die Höhe der Prämie bestimmt. In der sozialen Krankenversicherung wird die Höhe des Beitrages vom Arbeitsverdienst (Beitragsgrund¬ lage) des Versicherten errechnet. Der Beitrag ist also bei höheren Arbeitsverdiensten höher als bei geringe¬ ren Arbeitsverdiensten.11 Geschlecht, Alter und Fami¬ lienstand haben auf die Beitragshöhe keinen Einfluß. Die private Krankenversicherung stuft die Prämien nach Geschlecht, Alter und Familienstand ab, wobei die Prämien mit zunehmendem Alter steigen. Die soziale Krankenversicherung schließt Familien¬ angehörige ohne gesonderte Beitragszahlung in den Versicherungsschutz ein. Die private Krankenversiche¬ rung bezieht hingegen Familienmitglieder in die Ver¬ sicherung nur gegen gesonderte beziehungsweise höhere Prämienzahlung ein. In der sozialen Krankenversicherung steht es den Versicherten genauso wie in der privaten Krankenver¬ sicherung frei, ob sie einen Vertragsarzt der Kasse oder einen Wahlarzt in Anspruch nehmen wollen. Die ärztliche Hilfe ist bei einem Vertragsarzt der Kasse kostenlos; bei einem Wahlarzt wird nur tarifmäßiger Kostenersatz geleistet. Die Kostenersätze liegen etwas ungünstiger als in der privaten Krankenversicherung. In der sozialen Krankenversicherung erhalten die Versicherten die Anstaltspflege in der allgemeinen Gebührenklasse einer öffentlichen Krankenanstalt und anderen Anstalten, die mit der Kasse einen Vertrag abgeschlossen haben, kostenlos. Bei den Angehörigen sind kleine Zuzahlungen (10 " Von der Versicherungspflicht ist man nur dann ausgenom¬ men, wenn die Beschäftigung als geringfügig gilt, das heißt, wenn der monatliche Arbeitsverdienst nicht mehr als 650 S beträgt. " Die Mindestbeitragsgrundlage beträgt monatlich 650 S und die Höchstbeitragsgrundlage derzeit 4050 S. Der Beitragssatz ist bei den Angestellten 2,4 Prozent und bei den Arbeitern 3,65 Prozent. Prozent der tarifmäßigen Spitalskosten) für die ersten vier Wochen des Spitalaufenthaltes zu leisten. Bei den notwendigen Heilmitteln ist die Kosten¬ beteiligung der Versicherten (4 S Rezeptgebühr je Packung) in der sozialen Krankenversicherung auch wesentlich geringer als in der privaten Krankenver¬ sicherung. In den angeführten Tarifen der privaten Kranken¬ versicherung sind auch die Leistungen für Zahn¬ behandlung und Zahnersatz nicht vorgesehen. Diese Leistungen werden nur auf Grund von zusätzlichen Prämienzahlungen gewährt. Der Privatversicherte muß in allen Fällen den Lei¬ stungserbringer (zum Beispiel Arzt und Spital) selbst bezahlen und bekommt von der Privatversicherung nach Vorlage der Rechnung nur den tarifmäßigen Teil ersetzt. Schlußfolgerungen Die Vergleiche zeigen sehr deutlich die Unterschiede der Sozialversicherung zur Privatversicherung auf. Das Solidaritätsprinzip in der Sozialversicherung steht dem Äquivalenzprinzip in der Privatversicherung gegenüber, die soziale Beitragsleistung der mathemati¬ schen. Die Sozialversicherung hebt von den einzelnen Versicherten nur Beiträge in jener Höhe ein, in der er sie zahlen kann. Was der zahlungsschwächere Ver¬ sicherte zu leisten nicht imstande ist, das hebt man von zahlungskräftigeren Versicherten ein. Die Sozialversicherung kennt keine zwingende Rela¬ tion zwischen dem Beitrag des Versicherten und der Größe des Risikos und zwischen Umfang der Leistung und Höhe der Beiträge, während die Privatversiche¬ rung die finanzielle Beteiligung des Versicherten im genauen Verhältnis zu ihrem Risiko errechnet. Die Sozialversicherung verwaltet billiger und da¬ durch fließen die Beitragseinnahmen fast zur Gänze als Leistungen an die Versicherten zurück. Bei der Pflichtpensionsversicherung ergibt sich ein wesentlicher Vorteil gegenüber der Privatpensions- versicherung dadurch, daß sie einen lebenslangen un¬ verlierbaren Anspruch auf eine dynamische Pension und das Ansteigen des Pensionsanspruches auch ohne Beitragszahlung durch die allgemeinen Pensions¬ erhöhungen auf Grund des Pensionsanpassungsgesetzes (PAG) bietet. Weitere Vorteile der PflichtpensionsVersicherung: • die beitragsfreie Anrechnung von Zeiten des Prä¬ senzdienstes beim Bundesheer, Zeiten des Besuches einer Berufs-(Fach-)schule, Mittel- und Hochschule und Zeiten des Wochengeldbezuges als pensions- erhöhende Faktoren; • daß sie keine Risikozuschläge für alte Leiden und Vorerkrankungen einhebt; • daß sie ohne zusätzliche Beitragszahlung Kinder¬ zuschüsse und Hilflosenzuschüsse zu den Alters- und Invaliditätspensionen gewährt; • daß die Pensionen 14mal im Jahr ausbezahlt werden; • daß sie Witwenpensionen auch unter gewissen Vor¬ aussetzungen an Frauen, deren Ehe mit dem Versicher¬ ten geschieden worden ist, gewährt; 20