• daß sie keine höheren Beiträge bei älteren Versicher¬ ten einhebt; • daß sie Leistungen gewährt, die der Wiedereinglie¬ derung der Versicherten in den Arbeitsprozeß dienen (zum Beispiel Rehabilitation und Berufsfürsorge). Nachteile der Pflichtpensionsversicherung: • niedrige Pension bei kurzer Versicherungszeit; • daß über die Höhe der zu erwartenden Pension eine gewisse Unsicherheit bei den Versicherten wegen der Abhängigkeit von der Bemessungsgrundlage (= monat¬ licher Bruttodurchschnittsverdienst der letzten fünf Jahre vor Pensionsbeginn) besteht. Als weiterer Nachteil der Pflichtpensionsversicherung wird die Unterversicherung bei Angestellten mit sehr hohen Verdiensten angesehen. Ein Angestellter, der zum Beispiel 45 Jahre versichert ist und in den letzten fünf Jahren vor Pensionsbeginn (1. Februar 1969) 14mal 10.000 S als Bruttoverdienst erzielt, erhält eine Pension von monatlich brutto 4945.70 S 14mal im Jahr ausbezahlt. Die Pension erreicht somit nicht 79,5 Pro¬ zent des Aktivbezuges und man spricht in diesem Fall von einer Unterversicherung. Die Differenz zwischen Pension und bisherigem Aktivbezug ist bereits wesent¬ lich geringer bei kleineren Verdiensten. Betrachtet man die Lohnstufeneinreihung aller Ver¬ sicherten, so sieht man, daß von den 2,035.894 im Jahre 1967 nach dem ASVG Pflichtversicherten ungefähr 1,5 Millionen Arbeitsverdienste unter monatlich brutto 4050 S (das sind zirka 77 Prozent aller Arbeitnehmer) und ungefähr 1,9 Millionen Arbeitsverdienste unter 6000 S (das sind zirka 94 Prozent aller Arbeitnehmer) lagen. Die breite Masse der Arbeiter und Angestellten fällt also nicht zu sehr nach der Pensionierung vom zu¬ letzt erzielten Arbeitseinkommen ab. Weiters muß noch festgehalten werden, daß die Höhe der Pension sehr wesentlich von der Höhe des Arbeitsverdienstes beein¬ flußt wird. Das heißt also, bei demjenigen, der ein ge¬ ringeres Arbeitseinkommen hat, ist auch die Pension niedrig. Es bleibt nun die Frage offen, ob gerade dieser Versicherte in der Lage ist, von seinem geringen Arbeitseinkommen eine verhältnismäßig hohe Prämie zu zahlen, um im Alter zusätzlich zu seiner kleinen Sozialversicherungspension eine Pension aus der Pri- vatpensionsversicherung zu erhalten. Bei der sozialen Krankenversicherung ergibt sich ein wesentlicher Vorteil bei der Familienversicherung, weil alle Mitglieder der Familie, gleichgültig, wie viele es sind, ohne zusätzliche Beitragszahlung vollen Ver¬ sicherungsschutz genießen. Die soziale Krankenversicherung kann weiter einen wesentlichen Vorteil für sich buchen, weil sie keinen Leistungsausschluß wie die private Krankenversiche¬ rung kennt. Die soziale Krankenversicherung bietet auch für bei Versicherungsbeginn vorhandene chro¬ nische Krankheiten (zum Beispiel Diabetes oder Tbc- Krankheiten) einen Versicherungsschutz. Ein weiterer Vorteil der sozialen Krankenversiche¬ rung ist, daß sie k e i n e Leistungsbeschränkung kennt. Die private Krankenversicherung erbringt nicht ab Versicherungsbeginn eine Leistung, sondern nach Zurücklegung einer Vorversicherungszeit. Bei den mei¬ sten Versicherungsgesellschaften beträgt die erforder¬ liche Vorversicherungszeit (Wartezeit) drei Monate. Für Mutterschaftsleistungen sind in der privaten Kran¬ kenversicherung längere Wartezeiten vorgesehen. Als weitere Leistungsbeschränkung sieht die private Krankenversicherung bei bestimmten Leistungen (zum Beispiel Heilmittel und Heilbehelfe) einen Kostenersatz bis zu einem jährlichen Höchstausmaß vor. Als Beson¬ derheit gegenüber der sozialen Krankenversicherung sei noch erwähnt, daß die private Krankenversicherung auch während des Versicherungsfalles die Prämien verlangt, was bei Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit in der sozialen Krankenversicherung nicht geschieht. Eine Bilanz dieser Gegenüberstellungen ergibt ein¬ deutig ein Plus für die Sozialversicherung, und zwar sowohl hinsichtlich des Beitragsumfanges wie auch der Leistungsansprüche. Das bedeutet keine Abwertung der Privatver¬ sicherung. Es ist erfreulich, daß immer mehr Arbeiter, Angestellte, Beamte und Pensionisten Versicherungs¬ verträge abschließen, um bestimmten Schadensmög¬ lichkeiten weitgehend vorzubeugen. Das Leben ist so ungemein vielfältig, und die sehr dynamischen Versicherungsinstitute passen sich gesell¬ schaftlichen Veränderungen elastisch an. Praktisch je¬ des Risiko kann durch förmlich maßgeschneiderte Ver¬ träge abgesichert werden. Das bezieht sich nicht nur auf Sachgüter wie das Einfamilienhaus, die Wohnung oder das Kraftfahrzeug, sondern auch auf persönliche Ver¬ hältnisse; die Sicherstellung der Versorgung der jungen Gattin, die Ausbildung der Kinder oder ein Schutz vor gesellschaftlichem Abstieg und viele andere Gründe veranlassen die Menschen unserer Zeit, in zunehmen¬ dem Maß die Privatversicherung in Anspruch zu neh¬ men. Darin manifestiert sich ein spezifischer Spar- und Sicherungswille, der vom Gesetzgeber vielleicht un¬ genügend gewürdigt wird. Andererseits sollte nicht übersehen werden, daß die Privatversicherung naturgemäß nicht billig sein kann. Darüber hinaus geziemt es sich aber auch darauf hinzuweisen, daß die Werbung für sie, vor allem in letzter Zeit, nicht immer den tatsächlichen Verhält¬ nissen entspricht. Niemand liegt kostenlos in einem 2.-Klasse-Bett eines Krankenhauses, wenn er zusatz¬ versichert ist; die auch in diesem Fall wesentliche Grundleistung erbringt die soziale Krankenversiche¬ rung, und für die private Zusatzversicherung ist natür¬ lich eine Prämie zu entrichten. Gegen die verschiedentlich zu beobachtende unter¬ schwellige Propaganda gegen die Sozialversicherung würde am besten eine umfassende Aufklärung über Wesen und Leistungsvermögen der Sozialversicherung wirken. Andernfalls könnte es geschehen, daß die Masse der Arbeitnehmer die gesetzliche Versicherung für veraltet und eine private Versicherung für moder¬ ner und leistungsfähiger hält. Tatsächlich ist es aber notwendig, daß die gesetz¬ liche Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung wie in den vergangenen Jahrzehnten mit der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung Schritt hält und den arbeitenden Menschen unseres Landes sowie dem Pen¬ sionisten umfassende und zeitgemäße soziale Sicherheit gibt. 21