sowohl bei den Tarifen und Gebühren als auch bei Dienstleistungen und auf dem Ernährungssektor vor¬ genommen wurden und ihren entsprechenden Nieder¬ schlag im Verbraucherpreisindex fanden. Für die nachstehende Reallohnberechnung wurde der Bruttostundenverdienst in Beziehung zum Ver¬ braucherpreisindex I (Basis 1958) gebracht. Vergleicht man die Daten von 1967 mit jenen von 1963, ergibt sich folgendes Bild. Die Facharbeiterlöhne sind nomi¬ nell um 42,4 Prozent, real um 21,1 Prozent, die Hilfs¬ arbeiterlöhne nominell um 34,8 Prozent, real um 14,7 Prozent, und die Frauenlöhne nominell um 41 Prozent und real um 19,9 Prozent gestiegen. Das Jahr 1967 fällt allerdings gegenüber dem vor¬ angegangenen gänzlich aus dem Rahmen, wie Über¬ sicht 5 zeigt. Übersicht 5 Jährliche Rate der Zu- beziehungsweise Abnahme der Bruttostundenverdienste in Prozenten Jahr 1964 1965 1966 1967 Facharbeiter nominell real + 10,1 +5,6 + 10,3 +5,3 + 12,0 +9,5 + 4,7 —0,5 Hilfsarbeiter nominell real + 5,1 + 12,4 + 9,2 + 4,5 + 0,8 + 7,3 + 6,7 —0,6 Frauen nominell real + 10,0 +5,5 + 10,9 +5,8 + 12,3 +9,8 + 2,9 —2,1 5 CO O: Während die jährlichen Raten tendenziell bis 1966 anstiegen — das Vor- beziehungsweise Nachziehen der Fach- beziehungsweise Hilfsarbeiterlöhne in je einem Jahr ändert daran nichts —, brachte 1967 Reallohnver¬ luste, die bei den Facharbeitern 0,5 Prozent, bei den Hilfsarbeitern 0,6 Prozent und bei den Frauen sogar 2,1 Prozent betrugen. Der Reallohnverlust ist deshalb bei den Frauen am größten, weil hier auch noch der Faktor Arbeitsweise einen großen Einfluß ausübt. Der Akkordanteil beträgt bei den Facharbeitern 13,9 Pro¬ zent, bei den Hilfsarbeitern 17,9 Prozent, bei den Frauen jedoch 36,8 Prozent! Der allgemeine Arbeits¬ zeitrückgang mußte daher den Frauen-Bruttostunden- verdienst noch zusätzlich drücken (siehe auch Über¬ sicht 3). Im Vergleich zum Jahre 1966 stieg der Brutto¬ stundenverdienst der Facharbeiter noch um 4,7 Pro¬ zent und der der Hilfsarbeiter um 4,5 Prozent, die Er¬ höhung des Bruttostundenverdienstes für die Frauen betrug nur noch 2,9 Prozent. Ein starker Uberstunden¬ rückgang, der nicht durch entsprechende Lohnerhöhun¬ gen kompensiert werden kann, muß zu Reallohnver¬ lusten führen. Zu viele Überstunden Diese Gefahr bleibt nach wie vor bestehen, denn selbst im Jahre 1967 war der Überstundenanteil — zu¬ mindest im Hinblick auf die Volksgesundheit — viel zu groß. Annähernd jeder dritte Fach- beziehungsweise Hilfs¬ arbeiter und jede siebente Arbeiterin leisteten Überstunden. Jeder siebente Facharbeiter, jeder fünfte Hilfsarbeiter und immerhin noch jede vierundzwan¬ zigste Arbeiterin erbrachten eine Leistung von mehr als 50 Wochenstunden. Und das sind tatsäch¬ lich geleistete Stunden! Es wird daher alles unternommen werden müssen, um die Uber¬ stunden auf ein Min¬ destmaß zu beschrän¬ ken, wobei es als selbstverständlich zu betrachten ist, daß diese Reduktion nicht auf Kosten der Ar¬ beiterschaft durch¬ geführt werden kann. Frauen durch modernen Arbeitsprozeß überfordert Zusammenfassend kann gesagt werden: Obwohl die Verdienste der Frauen wesentlich niedriger als die der Männer sind, nimmt die durchschnittliche Arbeitszeit, die bei den Männern, mit Ausnahme des Jahres 1967, kaum Veränderungen zeigt, stetig ab. Diese Entwick¬ lung ist offensichtlich nicht zuletzt darauf zurückzu¬ führen, daß die Frauen durch den modernen Arbeits¬ prozeß sowie durch anderweitige Pflichten überfordert werden. Das bestätigt auch eine Tabelle im Bericht der Wiener Gebietskrankenkasse für Arbeiter und Ange¬ stellte für das Jahr 1966 (Seite 35). Die folgende Übersicht 6 stellt die Erkrankun¬ gen und die Kranken¬ tage für die Jahre 1950 und 1966 dar, die auf je 100 Ver sicherte entfallen. /LcV 1 JYDO, Übersicht 6 1950 1966 Auf 100 Versicherte entfallen Erkrankungen Männer Frauen Krankentage Männer Frauen 67,2 94,5 60,1 98,7 1831 1632 1633 1701 Aus der Übersicht geht hervor, daß die Erkrankun¬ gen allgemein zunahmen, bei den Frauen jedoch stär¬ ker als bei den Männern. Die Zahl der Krankentage verringerte sich bei den Männern um 11 Prozent, stieg hingegen bei den Frauen um 4 Prozent, obwohl die Arbeitsunfalls- und Berufserkrankungsquote der Frauen niedriger als die der Männer ist. Sie betrug 1966 bei den Männern 78,5 Prozent und bei den Frauen 21,5 Prozent. Arbeitsbedingungen verbessern! Es wäre daher wenig sinnvoll, sich weiterhin im we¬ sentlichen mit dem Lippenbekenntnis zu begnügen, daß die Frauenarbeit eine tragende Säule der Wirt¬ schaft sei und noch viel mehr Frauen im Arbeitsprozeß benötigt würden. Richtig wäre es, alles zu tun, um einerseits die Arbeitsbedingungen für Frauen entschei¬ dend zu verbessern und andererseits eine möglichst forcierte Rationalisierung und Modernisierung der Be¬ triebe zu erreichen. Indessen erscheint die Fortsetzung des bisherigen 24