Weges weiten Kreisen bequemer, weil es immer noch genügt, die „unersetzliche Arbeitskraft der Frauen" zu loben und im allgemeinen niedrig zu entlohnen. Unverständlich ist, weshalb unter den gegebenen Verhältnissen immer wieder die Frauenarbeit unter Hinweis auf zwei Argumente, die besonders schwach sind, propagiert wird. Erstens: Die Frauen würden durch die Berufstätig¬ keit ihren Horizont erweitern. Das trifft wohl auf einige Berufe zu. Wer aber auch nur einmal gesehen hat, wie Frauen durch die Fließbandarbeit oder durch andere Tätigkeiten, die ebenfalls oft nur auf wenige, gleichbleibende Handgriffe beschränkt sind, am Abend physisch und psychisch ausgebrannt den Arbeitsplatz verlassen, wird dieses Argument künftig viel vorsich¬ tiger gebrauchen. Zweitens: Den Frauen stünde das gleiche Recht auf Arbeit wie den Männern zu. (Es scheint jedoch, daß es sehr oft nicht um die Ausübung eines Rechtes geht, son¬ dern um die Notwendigkeit, zusätzlich etwas verdie¬ nen zu müssen!) Berufstätige Mütter Hat man sich auch überlegt, welch schwerwiegende Probleme und Belastungen dieses „Recht" zum Bei¬ spiel berufstätigen Müttern bringt?1 Einen zumindest 14-Stunden-Arbeitstag mit allen seinen unausbleib¬ lichen Folgen. Und die Zahl der berufstätigen Mütter ist sehr groß. Daten des österreichischen Statistischen Zentralamtes weisen nach, daß 53 Prozent aller im Jahre 1967 in Österreich geborenen Kinder berufstätige Mütter haben! In ihrer ganzen Schwere erhebt sich 3 ® ...W& die Frage: Erkennt man noch immer nicht den hohen Preis, den der bisher be¬ schritten „billige" Weg fordert? Ein Neuüberdenken des Komplexes Frauen¬ arbeit ist unerläßlich! Freie Entscheidungsmöglichkeit Einigen sicherlich bedeutsamen Schritten der Bun¬ desministerien für Finanzen und für soziale Verwal¬ tung kann und soll die Anerkennung nicht versagt werden. Das Ziel aber muß sein: Ob ein Arbeitsver¬ hältnis von einer verheirateten Frau — und vor allem Mutter — eingegangen wird oder nicht, hat völlig in ihrem freien Ermessen zu liegen (das heißt, eine Ent¬ scheidung frei von drückenden finanziellen Sorgen!). Nicht minder selbstverständlich muß es sein, daß ihr auch die Möglichkeit zur Aufnahme einer Teilzeit¬ beschäftigung gegeben wird, wenn sie, aus welchen Gründen immer, nicht glaubt, eine Ganztagsarbeit aus¬ üben zu können. Sind diese Voraussetzungen gegeben, wird sich sicherlich manche heute berufstätige Mut¬ ter zumindest vorübergehend auf ihren Pflichtenkreis in der Familie beschränken. Viele werden die Chance, einen Beruf ausüben zu können, ergreifen, alle aber ein menschenwürdiges Leben führen und das Optimale leisten können, weil der Zwang weggefallen ist. 1 Prim. Dr. Ludwig Popper: „Frauenarbeit, Krankenstand and Kinderzahl" in „Arbeit und Wirtschaft". Heft 5/1964, Seite 2. Osterreich! 0 du mein Die an erster Stelle abgedruckte Ein¬ sendung wird mit 100 Schilling, er weitere Abdruck mit 50 Schilling prämi¬ iert. — Bitte, Zeitungsausschnitte auf Post¬ karten kleben und an die Redaktion von „Arbeit und Wirtschaft", Hohenstaufen¬ gasse 10, 1011 Wien, senden. — Über diese Rubrik kann keine Korrespondenz geführt werden. Nichtverwendete Einsendungen werden nicht zurückgeschickt. Kommen¬ tare der Redaktion sowie Hervorhebungen sind in Kursivschrift gesetzt. — Bei glei¬ chen Einsendungen entscheidet das Datum des Poststempels. Führer befiehl... ^ Der neue Rektor, Professor Rudolf W u r z e r, durchleuchtete mit philo¬ sophischer Schärfe die Problematik unserer Industriegesellschaft und hatte auch zur studentischen Rebel¬ lion einige kräftige Worte zu sagen. Demokratie in Ehren, meinte der Rektor, doch es gehe nicht an, alles Autoritäre in fanatischer Blindheit auszurotten. Österreich brauche auf allen Gebieten Führerpersönlich¬ keiten, wenn es seine Zukunft mei¬ stern wolle. („Kurier", Einsender Slezak, Wien.) Friedrich In keiner oberösterreichischen Garnison, mit Ausnahme von Frei¬ stadt, ist am 12. November 1968 des 50. Geburtstages der Republik Öster¬ reich gedacht worden. Die Tages¬ befehle des Bundespräsidenten und des Bundesministers für Landesver¬ teidigung aus Anlaß des 12. Novem¬ ber gingen mit Datum 7. November (Zahl 363.656-Zentr./68) hinaus, tra¬ fen jedoch beim Militärkommando in Hörsching erst am 12. November ein. Laut Begleitschreiben sollte die Ver¬ lautbarung der Tagesbefehle an die Soldaten und Bediensteten der Hee¬ resverwaltung durch die Komman¬ danten (Dienststellenleiter) in würdi¬ ger Form erfolgen. Die Verlaut¬ barung erfolgte jedoch überhaupt nicht, denn die Tagesbefehle kamen erst am 14. November in den Kaser¬ nen beziehungsweise Dienststellen an. („Linzer Tagblatt", Einsender Er¬ hard Meier, Bad Aussee.) Praktisch alle Elektrogeräte wie Kühlschränke, Waschmaschinen, Kü¬ chenmaschinen, Radioapparate, Fern¬ sehempfänger, Plattenspieler, Ton¬ bandgeräte, Nähmaschinen, Do-it- yourself-Werkzeuge, Filme und Photomaterial sind in der Schweiz erheblich billiger. Die häufigsten Preisdifferenzen betragen 20 bis 100 Prozent des österreichischen Preises. Daher in der Schweiz gratis! („Nachrichten der Kammer für Arbeiter und Angestellte", Ein¬ sender Oskar Pleuser, Wien 2.) Gestern erlebte im Volkstheater ein Stück seine deutschsprachige Erstaufführung, das wohl einen Tief¬ punkt dieses Hauses und auch einen Tiefpunkt des Theaters überhaupt markiert. James Baldwins „Blues für Mister Charlie" ist der faschistische Aufschrei eines Negers, der die Weißen nicht kennt und die Schwar¬ zen in verschiedenster Weise glorifi¬ ziert. („Kronen-Zeitung", Einsender Gu¬ stav Radi, Wien.) 25