teilt, einschließlich der Empfehlung, bestimmte Per¬ sonen wegen mangelnder Eignung nicht ausbilden zu lassen. Bereits in diesem Zeitpunkt können zwei Fehler¬ quellen wirksam werden: Erstens sind Tests (über deren Problematik schon viel geschrieben wurde) nie¬ mals eine hundertprozentig sichere Entscheidungs¬ grundlage. Zweitens aber bleibt es dem kaufenden oder mietenden Unternehmen überlassen, trotz un¬ genügenden Testergebnisses auf der Ausbildung eines bestimmten Mitarbeiters für die Arbeit am Computer zu bestehen: Die Computerfirma akzeptiert dies, wenn auch zumeist ungern, als Kundenwunsch. Die Ausbildung selber erfolgt in den Schulungs¬ abteilungen der Computerfirmen. Je nach installierter Anlage (Kartenanlage, Band und/oder Platten¬ system, verwendete Programmiersprache, System mit oder ohne Datenfernverarbeitung usw.) hat der Aus¬ zubildende einen oder mehrere Kurse von meist zwei¬ wöchiger Dauer zu absolvieren. Daß die Schüler hier, möglichst lebenslang, auf das jeweilige Fabrikat „ein¬ geschworen" werden, versteht sich von selbst: Die Vorteile der eigenen Marke und die Nachteile der anderen sind nachher jedem bestens bekannt. ... und zur Last Bisher war diese Schulung als Kundendienst kosten¬ los, man spricht jedoch bei allen Firmen schon seit längerem davon, die Schulungskurse getrennt in Rech¬ nung zu stellen. Die enormen Schülerzahlen (bei der IBM-Österreich zählte man im November 1970 den zehntausendsten Schüler) machten modernste Schu¬ lungseinrichtungen notwendig, manche Firmen ver¬ frachten ihre Schüler sogar in Ausbildungszentren im Ausland. Diese Geschenke an die Kunden wird man sich auf die Dauer nicht mehr leisten können, wegen des Mangels an anderen Ausbildungsmöglichkeiten braucht man das auch nicht. Die erfolgreichen Absolventen dieser Hersteller¬ kurse sind in der Regel mittel- bis hochqualifizierte Fachkräfte, mit deren Hilfe das Instrument der EDV — bei zweckmäßiger Gesamtorganisation und Inte¬ gration der EDV im Gesamtunternehmen — sinnvoll eingesetzt werden kann. Es wäre jedoch ein Irrtum zu glauben, daß diese Fachkräfte voll über die Funk¬ tionsweise, Möglichkeiten oder Grenzen eines Com¬ puters Bescheid wissen. Ein Grund dafür liegt natürlich in der möglichst kurz zu haltenden Ausbildungszeit, ein Punkt, in dem sich kostenmäßige Überlegungen sowohl der Com¬ puterfirmen als auch der mietenden Unternehmen treffen. Ein zweiter Grund, der schon eher im Inter¬ esse der Computererzeuger liegt, ist die ständige Er¬ findung neuer und immer einfacherer und dadurch zeitsparender Programmiersprachen. Ursprünglich programmierte man in Maschinen¬ sprache, heute in „problemorientierten" Program¬ miersprachen (COBOL, FORTRAN, PL 1, ALGOL usw.). Kurz ein Beispiel zur Erklärung: Möchte ich, daß jemand sich niedersetzen soll, hieße das in Maschinensprache: „Beuge den Oberkörper 30 Grad vorne — spanne die Bauchmuskel — hebe die Arme 45 Grad aufwärts — beuge langsam die Knie bei gespannten Oberschenkeln, bis Kontakt mit Sitzfläche vom Ge¬ hirn gemeldet — Anspannung der Bauch- und Schen¬ kelmuskeln lockern — Arme entspannen — Oberkörper um 30 Grad aufrichten." In einer höheren Programmiersprache heißt das ganz ein¬ fach: „Setzen"! Neues System — neue Kosten Der Vorteil dieser Art von Programmierung ist offensichtlich. Was aber infolge dieses einen Befehls im Computer geschieht, davon hat der Programmierer oder Systemanalytiker, der nur noch eine höhere Pro¬ grammiersprache gelernt hat, keine Ahnung. Dieses Nichtwissen um die Funktionsweise bedingt aber auch im gewissen Sinn ein Nichtwissen über Funktions¬ möglichkeiten. Erfindet ein Computererzeuger eine neue Pro¬ grammsprache, was bestimmte Änderungen in der Bauweise eines Computers zur Folge hat, so hat er nur noch wenig Interesse daran, die älteren Pro¬ grammsprachen zu unterrichten, auch wenn alle bis¬ herigen Kunden diese verwenden. Die neu auszubil¬ denden Fachkräfte werden dann nach Möglichkeit in der alten Sprache nicht mehr unterwiesen, die alten werden nach und nach umgeschult, und die Unterneh¬ men stehen über kurz oder lang vor der Notwendigkeit, auf ein neues System überzugehen. Das erwähnte Beispiel der Programmsprachen ist nur eine von mehreren Möglichkeiten, den Verkauf neuer Systeme — die selbstverständlich auch ein bes¬ seres „Preis-Leistungs-Verhältnis" bieten — anzukur¬ beln. Die Grundlage für derartige Verkaufsstrategien (ein besseres „Preis-Leistungs-Verhältnis" allein ist offenbar kein zwingendes Argument, auf ein neues System umzusteigen) aber ist das Ausbildungsmono¬ pol der Erzeuger. Eine westdeutsche Studie schreibt dazu:2 „(Die) Aktivität... auf dem Gebiet der Ausbildung entspringt der Erkenntnis, daß die wirtschaftliche Entwicklung ... durch Ausbildung stark beeinflußt werden kann und daß weiterhin die Einführung neuer technischer Systeme nur dann erfolgreich wird, wenn auch ausreichend qualifizierte Arbeitskräfte vorhan¬ den sind. Diese können aber nur durch eine planmäßige und systematische Ausbildung bereitgestellt werden." ' Rolf Berke: Ausbildung für datenverarbeitende Berufe, ADI- Verlag, Kiel, Herausgeber: Deutsches Institut für angewandte Da¬ tenverarbeitung (DIFAD), in der Arbeitsgemeinschaft für elektro¬ nische Datenverarbeitung und Lochkartentechnik e. V. (ADL), Seite 89 f. 8 j ARBEIT UND WIRTSCHAFT 2/71