Untersuchungen über das „Pendlerwesen" sind eine wichtige Aufgabe der Arbeitsmarktforschung allem mit dem Begriff des Arbeitsplatzes auseinan¬ der: „Die Arbeitsplatzbesetzung ist in der modernen Wirtschafts- und Sozialpolitik zu einem Schlüssel¬ begriff geworden. Ob es sich um Vollbeschäftigung, Wirtschaftswachstum, Strukturänderung oder soziale Sicherheit handelt, überall spielt sie eine entschei¬ dende Rolle. Daß die Rechtsordnung solchen Phäno¬ menen von umfassender gesellschaftlicher Bedeutung gegenüber kaum eine eindeutige und prägnant zu um¬ schreibende Stellung einnimmt, ist klar. Ihre Aufgabe ist die Regelung des Zusammenlebens der Menschen in seiner Gesamtheit unter Berücksichtigung der man¬ nigfaltigsten individuellen und kollektiven Gesichts¬ punkte, also die Lösung von Interessenkonflikten und nicht die Verfolgung gesellschaftspolitischer Ziele." Als thematische Fortsetzung beschäftigt sich an¬ schließend Dr. Paul Jirak mit „Arbeitsmarkt und Arbeitsplatzbesetzung, Tendenzen und Probleme". Hier wird bereits auf die konkreten Formen der Arbeitsplatzbesetzung Rücksicht genommen. Neben der innerbetrieblichen Arbeitsplatzbesetzung werden Formen und Methoden der einzelnen Arten unter¬ sucht: Solche Besetzungen, die auf Grund persönlicher Empfehlungen, Zeitungsanzeigen, durch Bildungs¬ institutionen und nicht zuletzt auf dem Wege der Vermittlung der Arbeitsämter erfolgen. Mit „Untersuchungen über Fragen betrieblicher Arbeifsmarkt- und Beschäftigungspolitik" setzt sich der dritte Beitrag dieses Heftes auseinander, dessen Autor Professor Dr. Josef Kolbinger ist. Dabei wird auch der historische Hintergrund durchleuchtet: „Schon das erste Auftreten der ,sozialen Frage' kann man als Anpassungsproblem betrachten. Tech¬ nische Entwicklung und menschliche Arbeitsleistung konnten zu Beginn der industriellen Revolution in keine optimale und humane Entsprechung gebracht werden. An der Verelendung breitester Bevölkerungsschich¬ ten wirkten neben der Technik nicht zuletzt religiöse und weltanschauliche Überzeugungen mit und verwei¬ sen auf die Verpflichtung der Gesellschaft, Technik und Sozialordnung immer wieder sinnvoll aufeinander abzustimmen und nicht einfach einem Rationalismus nach Art von Naturgesetzen das Wort zu reden. Aus diesem bedingungslosen Glauben an einen natur¬ gesetzlichen, zum Teil religiös überbauten Fort¬ schrittsrationalismus entstammte das Laissez-faire- Prinzip insbesondere des 19. Jahrhunderts, das es je¬ dem überließ, die Erkenntnisse von Naturwissenschaft und Technik ohne Rücksicht auf humane und soziale Erwägungen wirtschaftlich auszubeuten. Die un¬ menschlichen Arbeitsbedingungen in den Fabriken weckten schließlich das soziale Gewissen. Das ,Kapi¬ tal' von Marx behandelt zu einem erheblichen Teil die dem Arbeiter auf Grund des sozial nicht gemei¬ sterten technischen Fortschritts aufgebührdete An¬ passungslast." Mobilität Mit den entscheidendsten Fragen der Mobilität be¬ schäftigen sich die beiden Aufsätze des zweiten Hef¬ tes des Linzer Instituts: Der Agrarsoziologe Professor Dr. Hans Bach unter¬ sucht zwar in seiner Arbeit („Exkurs über die Wande¬ rungsbewegung der land- und forstwirtschaftlichen Arbeitskräfte in Oberösterreich") nur die Gescheh¬ nisse eines abgeschlossenen Raumes, trotzdem können die hier aufgeworfenen theoretischen Grundsätze auch gesamtösterreichisch betrachtet werden. 2/71 ARBEIT UND WIRTSCHAFT | 11