VON EINEM GRIECHISCHEN GEWERKSCHAFTER Die Arbeitnehmer unter dem Militärregime Zu den Hauptopfern der Diktatur in Griechenland zählen die Arbeitnehmer. Die Junta, die am 21. April 1967 die Macht übernahm, trachtet mit der Schützen¬ hilfe der Arbeitgeber die Arbeiterklasse in eine will¬ fährige Masse umzuwandeln, die unfähig ist, für ihre wirtschaftlichen Interessen zu kämpfen. Die Arbeit¬ geber profitieren an diesem Zustand. Sie beuten die Arbeitnehmer rücksichtslos aus, sabotieren die Arbeitsgesetzgebung, verweigern Lohnerhöhungen und stecken den gesamten Ertrag der Produktions¬ und Preiserhöhungen ein. Wer sollte sie daran hin¬ dern? Haben sich doch führende Funktionäre des Gewerkschaftsbundes (GSEE) und seiner angeschlos¬ senen Verbände sofort auf die Seite der Junta ge¬ schlagen. Um ihre Privilegien1 zu erhalten, zögerten sie nicht, bei den Machthabern alle Gewerkschafter zu denunzieren, die eventuell eine Opposition hätten bilden können. derung echter gewerkschaftlicher Tätigkeit ist. Ein klassisches Beispiel für die herrschenden Zustände bot der Kongreß der GSEE, der im April 1970 in Delphi abgehalten wurde. Obwohl die Delegierten „zuverläs¬ sige Nationalisten" im Sinne des 21. April 1967 waren, von den Behörden sorgsam ausgewählt und ernannt, wurden sie in ihrem Hotel eingesperrt und bewacht. Nach endlosen Streitereien und Diskussionen wurden sie dazu gedrängt, als Generalsekretär des GSEE einen Pattakos-Schützling namens Hourmouzis zu wählen. Die Mehrheit der Kongreßteilnehmer, die die Wahl des Sekretärs der Chemiearbeiter Papadimitriou befürworteten, verließ den Kongreßsaal, wurde aber von der Gendarmerie gezwungen, wieder zurückzu¬ kehren. Daraufhin wandten sich später einige Gewerk¬ schafter an den Obersten Gerichtshof, um die Wahl anzufechten, wurden aber von Pattakos gezwungen, ihre Klage zurückzuziehen. Berichte über Fragen der Sozialversicherung und Löhne wurden nicht diskutiert Alle internationalen Arbeitsübereinkommen hin¬ sichtlich der Rechte auf Zusammenschluß, Streik, Ver¬ einbarung freier Kollektivverträge, Arbeitszeit und dergleichen, werden in Griechenland mißachtet. Um die internationale Meinung zu täuschen, sicherten zwar die Militärs 1967 die Möglichkeit des Streikens zu, worauf GSEE-Generalsekretär Makris die Unverfrorenheit hatte, das Militärregime vor der Internationalen Arbeitsorganisation zu verteidigen. In den Jahren 1968 und 1969 versuchten Makris und Co. das gleiche bei den europäischen Gewerkschaften und sabotierten die von der IAO eingesetzten Unter¬ suchungskommission. Als Makris und Co. ihre Rolle erfüllt hatten, wurden sie durch das Gesetz 185/1969 entfernt.2 Die Arbeitnehmer sind auf Gnade und Ungnade der Bürokratie und der Willkür der Arbeitgeber ausgelie¬ fert, da viele Gewerkschaftsfunktionen mit un¬ bekannten Personen besetzt werden, deren einzige Qualität die Bespitzelung der Mitglieder und die Aus¬ führung von Regierungsaufträgen ist. Die Organisationen sind folglich in ein Aktionsfeld des Geheimdienstes umgewandelt, dessen Aufgabe die Überwachung der Arbeitnehmer sowie die Verhin- I iijiöiSI lEiBiSiBlSüsEi 15 ? y m 1 Die griechischen Gewerkschaften wurden durch die Pflicht¬ beiträge aller organisierten und nichtorganisierten Arbeitnehmer finanziert, die an die einzelnen Gewerkschaften vom „Foyer Ouvrier", einer vom Arbeitsministerium abhängigen und von der Diktatur des Jahres 1936 ererbten Einrichtung, verteilt wurden. Dieses System führte zur Abhängigkeit der Kaderschichten gegen¬ über den Gewerkschaften, die eher eine paternialistische Rolle spielten. Davon wurde auch der Spottname „Arbeiterpatrone" ab¬ geleitet. ! Das Gesetz 185/1969 legt für die Wahl eines Gewerkschafts¬ funktionärs sowohl bei einem Gewerkschaftsverband wie auch beim Gewerkschaftsbund folgendes fest: Der Kandidat muß vor seiner Wahl innerhalb der letzten sechs Jahre 600 Tage gearbeitet haben oder zumindest 100 Arbeitstage jährlich nachweisen können. und erörtert, da die Konferenzteilnehmer während des ganzen Kongresses ihre Zeit nur mit Zänkereien über die Geschäftsordnung vergeudeten. Rechtlose Arbeitnehmer Während in der sogenannten Gewerkschafts¬ bewegung katastrophale Verhältnisse herrschen, wer¬ den auf vielen Gebieten Errungenschaften der Arbeit¬ nehmer abgeschafft. Streikrecht: Die Verfassung der Militärjunta ver¬ bietet den Streik für Beamte und Beschäftigte im Staatsdienst und der öffentlichen Versorgungs¬ betriebe (Eisenbahn, Elektrizität, Telefon, Hafen¬ arbeiter usw.), während man bei anderen Arbeitneh¬ mern bei einer Streikdauer von drei Tagen einen Beschluß vom Gewerkschaftskomitee und für die Streikdauer von mehr als drei Tagen einen Beschluß 2/71 ARBEIT UND WIRTSCHAFT | 13