Das Auslandskapital in Österreich Oskar Grünwald lind Ferdinand Lacina: Auslandskapital in der österreichischen Wirtschaft; mit einer Einführung von Eduard März; Wien 1970; 371 Seiten (Vervielfäl¬ tigung). Bereits im Jahre 1962 veröffent¬ lichte die Arbeiterkammer eine Studie über „Das Eigentum an den österreichischen Kapitalgesellschaf¬ ten". Da die Problematik der Kapi¬ talverflechtung für Österreich da¬ mals noch nicht so brennend war wie heute, fand die damalige Studie kein sehr großes Interesse. Nun haben die internationalen Kapital¬ verflechtungen seither sehr stark zugenommen, daher kann die Bedeutung einer solchen Studie nicht mehr bestritten werden. Dankens¬ werterweise übernahmen Grünwald und Lacina die Aufgabe, Nachfor¬ schungen — die zum Teil fast krimi¬ nalistisch anmuten — über die Aus¬ landsinvestitionen in Österreich vorzunehmen. In gleicher Weise ist der Arbeiter¬ kammer in Wien zu danken, daß sie diese umfangreiche Studie ermög¬ lichte. Die Studie über das „Auslands¬ kapital der österreichischen Wirt¬ schaft" wird von Eduard März ein¬ geführt. Er weist auf die Vor- und Nachteile der Fremdinvestitionen in Österreich hin. Dabei wird her¬ vorgehoben, daß Österreich vor allem von der Übertragung der fortgeschrittenen Technologie, den manageriellen Erfahrungen und einer Erhöhung der Wettbewerbs¬ intensität profitieren kann. Dem¬ gegenüber steht vor allem der schwerwiegende Nachteil, daß Pro¬ duktionen einfachen und mittleren Schwierigkeitsgrades errichtet wer¬ den; dadurch wird das Entwick¬ lungsgefälle zwischen dem kapital¬ gebenden und kapitalnehmenden Land zementiert. Die Studie selbst gliedert sich in zwei Hauptteile. In den Kapiteln 2 bis 6 wird — nach einer Erklärung der verwendeten Begriffe — über die Bedeutung der Auslandsinvesti¬ tionen in Österreich referiert. Da¬ bei werden insbesondere die drei folgenden Fragenkomplexe unter¬ sucht: Die Rolle des Auslandskapitals bei den verschiedenen Rechts¬ formen Ausländisches Kapital arbeitet in Österreich meist in den Rechts¬ formen der Aktiengesellschaft, der Gesellschaft m. b. H. und der Ges. m. b. H. & Co. KG. Von den in Österreich seßhaften Aktiengesell¬ schaften sind bereits fast ein Vier¬ tel in ausländischer Hand, das sind 13,8 Prozent des Nominalkapitals. Über ein Viertel der Unternehmen, die die Rechtsform der Ges. m. b. H. & Co. KG haben, werden von Aus¬ ländern beherrscht; dieses Faktum hat wahrscheinlich steuerrecht¬ liche Gründe. Von den Gesellschaf¬ ten m. b. H., die in Österreich ar¬ beiten, befinden sich 45,3 Prozent (das sind 67,9 Prozent des Nominal¬ kapitals) im Besitz von Ausländern. Daß sich diese Rechtsform einer so großen Beliebtheit bei Auslän¬ dern erfreut, ist daraus zu erklä¬ ren, weil sich Gesellschaften m. b. H. dem öffentlichen Interesse entziehen können; hier besteht ein großer Mangel an Transparenz. Ausländisches Kapital nach Herkunftsländern Bei der Untersuchung des Aus¬ landskapitals nach Herkunftslän¬ dern zeigt sich, daß die einst domi¬ nierende Stellung, die die USA 1962 innehatten, heute durch die Bun¬ desrepublik Deutschland eingenom¬ men wird. Aus diesem Lande kom¬ men 25,1 Prozent der in Österreich getätigten ausländischen Investi¬ tionen. Gefolgt wird die Bundes¬ republik Deutschland von den USA (19,7 Prozent) und der Schweiz (15,7 Prozent); andere Länder (wie zum Beispiel Gro߬ britannien, die Beneluxländer und Italien) sind mit unter 10 Pro¬ zent beteiligt. Es ist vor allem in¬ teressant zu sehen, wie stark deut¬ sche Interessen in Österreich expan¬ dieren; im Jahre 1962 hatte die Bundesrepublik Deutschland einen Anteil der Auslandsinvestitionen ir. Österreich von 9,5 Prozent, während ihr heute ein Viertel der Investitionen zuzurechnen sind. Dabei ist zu bemerken, daß der Anteil der Bundesrepublik Deutsch¬ land vermutlich noch höher liegt, da die BRD an Holdinggesellschaf¬ ten beteiligt ist, die ihren Sitz in anderen Ländern haben, aber in Österreich Interessen vertreten. Die Situation in den einzelnen Wirtschaftszweigen Aus der Betrachtung der Situa¬ tion in den einzelnen Wirtschafts¬ zweigen geht hervor, daß auslän¬ dische Interessen in besonders star¬ kem Maße in der Elektroindustrie, der chemischen Industrie, der ledererzeugenden und -verarbei¬ tenden Industrie, der Bekleidungs¬ industrie, dem Maschinenbau und der papiererzeugenden und -ver¬ arbeitenden Industrie vertreten werden. Die ausländische Vor¬ herrschaft erkennt man dann be¬ sonders, wenn man betrachtet, wie viele Beschäftigte in den verschie¬ denen Industrieunternehmen mit mehrheitlicher ausländischer Be¬ teiligung arbeiten: In der von Aus¬ ländern beherrschten Elektroindu¬ strie sind es (von der Gesamt- beschäftigtenzahl in der Elektro¬ industrie) 60,5 Prozent, in der Papierindustrie 28,5 Prozent, der chemischen Industrie 24,3 Prozent und in der Bekleidungsindustrie 18,4 Prozent. Auch in den ande¬ ren, oben angeführten Industrie¬ zweigen sind österreichische Arbeitskräfte ausländischen Arbeit¬ gebern unterstellt. Aber nicht nur in der Industrie, sondern auch in den Dienstleistungszweigen finden sich starke ausländische Interessen, hier besonders im Kaufhaus- und Versandgeschäft, im Versicherungs¬ wesen, im Speditionsgeschäft und im Verlagswesen. Die wirtschaftlichen Folgen Während im ersten Teil der Stu¬ die über die Fakten referiert wird, werden im zweiten Teil die ökono¬ mischen Folgen der Auslandsinve¬ stitionen in Österreich analysiert. Die Autoren untersuchen hier zuerst die Beweggründe, die für die Direktinvestitionen in Öster¬ reich eine Rolle spielen. Dabei sind besonders zu nennen: # die niedrigen Arbeitskosten, # auf Grund der EFTA-Zugehörig- keit Österreichs finden Unterneh- 16 J ARBEIT UND WIRTSCHAFT 2/71