komitee übernimmt vor allem die Interessenvertretung der Konsumenten, beschäftigt sich mit Fragen der Konsumenten¬ erziehung und veranstaltet Kon¬ sumententagungen. Persönliche Beratung Durch Publikationen kann man zwar viele, aber nicht alle Fragen der Konsumenten be¬ antworten und vor allem kön¬ nen nicht alle Zweifel restlos beseitigt werden. Bis vor etwa zwei Jahren litt die für öster¬ reichische Verhältnisse riesen¬ hafte britische Verbraucheror¬ ganisation unter dem Fehlen einer mündlichen Beratung. Seit Die Konsumentenschützer in aller Welt blicken neidvoll ins Verbraucherparadies Schwe¬ den, wo eine Fülle von Ein¬ richtungen geschaffen wurde, die alle dem Schutz und der Information der Verbraucher dienen. Da jedoch auch im Lande Schweden nicht nur reine Engel leben, bestehen neben diesen Informations- und Schlichtungs¬ stellen auch harte Vorschriften gegen unlauteren Wettbewerb, gegen Preisdiktate, gegen An¬ gebotskartelle und gegen Lie¬ ferverweigerungen. (Auch in Schweden leben nämlich Her¬ steller, die nicht ungern gegen Händler mit Liefersperren vor¬ gehen, sobald diese Händler durch geschickte Kalkulation und rationelle Geschäftsprak¬ tiken den »unverbindlich« emp¬ fohlenen Endverbraucherpreis unterbieten.) Wenn es Schwierigkeiten mit einzelnen Firmen gibt, dann hilft ein Gesetz über Auskunfts¬ pflicht weiter, wonach einzelne Behörden ziemlich weitgehende Möglichkeiten erhalten, von den verschiedenen Firmen Aus¬ künfte einzuholen. Ein nicht allzu weit zurücklie¬ gendes Beispiel zeigt, daß auch ein jahrelang »schlummerndes« Preisregelungsgesetz recht gut verwendet werden kann, wenn sich der Staat nur genügend Möglichkeiten sichert, notfalls gegen Wucherpreise zuschla¬ gen zu können. Ende August 1970 war für die schwedische Regierung solch ein Zeitpunkt gekommen: Gegen überhöhte Lebensmittelpreise mußte et¬ was geschehen. Der Einzelhan¬ del hatte sich nämlich unter dem Vorwand, daß es bei eini¬ gen landwirtschaftlichen Pro¬ zwei Jahren kann — so wie beim österreichischen Verein für Konsumenteninformation — nun auch der britische Ver¬ braucher im individuellen Ge¬ spräch mit Fachleuten seine Verbraucherprobleme darlegen. Damit — so berichten britische Verbrauchervertreter immer wieder voller Stolz — ist eine echte Lücke geschlossen: Denn auch jene Konsumenten, die gegen Listen und Zahlenmate¬ rial eine gewisse Abneigung empfinden, sollten wegen die¬ ser Antipathie für etwas schwie¬ rigere Informationen beim Ein¬ kauf nicht benachteiligt sein. Rudolf Doubek dukten Preiserhöhungen gab, erhebliche Steigerungen der eigenen Gewinnspannen er¬ laubt. Anschließend verhängte die Regierung einen befristeten Preisstopp, der natürlich auch alle Anträge auf Lohnerhöhun¬ gen blockierte, weil ja das Ar¬ gument, die gestiegenen Preise müßten abgegolten werden, für einige Zeit wegfiel. Schon die kleinsten Schwe¬ denmädel und Schwedenbuben lernen in der Schule das kluge »Konsumieren« und wissen sehr wohl, welche der vielen Informationsstellen ihnen im einen oder anderen Fall helfen kann. Wer sich für preisbewu߬ tes Einkaufen interessiert, greift gerne nach der Zeitschrift »Preisaktuelles« und nützt alle publizistischen Aktivitäten des staatlichen Preis- und Kartell¬ amtes, dem sowohl die Preis¬ überwachung als auch die Auf¬ klärung der Verbraucher über Fragen der Preisbildung ob¬ liegt. VOR21 ?? 11 JAHREN| In »Arbeit und Wirtschaft« vom 1. November 1953 lesen wir un¬ ter dem Titel »Konzessionierte Pfuscher« folgende Glosse: Ein Hotelangestellter, der während der Saison in Kärnten beschäftigt war, erzählt in der Zeitschrift seiner Gewerkschaft (28. September 1953) eine er¬ götzliche Geschichte, wie dort Inhaber von konzessionierten Der von unseriösen Wirt¬ schaftstreibenden am meisten gefürchtete Mann ist seit Juli 1970 der Konsumentenombuds- man, Sven Heurgren, der dar¬ auf achtet, daß alle Werbema߬ nahmen und alle Verträge so korrekt als möglich formuliert sind. Der Ombudsman ist sozu¬ sagen Klagemauer für alle leid¬ geprüften Konsumenten. Im staatlichen Institut für Ver¬ braucherfragen wird die prakti¬ sche Arbeit für eine echte Ver¬ braucherinformation geleistet. Hier werden Waren getestet, und auch die Zeitschrift »Räd och Ron« (»Rat und Erfahrung«) wird von diesem Institut her¬ ausgegeben. Dem schwedi¬ schen Institut für Verbraucher¬ fragen stehen jährlich rund 23 Millionen Schilling zur Verfü¬ gung. Der staatliche Verbraucherrat (Jahresbudget 20 Millionen Schilling) hat die Aufgabe, alle Arbeiten im Interesse der Ver¬ braucher zu koordinieren, ge¬ setzliche Maßnahmen anzure¬ gen und zu begutachten, aber auch die Rechtsstellung des Konsumenten zu untersuchen und zu verbessern. Dem Ver¬ braucherrat obliegt es ferner, auf eine Rationalisierung der Hausarbeit und der Haushalts¬ geräte (etwa eine Typenbereini¬ gung bei Messern) hinzuarbei¬ ten. Nimmt man alles zusammen, dann wendet der schwedische Staat etwa 200 Millionen Schil¬ ling jährlich für die Aufklärung und den Schutz der Verbrau¬ cher auf: Das ist etwa zwanzig¬ mal soviel wie das Jahresbud¬ get des österreichischen Ver¬ eins für Konsumenteninforma¬ tion. Dazu kommt allerdings, daß das Geld für den Verbrau¬ cherschutz in Österreich über¬ wiegend von den vier Mitglieds¬ organisationen des Vereins für Gaststätten, die selbst keine oder nur wenige Fremdenzim¬ mer haben, den Hotelbetrieben ins Gewerbe pfuschen. Sie ha¬ ben sich die Privatzimmer der Umgebung gesichert, zahlen dafür einen bestimmten Betrag an den Eigentümer, locken so¬ dann durch Zeitungsinserate hunderte Pensionsgäste an, die sie verpflichten, bei ihnen zu essen. Natürlich können sie viel billiger sein, denn sie haben keine Spesen und kein Risiko, vor allem auch kein Personal. Auch bei der Steuer kommen sie gut weg, denn sie gelten als Kleinbetriebe, ob- tAufgaben für den Unterricht an Volksschulen IIII* Ein Arbeiter wohnt mit seiner fünfköpfigen Familie in einer Wohnung und zahlt für die Miete ein Viertel seines Lohns. Sein Chef kaufte für seine fünfköpfige Familie von einem Viertel seines Vermögens ein Doppelhaus am Stadtwald. Warum kauft der Arbeiter nicht wenigstens ein Einfamilien¬ haus am Stadtwald? Hundert Arbeiter wohnen in einem Mietshaus in der Stadt Hundert Reiche wohnen in den Villen an den Seen des Landes. Wie viele Seen gibt es in dem Land und wie viele Arbeiter wohnen dort? Der Akkordarbeiter KarI schläft abends oft beim Fernsehen ein. Der Juniorchef August geht abends oft in die Oper. Warum geht Karl nicht in die Oper und warum schläft August abends nicht ein? Klaus Konjetzky Konsumenteninformation sowie durch Werkaufträge und spär¬ liche, unsichere Subventions¬ mittel einzelner Ministerien oder anderer öffentlicher Stel¬ len aufgebracht wird. Wie lan¬ ge wird das noch so weiterge¬ hen? R. D. wohl sie vom Mai bis Sep¬ tember oft mehr als hundert ständige Gäste haben. Im Ho¬ tel mit seinem Personal wird die Kapazität, mit Ausnahme von vier Wochen, von Mitte Juli bis Mitte August, nicht ausgenützt, während die Pri¬ vatzimmervermieter zu Heim¬ arbeitern der Gastwirte wer¬ den. Und was sagen dazu die Pfuscherbekämpfer der Han¬ dels* und Gewerbekammern, die jeden Arbeitslosen, der sich ein paar Schillinge dazu¬ verdient, in einem Löffel Was¬ ser ertränken möchten? Grenzen der Freiheit 11/73 arbeit wir!sdwill 7