1. Anstellung niedriger, Produktion höher, 1967 bis 1976, in % Anstellung Produktion Damenstrümpfe -35 24 Landwirtschaft -23 11 Haushaltsgüter (langlebig) -23 9 Eisenbahnen - 19 5 Bäckereiprodukte - 9 5 Papier, Pappkart. - 7 25 Sägemühlen - 6 17 Gummireifen - 5 34 Anstreichfarben - 4 30 Kunstfasern - 4 87 Tankstellen - 2 27 2. Anstellung höher, Produktion höher, 1967 bis 1976, in % Anstellung Produktion Kohlenbergwerke 62 12 Gaststätten, Schnellimbißlokale 54 32 Hotels, Motels 38 34 Einzelhandel, Nahrungsmittel 20 19 Telefondienst 17 95 Luftfahrtlinien 15 69 Kraftwerke 12 53 Glasbehälter 11 27 Lkw-Frachtentransp. 11 34 Motorfahrzeuge 4 54 Metallbehälter 3 20 Nahrungsmittel¬ verarbeitung 1 23 3. Anstellung niedriger, Produktion niedriger, 1967 bis 1976 in % Anstellung Produktion Radio- und Fernseh¬ empfangsgeräte — 37 —18 Schuhe — 28 — 24 Stahl -15 0 Die Zahlen basieren auf Messungen des U. S. Bureau of Labor Statistics. Sie sind ge¬ rundet. Mit wenigen Ausnahmen wuchs also die Arbeitsproduktivität in vielen Fäl¬ len beträchtlich. Selbst die Ausnah¬ men hören meist auf, Ausnahmen zu sein, zieht man die geleisteten Ar¬ beitsstunden anstatt der Anstellung in Betracht. Im Gaststättengewerbe zum Bei¬ spiel stiegen jene weit weniger als diese (die Anzahl von Teilzeitarbeitern nahm zu) - so daß, nach Arbeitsstun¬ den berechnet, ein Produktionszu¬ wachs zu verbuchen war. Das gleiche gilt für das Hotelgewerbe. Die wich¬ tigste Ausnahme ist der verhältnis¬ mäßig hohe Anstellungszuwachs bei den Kohlenbergwerken, der mit der Anordnung strenger Sicherheitsma߬ regeln seitens der Bundesregierung nach 1969 verbunden war. Ein Teil der in der Tabelle aufge¬ zeigten Veränderungen zwischen den beiden Stichjahren ist wohl der Ver¬ schiedenheit der Konjunkturphasen zuzuschreiben, die die Anstellung und Produktion jener Jahre kennzeichne¬ ten. Aber das dürfte die Deutung der Veränderungen als Ergebnisse tech¬ nologischer und (damit oft eng zu¬ sammenhängender) betriebswirt¬ schaftlicher Entwicklungen wenig be¬ einträchtigen. Ein paar Beispiele die¬ ser Entwicklungen sollen hier gege¬ ben werden. Beim Telefondienst geht der Anstel¬ lungsanteil der Telefonistinnen weiter rapide zurück. Das ist allerdings keine neue Entwicklung; der Rückgang trat mit der Einführung des Selbstwählens bei Fernrufen ein. Neu ist das allmäh¬ liche Schwinden von Reparatur- und Instandhaltungsmannschaften: die um¬ greifende elektronische Schaltung ist weit weniger reparaturbedürftig als die mechanische, die sie ersetzt. Bei den Kraftwerken werden größe¬ re Dynamos mit höheren Kapazitäts¬ fähigkeiten eingesetzt; Beaufsichti¬ gung und Instandhaltung benötigen keinen vergrößerten Dienststab. Bei den Tankstellen wird weitge¬ hend Selbstbedienung eingeführt. In den meisten gewerblichen Industrien schreitet die Automatisierung fort, auch im Sinne der Näherung unter¬ durchschnittlich produktiver Betriebe an durchschnittlich produktive. Diese Näherung wird nicht zuletzt von den großzügigen Investitionssteuerkredi¬ ten und den liberalisierten Abschrei¬ bungsbestimmungen gefordert, die seit 1962 die privatkörperschaftlichen Finanzmittel angereichert haben. Sie wird aber auch mittelbar von der die gesamte amerikanische Industrie be¬ lastenden Überkapazität verursacht: die weniger leistungsfähigen Betriebe, zum Beispiel in der Fabrikation von Damenstrümpfen, wo die Überkapazi¬ tät zeitweise besonders hoch war, werden stillgelegt. Im Hotelgewerbe sind gleicherweise die pro Dienstleistungseinheit notwen¬ digen Arbeitskräfte gesunken. Die Gästebedienung ist »rationalisiert« (das heißt meistens vermindert) wor¬ den. Leicht zu reinigende Möbel und Bodenbeläge sind eingeführt worden. Die Schaffung großer Kettenbetriebe erspart Arbeitskräfte unter anderem durch zentralisierte Verwaltung, Buch¬ haltung und Reservierung. Ähnliches trifft aufs Gaststättengewerbe zu, wo der Einzelinhaber allmählich ver¬ drängt wird. Die Speisenangebote werden vereinfacht und standardisiert. Die Speisen werden oft in zentralen Küchen vorgekocht. Die Selbstbedie¬ nung wird gefördert. Der Koch als hochgelernter Arbeiter verschwindet (außer in den besseren Restaurants). Koch-, Spül- und Reinigungsapparate können mit Leichtigkeit von angelern¬ tem Personal gehandhabt werden. Der Produktivitätsaufschwung in den dienstleistenden Industrien, von denen eine nur kleine Anzahl in der Tabelle genannt sind, steht wahr¬ scheinlich noch im Anfang. Allerdings ist es möglich, daß er sich hinaus¬ ziehen wird, solange Teilzeitarbeiter und Teilzeitarbeiterinnen zu verhält¬ nismäßig niedrigen Löhnen zu finden sind. Die Messung der Arbeitsproduktivi¬ tät gegebener Industrien oder Sekto¬ ren soll nicht verdecken, daß die Quellen des Produktivitätszuwachses oft außerhalb liegen; das heißt, die Leistungskraft einer Industrie ist nur eine und nicht immer die wichtigste Quelle dieses Zuwachses. Hierfür ist die Landwirtschaft beispielhaft; der Großteil der für die Steigerung und Erhaltung der landwirtschaftlichen Produktivität erforderlichen Mittel wird von nichtlandwirtschaftlichen In¬ dustrien geliefert. Dieser Gedanke trifft auch auf die Freisetzung der Ar¬ beitsplätze und die sich daraus erge¬ bende »strukturelle« Arbeitslosigkeit zu: Die Ursprünge liegen oft außer¬ halb der freisetzenden Industrien und Betriebe. So hat zum Beispiel die Motorisie¬ rung nicht nur einfach zum Nieder¬ gang der Eisenbahnen geführt, son¬ dern zur Aufschließung großer Räume in den Außenbezirken der Großstädte; das wiederum hat die Abwanderung großer Teile der Bevölkerung und so¬ mit dienstleistender Betriebe geführt. Diese Verlagerung erklärt zumindest teilweise die hohe Arbeitslosigkeit in den Elendsvierteln der Innenstädte, die, laut einer Erfassung des Bundes¬ arbeitsministeriums, in 1976 zweimal so hoch war als außerhalb dieser Viertel. Die durch die Umwälzung des Personentransportes verursachte Standortverschiebung des Hotelge¬ werbes in die Außenbezirke war zwar von erhöhter Gesamtanstellung be¬ gleitet, aber bei Verlust im letzten Jahrzehnt von etwa 14.000 Hotelar¬ beitsplätzen innerhalb der Stadt New York. Hier wie anderwärts verschlei¬ ern die günstigen Globalzahlen Vor¬ gänge, die für einen beträchtlichen Teil der Arbeiterschaft von Schaden sind. Es sind soziale Kräfte, die diese Vorgänge in Bewegung setzen, und es ist die Gesellschaft als Ganzheit, die dje Schäden verhindern oder beheben muß. 7/8/78 nrixif wirtsriuill 15