2. Herr Dkfm. Herget wirft mir vor, ich hätte die den Ar¬ beitnehmern tatsächlich zu¬ kommenden Sozialleistungen »kraß unterschätzt«, und führt zum Beleg dieses Vorwurfs eine Reihe freiwilliger Sozial¬ leistungen an. Ich bestreite nicht, daß es da und dort sol¬ che Leistungen gibt. Man hört ja jetzt viel darüber, daß sie abgebaut werden. Es gibt aber nicht nur Fälle überdurchschnittlicher Sozial¬ leistungen, sondern auch sehr viele Fälle, in denen Leistun¬ gen nicht realisiert werden, die in der Rechnung enthalten sind. Gar nicht so wenige Kol¬ lektivverträge sehen bei¬ spielsweise nicht einmal volle 14 Monatsbezüge im Jahr vor; viele Arbeitsverhältnisse en¬ den ohne Abfertigungsan¬ spruch; durch das Überschrei¬ ten der gesetzlichen Höchst- beitragsgrundlagen vermin¬ dert sich die prozentuelle Be¬ lastung des Lohns mit Arbeit¬ geberbeiträgen zur sozialen Sicherheit zum Teil beträcht¬ lich. Alle globalen Berechnun¬ gen müssen zwangsläufig auf Durchschnittswerten beru¬ hen, und diesbezüglich bin ich ganz sicher, mit 3% frei¬ willigen Sozialleistungen, die in meiner Rechnung enthal¬ ten sind (das ist immerhin fast ein halber Fünfzehnter im Jahr), nicht von einer realisti¬ schen Einschätzung abzu¬ weichen. 3. Meine Hinweise im Artikel, daß entgeltpflichtige Abwe¬ senheitszeiten oft durch den Arbeitnehmer selbst »einzu¬ arbeiten« sind, haben - weil zahlenmäßig nicht faßbar - in meine Lohnnebenkosten¬ rechnung keinen Eingang ge¬ funden. Wenn aber das von Herrn Dkfm. Herget angegebene Produktivitätsminus für den Urlaubsmonat August tatsäch¬ lich nur 12% beträgt, so wer¬ den damit meine Erwartun¬ gen, was das tatsächliche Ausmaß der »Einarbeitung« von Abwesenheitszeiten durch den Arbeitnehmer selbst betrifft, weit übertrof¬ fen: Immerhin darf man an¬ nehmen, daß im beliebtesten Urlaubsmonat August etwa 40% aller Arbeitnehmer ihren Urlaub verbrauchen - und dennoch wird nur um 12% weniger produziert! Ich selbst nehme diese Zah¬ lenspielerei nicht sehr ernst und empfehle Herrn Dkfm. Herget dasselbe für seine rechnerischen Bezüge zwi¬ schen Produktivität und Ar¬ beitsbelastung des einzelnen. Wahrscheinlich gibt es Dinge zwischen Himmel und Erde, die sich statistisch nicht erfas¬ sen lassen. 4. Der Hinweis Dkfm. Her- gets, wonach der Erstattungs¬ fonds nur 80% des Kranken¬ entgelts für Arbeiter ersetzt, stimmt nur für größere Betrie¬ be. In kleineren gilt nach wie vor die volle Erstattung. Im üb¬ rigen wurde der Entgeltfort¬ zahlungsbeitrag, den die Un¬ ternehmen zu zahlen haben und der mit Recht in die Lohn¬ nebenkostenrechnung ein¬ fließt, von ursprünglich 3,8% auf (für 1985) 2,6% gesenkt - immerhin eine Reduktion die¬ ses Postens der Nebenkosten um mehr als 30%. 5. Herrn Dkfm. Herget irrt, Die brutale Praxis von Un¬ ternehmern gegen Arbeiter in ihren Betrieben, die Ernst Moravec in »Arbeit & Wirt¬ schaft« Nr. 11/84 zusammen¬ faßte, ist eine sehr aufschlu߬ reiche Auseinandersetzung mit der sozialpartnerschaftlichen Realität. Argumente wie Wat¬ schen, Faustschläge, Fußtrit¬ te, Entlassungen, Beschimp¬ fungen usw. sind seitens der Unternehmer keine Seltenheit. Besonders der Fall vom 21. August 1984 in einem Glasbe¬ trieb in Tirol, wo der Unter¬ nehmer Kisslinger einen Be¬ triebsratskandidaten bewußt¬ los schlug und gleich in einem Aufwaschen einen Teil der Ar¬ beiter mit der Entlassung ter¬ rorisierte, ist ein Fall, bei dem man nicht zur Tagesordnung übergehen sollte. Gut, der rabiate Unterneh¬ mer hat sich im Fernsehen entschuldigt. Was allerdings ändert das an den mittelalterli¬ chen Zuständen, die noch in vielen Betrieben herrschen? Zwar wird sich der Unterneh¬ mer wahrscheinlich noch vor Gericht verantworten müssen. Die Geldstrafe (wenn er eine solche überhaupt bekommt) wenn er meint, daß ich einer Erhöhung der Lohnnebenko¬ sten das Wort rede. Im Gegen¬ teil - es gibt gute Gründe, für die Finanzierung der sozialen Sicherheit in Hinkunft nicht nur Löhne und Gehälter als Bezugsbasis heranzuziehen. Die Benachteiligung arbeitsin¬ tensiver Produktionen und Dienstleistungen ist schon derzeit nicht zu übersehen. Computer verursachen keine Lohnnebenkosten, wohl aber Ausgaben für Ar¬ beitslosenversicherung, Ar¬ beitsmarktservice und Früh¬ pension durch die Allge¬ meinheit. Derzeit scheint es noch sehr viele ideologische Barrieren auf der Arbeitgeberseite ge¬ gen den Ersatz gewisser Lohnnebenkosten durch eine Form von Wertschöpfungs¬ abgabe zu geben. Hoffen wir, daß diese abgebaut werden. Bernhard Schwarz wird er von dem Profit, den er aus seinen Sklaven heraus¬ holt, sicherlich leicht bezahlen können. An der Tatsache, daß ein Teil der »Mitarbeiter« be¬ reits entlassen wurde bezie¬ hungsweise um rechtliche An¬ sprüche prozessieren muß, wird sich nichts ändern. Wenn man von solchen Willkürakten erfährt, und wie Kollege Moravec erinnert, handelt es sich beileibe um keine Einzelfälle, so muß man sich schon fragen, was das ganze Gefasel von der angeb¬ lich so wertvollen Sozialpart¬ nerschaft wirklich wert ist. Wenn eine Einrichtung, um die uns angeblich fast die ganze Welt beneidet, nicht in der Lage ist, mit solchen Aus¬ wüchsen fertig zu werden, so muß daran doch wohl etwas faul sein. Früher, vor den sieb¬ ziger Jahren, hat man sich sehr gern auf die Koalition und das »schwarze Gewicht« aus¬ geredet. Jetzt, nach gut einem Dutzend Jahren SP-Regie- rung, sollten aber solche Un¬ ternehmerpraktiken der Ver¬ gangenheit angehören. Und wenn ein sogenanntes schwarzes Schaf wirklich Der Affe und der Spiegel Ein Buch ist ein Spiegel, wenn ein Affe hineinsieht, so kann kein Apostel herausgucken. Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen, und es tönt hohl, muß es dann allemal ein Buch sein? (Georg Christoph Lichtenberg, deutscher Philo¬ soph, 1742-1799) einmal Amok läuft, dann müßte das Gesetz doch für alle gleich angewendet werden. Was wäre wohl, um beim an¬ geführten Beispiel zu bleiben, mit dem Arbeiter Kiener ge¬ schehen, wenn er den Unter¬ nehmer Kisslinger niederge¬ schlagen hätte, und dieser wäre tagelang mit einer Ge¬ hirnerschütterung und Verlet¬ zung des Halswirbels im Spital gelegen? Meiner Meinung nach tun die zuständigen Gewerkschaf¬ ten bei Bekanntwerden sol¬ cher Unternehmerübergriffe zuwenig. Anprangern und Rechtsschutz ist gut, aber ak¬ tive Solidarität aus den Betrie¬ ben wäre besser. Wenn die Unternehmer merken würden, daß derartige Übergriffe nicht isoliert behandelt, sondern zu einem Anliegen der gesamten Arbeiter gemacht werden, so würde das möglicherweise die diversen Festreden der So¬ zialpartner etwas stören, aber dafür das Solidaritätsbewußt¬ sein der Arbeiterschaft stär¬ ken. Hans Resch, Wien 5 BTX-Verwirrung Im Novemberheft (Seite 9, 2. Spalte) hat sich im Beitrag »BTX« ein ärgerlicher Zeilen¬ salat ergeben, der den Sinn unverständlich machte. In die¬ sem Beitrag von Helga Hauser soll es über BTX richtig heißen: »als interesseaktives Medium ist es, solange es noch nicht abberufen ist oder wird, sozu¬ sagen inexistent. Es verlangt vom Benutzer auch mehr Akti¬ vität als von einem Zeitungsle¬ ser, der vielleicht nur >en pas- sant< sein Journal durchblät¬ tert. BTX kann nur konsumie¬ ren", wer eine minimale Pro¬ grammzielstrebigkeit aufzu¬ bringen gewillt ist; also sucht, immer wieder Entscheidungen trifft, um zu einem Ergebnis zu kommen, das genaue Gegen¬ teil von passiver Erduldung.« Die Redaktion ersucht um Nachsicht. Solidaritätsbewußtsein der Arbeiter gegen Terror von Unternehmern stärken 4 arbeit Wirtschaft 1/85