erprobten Stand der Technik moder¬ nisiert werden. Der Kongreß forderte ferner die Verbindung von Energie¬ nutzung, Umwelt und Naturschutz, die Fortsetzung der Bemühungen um »Recycling«, die Förderung umwelt¬ gerechter Verfahren. Anton Benya: Die Wirtschaft, Indu¬ strie, Handel und Gewerbe brauchen genügend elektrische Energie, und zwar elektrische Energie, die umwelt¬ freundlich und möglichst billig ist. Ich denke an die Nachkriegszeit zurück, als Kaprun gebaut wurde. Da ent¬ standen große Vorwürfe, warum man denn Eisen und Beton in diese Mauer hineinliefere, obwohl es doch not¬ wendiger wäre, viel mehr und viel ra¬ scher Wohnungen zu bauen! Der damalige Energieminister Karl Wald- brunner sagte aber, wenn wir wieder einmal richtig produzieren wollen, dann brauchen wir genug Strom, und so wurde Kaprun gebaut. Wir haben eine Reihe von Kraftwerken gebaut, obwohl man uns immer wieder ge¬ sagt hat, es gebe zuviel elektrische Energie, doch hat sich herausgestellt, daß wir immer knapp gewesen sind. Auch heute noch importieren wir elektrische Energie, und für die Ener¬ gie, die wir in den kalorischen Werken erzeugen, zahlen wir für Kohle, Gas oder Öl wertvolle Devisen an das Aus¬ land. Wenn wir umrüsten, also wenn wir genügend Energie aus der Was¬ serkraft bekommen, wenn das eine Kernkraftwerk in Betrieb genommen wird, na, dann könnten wir natürlich auf viele Zulieferungen verzichten und diese Gelder für andere Zwecke verwenden. Achtzig Milliarden abschreiben? »Arbeit & Wirtschaft«: Das Parla¬ ment muß bis zum 31. März über Zwentendorf entscheiden. Wird es vielleicht also doch einen Akt des Parlaments geben, oder scheint das ausgeschlossen? Anton Benya: Wenn man Aussa¬ gen verschiedener führender Politi¬ ker hört, könnte man das Gefühl ha¬ ben, daß in Österreich eine Gruppe von Bürgern aus Schiida eingezogen ist, die sich nicht darüber einigen können, ein fertiges Bauwerk in Be¬ trieb zu nehmen. Aber ich habe im¬ mer noch Hoffnung, denn die öster¬ reichischen Menschen mit ihrem ho¬ hen Intelligenzgrad-sonst hätten wir uns nach 1945 nicht so gut erholen 12 aita^ Wirtschaft 1/85 können - werden es manchen Politi¬ kern noch erklären können, daß man den politischen Streit weglassen solle und sich nur nach den wirtschaftli¬ chen Notwendigkeiten richtet. Wenn man aber die wirtschaftlichen Fragen und nicht Parteipolitik in den Vorder¬ grund rückt, dann müßte eigentlich das Atomkraftwerk in Betrieb ge¬ nommen werden. Ich kann einfach nicht glauben, daß der österreichi¬ sche Bürger zehn Milliarden Schilling ausgegeben hat, um ein Kraftwerk zu bauen, und keinen Groschen aus die¬ sem Kraftwerk an Strombezug her¬ ausbekommen soll. Wenn das auf zwanzig Jahre Betrieb hochgerech¬ net wird, kann das einen Schaden von etwa achtzig Milliarden Schilling be¬ deuten. Wenn ich also sage, zehn Mil¬ liarden sind schon verbaut und wir könnten später noch viele Milliarden aus dem Betrieb herausholen, habe ich das Gefühl, daß sich auch die Poli¬ tiker, die aus Parteiräson heraus glauben, nein sagen zu müssen, be¬ sinnen. Sie sind ja nicht für eine Par¬ tei gewählt worden, sondern sie sind gewählt worden, um den Bürgern des Staats zu helfen, nicht um ihnen zu¬ sätzliche Kosten aufzuerlegen. Einig im Neinsagen »Arbeit & Wirtschaft«: In den Aus¬ einandersetzungen um Zwentendorf und Hainburg gibt es Befürworter und Gegner in allen Generationen und in allen Parteien, auch in der Ge¬ werkschaftsbewegung. Das muß man ja erkennen, doch scheint die Hauptmasse der Verneinenden jene Generation zu sein, die mit der Not der Kriegszeit und der Not der Auf¬ baujähre keine persönliche Bindung mehr hat. Wie siehst du eigentlich die Gegner dieser Projekte? Anton Benya: Sicherlich gibt es zu verschiedenen Fragen immer auch verschiedene Meinungen, zu Hain¬ burg, zum Kraftwerksbau, aber die Dinge werden zusätzlich hochge¬ spielt. Es entstehen Gruppen, wie ja in einer pluralistischen Gesellschaft immer wieder Gruppen entstehen und auch entstehen sollen. Da sind nun Gruppen, die mit dem, was ist, nicht zufrieden sind, die ganz einfach Änderungen wollen. Sie brauchen nun irgendeinen Kristalli¬ sationspunkt. Begonnen hat das ja, daß sie sich einig gegen Zwentendorf waren. Sie waren auch der Meinung, wir brauchen keine zusätzliche Landebahn in Schwechat, sie sind sich einig gegen den weiteren Kraft¬ werksbau, sei es in Großraming, sei es in Hainburg, sei es jetzt im Dorfer- tal. Sie sind sich also einig gegen et¬ was, finden sich geschlossen gegen etwas, aber ich habe noch nichts ge¬ hört, was positiv sein sollte. Sie haben seinerzeit gemeint, ein sogenanntes Nullwachstum wäre das richtige. »Arbeit & Wirtschaft«: Wenn auch das Wort »Nullwachstum« ein Sprach¬ ungeheuer ist, versteht man doch, was damit gemeint ist, daß nämlich ungehemmtes Wachstum auch schädlich sein kann. Anton Benya: Wenn ich für dieses Nullwachstum eintrete, bedeutet das, daß die Menschen auf einem gewis¬ sen Lebensstandard stehenbleiben, womit sie aber nicht zufrieden sein werden. Aber es gibt viele, viele Men¬ schen, die den Normalstandard, den Durchschnittsstandard noch nicht haben. Die könnten nichts mehr be¬ kommen, wollen wir das? Wollen wir nicht jenen helfen, die noch eine schwächere Lebenshaltung haben? Wenn wir ihnen aber helfen wollen, muß ein Wachstum vorhanden sein. Dazu braucht man zusätzliche elek¬ trische Energie und anderes mehr. Diese Gruppen, die das Nullwachs¬ tum predigen, gehen im Kreis. Wollen wir denn in eine Vergangenheit zu¬ rück, wo die Menschen den elektri¬ schen Strom noch nicht gehabt ha¬ ben, wo man noch nicht mit dem Au¬ tomobil gefahren ist? Sie sagen ja den Menschen gar nicht, hört auf mit dem Auto, gebt alles zurück, geht wieder nur zu Fuß, fahrt nur mit dem Rad, sie fahren zum Teil - richtiger¬ weise - selbst mit dem Auto. Kontaktnahme - nicht bloß Schlagwortabtausch »Arbeit & Wirtschaft«: Kannst du mit Vertretern dieser Gruppen in die¬ ser Richtung diskutieren, ohne zornig zu werden? Anton Benya: Zornig nicht. Man kann mit ihnen reden, aber leider ist ihre Bewegungsfreiheit klein, sie sind einfach dagegen. Sie sehen das eine ein, sie sehen das andere ein, aber dann kommen sie trotzdem zum Schluß, wir wollen das alles nicht. Es stimmt mich traurig, daß sie stets nur eine Antwort haben: »Ja, aber die Luftverschmutzung, die Verschmut¬ zung der Gewässer, die Gesundheit