ßrM-Dfs/n/ssm-Kommentar Ein Artikel, der Wirkung zeigte Der große Irrtum (3): Manager-Gewerkschaft? In Folge 9/85 veröffentlichte »Arbeit & Wirtschaft« »Einige Gedanken zur Vorbereitung auf den Ruhestand«, der überraschend schnelle Kon¬ sequenzen hatte. Knappe drei Monate nach seiner Publika¬ tion initiierte und organisierte das »Wiener Senioren-Zen¬ trum im WUK« eine Arbeitsta¬ gung zur Vorbereitung auf die nachberufliche Lebensphase, die im Festsaal der Allgemei¬ nen Unfallversicherungsan¬ stalt in Wien, am 21. Novem¬ ber, unter dem Ehrenschutz von Minister Dallinger statt¬ fand. Der Österreichische Ge¬ werkschaftsbund, das Öster¬ reichische Produktivitäts¬ und Wirtschaftlichkeitszentrum, Vertreter der Wissenschaft, der Stadt Wien, der Sozialver¬ sicherung, der Erwachsenen¬ bildung und ein Frauenar¬ beitskreis fanden sich zu ge¬ meinsamen Beratungen zu¬ sammen, bei denen auch Kol¬ leginnen und Kollegen aus dem steirischen Industriege¬ biet und Wiener Betrieben von ihren Problemen berichteten. Eine so umfassende inter¬ disziplinäre Beteiligung zu diesem Thema hat es bisher bei uns nicht gegeben. Aus der Fülle der behandel¬ ten Fragen seien hier nur ei¬ nige herausgegriffen. Profes¬ sor Prokop vom Bildungsrefe¬ rat des ÖGB nahm zu einer Frage Stellung, deren Bedeu¬ tung täglich zunimmt: »Durch die Unternehmerpo¬ litik, bei Rationalisierungs¬ maßnahmen die aus Alters¬ gründen ausscheidenden Ar¬ beitskräfte nicht mehr zu er¬ setzen, erhöht sich das Durch¬ schnittsalter der Beschäftig¬ ten in den Betrieben. Die Lei¬ stungen des Betriebs werden immer mehr von älteren Arbei¬ tern getragen.« Dr. Stemberger vom Öster¬ reichischen Produktivitäts¬ und Wirtschaftlichkeitszen¬ trum, eine sozialpartner¬ schaftliche Institution, behan¬ delte das Problem der Kon¬ zentration der Aufmerksam¬ keit der Betriebsleitungen auf die jüngere Generation, was »demotivierende Wirkungen« auf die »Älteren« im Betrieb hat: »Sie empfinden, daß das Unternehmensgeschehen im¬ mer mehr an ihnen vorbei¬ geht; sie haben das Gefühl, nicht mehr wirklich gebraucht zu werden und oft auch nicht mehr verstanden zu sein. Jün¬ gere Kollegen mit anderem Verhalten, anderen Kenntnis¬ sen und Denkweisen werden Vorgesetzte, ein anderes Un¬ ternehmensklima entsteht.« Helmut Jaksch, Gewerk¬ schaftssekretär Metall-Berg¬ bau* Energie, Bruck an der Mur, meinte, die Schwierigkei¬ ten in der eisen- und stahler¬ zeugenden Industrie führen dazu, daß Kolleginnen und Kollegen überraschend aus dem Betrieb ausscheiden müssen, so daß der Betroffene überhaupt keine Chance hat, sich darauf vorzubereiten. Hier gibt es große Probleme, trotz des Sonderunterstützungsge¬ setzes (SOG), das Frauen mit 50 und Männer mit 55 in die »Frühpension« gehen läßt. Vielleicht sollten ganz spe¬ zielle Beratungsstellen ge¬ gründet werden, die die älte¬ ren Arbeitnehmer nicht nur finanziell, materiell und recht¬ lich, sondern auch psycholo¬ gisch beraten könnten. Ein Transparent auf der Saalwand der Arbeitstagung wies auf die besondere Aktua¬ lität der zur Diskussion ste¬ henden Fragen hin. Es lautete: »In 14 Jahren - im Jahr 2000 - gehört ein Drittel aller Österreicher zu den Älteren. Bereiten wir uns darauf vor. Jakob Kosten, Wien 10 Vor einem guten Jahrhun¬ dert wurden die ersten Ge¬ werkschaften gegründet. Der gewerkschaftliche Zusam¬ menschluß sollte die Arbeiter gegen die unerträglich ge¬ wordene Ausbeutung durch die Unternehmer schützen, sollte es ihnen ermöglichen, einen langsam, aber stetig wachsenden Anteil am Volks¬ einkommen den begünstigte- ren Volksschichten abzuge¬ winnen. Als Gegengewicht zu den Gewerkschaften hatten die Unternehmer ihre Verbände und Gremien. Mit zunehmen¬ der Größe der Firmen wuch¬ sen auch die Führungsaufga¬ ben der Chefs, die diese als¬ bald nicht mehr allein bewälti¬ gen konnten. Es wurden Stäbe geschaffen, für die man Mitar¬ beiter aus mittleren und höhe¬ ren Rängen heranzog. Diese Stäbe zogen nach und nach alle Führungsaufgaben an sich - den eigentlichen Besit¬ zern blieb nichts oder fast nichts (außer der Repräsenta¬ tion) zu tun übrig - und schwollen dabei zu gewaltigen Apparaten an: die Manager. Oder das Management. Wie merkwürdig: Zwischen den Arbeitern mit ihrem Ge¬ werkschaftsbund und den-zu mächtigen Verbänden verei¬ nigten - Unternehmern ste¬ hend, besitzen die Manager nicht die Spur einer eigenen Standesvertretung, die ihre privaten wirtschaftlichen In¬ teressen wahrnimmt. Noch merkwürdiger: sie brauchen so was gar nicht! Irgendein findiger Rechen¬ künstler hat es vermocht, die beiden Joker - das Prozent und den Warenkorb - so mit¬ einander zu verknüpfen, daß unversehens die Teuerungs- zu Einkommensprozenten wurden. Daß dadurch die hö¬ heren Einkommen gegenüber den kleinen bevorzugt wer¬ den, kann man in allen volks¬ wirtschaftlichen Lehrbüchern nachlesen. Gäbe es nun wirk¬ lich eine Manager-Gewerk¬ schaft, sie müßte mit Zähnen und Klauen den gegenwärti¬ gen Zustand verteidigen. Nun haben aber unsere bie¬ deren Gewerkschaftsführer damals den Trick des Joker- Jongleurs nicht gleich durch¬ schaut und sind ihm hereinge¬ fallen. Bis heute waren sie nicht imstande, sich zu einer Korrektur aufzuraffen. Wozu also eine eigene Manager- Gewerkschaft? Zwar stehen hohe und nied¬ rige Einkommen nach einer prozentual gleichen Erhöhung wieder im selben Verhältnis zueinander wie vorher; den¬ noch ist das hohe Einkommen sozusagen ausgiebiger, das kleine hingegen schmaler ge¬ worden. Die Bewahrung des Verhältnisses zwischen gro¬ ßen und kleinen Einkommen über alle Teuerungsstufen hinauf ist geradezu das Grundprinzip des Konservati¬ vismus. Damit treten aber un¬ sere Gewerkschaften in die unmittelbare Nachbarschaft zur britischen Maggie That¬ cher mit ihrem Monetarismus. Von da zur Reaganomic der Amerikaner sind es nur noch graduelle Unterschiede. In Amerika aber hat man wenig¬ stens von Anbeginn an ehrlich verkündet, daß man die Welt verbessern will, indem man den Armen noch was weg¬ nimmt, um es den Reichen zu geben. Die naiven Amis haben dabei nur übersehen, daß sie damit die Millionenheere ihrer Arbeitslosen geradewegs dem Verbrechertum oder dem Kommunismus in die Arme treiben. Noch steht unseren Ge¬ werkschaften die Möglichkeit offen, von der Wurzel des Übels, der verdammten gleichprozentigen Teue¬ rungsabgeltung, endlich Ab¬ schied zu nehmen. —> 5/86 arfodtwirtsHiiiil 3