Schon vor vier Jahren habe ich, als das beste und gerech¬ teste Mittel zu diesem Zweck, die logarithmische Indexpro¬ gression vorgestellt. Es gibt keinen anderen Weg, die allzu groß gewordenen Einkom¬ mensunterschiede nach und nach zu mildern, ohne irgend jemandem wirklich weh zu tun! Denn eine logarithmische Lohnkorrektur zum Zweck der Teuerungsabgeltung bedarf zu ihrer Erfüllung eines we¬ sentlich geringeren Geldauf¬ wandes als die prozentuelle (Ersparnis annähernd 50%!). Der Preisauftrieb wird ver¬ langsamt, die Bezieher großer Einkommen dürften durchaus imstande sein, ihren bisheri¬ gen Standard ohne große Op¬ fer zu halten. Auch der Forderung Fritz Edlingers (JG), die Einkom¬ mensunterschiede mit höch¬ stens 1:7 zu begrenzen (der¬ zeit 1:24 und mehr), kann man ebenfalls nur durch die loga¬ rithmische Indexprogression näherkommen! Emmerich Ledwina, Wien 2 Zusatzversicherung ~AW- Eigenvorsorge Kollege Ernst Millonig aus Klagenfurt hat (im Feberheft) anhand eines Beispiels zu zei¬ gen versucht, um wieviel gün¬ stiger die private Lebensversi¬ cherung ist als die staatliche Pensionsversicherung. Das Beispiel sei zur Veranschauli¬ chung noch einmal wiederge¬ geben: Durchschnittseinkommen 10.000 S brutto monatlich, 45 Sozialversicherungsjahre - ASVG-Pension. Summe der monatlichen Einzahlungen an die staatliche Zwangspen¬ sionsversicherung: 2753 S. So hoch ist später die monatliche ASVG-Pension: 8412 S brutto, 7240 S netto. Um eine private Pension in gleicher Höhe zu erhalten, also 7240 S netto, muß man monatlich nur folgenden Bei¬ trag leisten: 355,30 S. Der fatale »Irrtum«, der die¬ sem Beispiel zugrunde liegt, ist nicht nur ein Irrtum des Kol¬ legen Millonig, sondern einer, der praktisch in allen Schu¬ lungsunterlagen der privaten Lebensversicherungen so vor¬ getragen wird: Es wird die jet¬ zige Höhe des staatlichen Pensionsbeitrags genannt (2753 S) und der Eindruck er¬ weckt, diesen Beitrag habe der staatlich Versicherte 45 Jahre lang eingezahlt. Das wäre aber gar nicht möglich gewesen, weil die Höchstbeitragsgrund- lage vor 45 Jahren nur 300 S ausgemacht hat. Aus dem gleichen Grund war aber auch eine 45 Jahre dauernde Einzahlung von 355,30 S monatlich in die private Lebensversicherung nicht möglich. Rechnet man in die Zukunft, dann kann man mit einer Einzahlung von 355,30 S monatlich eine Pri¬ vatpension von 7240 S errei¬ chen, wenn diese Einzahlung 45 Jahre lang erfolgt. Welche Kaufkraft diese 7240 S im Jahr 2031 haben werden, steht in den Sternen. Der staatlich Versicherte wird dagegen jedenfalls 79,5% seines Durchschnittsein¬ kommens der letzten 10 Jahre erhalten - seine Kauf¬ kraft bleibt im Umlagesystem voll erhalten. Vergleiche zwischen staatli¬ cher Pensionsversicherung und privater Lebensversiche¬ rung sind zulässig, wenn sie richtig sind. Richtig wäre der von Kollegen Millonig zitierte Vergleich nur dann, wenn die genauen tatsächlichen Ein¬ zahlungen in die staatliche Pensionsversicherung der letzten 45 Jahre mit den in die Lebensversicherung einge¬ zahlten Beträgen verglichen würden. Nur den letzten Arbeitsmo¬ nat herzunehmen und zu sa¬ gen, der staatliche Pensions¬ beitrag mache 2753 S aus und die Lebensversiche¬ rungsprämie nur 355,30 S, geht leider nicht. So günstig ist die Lebensversicherung nur in ihren Werbeunterla¬ gen. Die Wirklichkeit schaut anders aus. Sie berechtigt zu der Feststellung, daß eine allgemeine Altersvorsorge durch Privatversicherung ab¬ zulehnen ist. Dr. Günter Kubka* ' Leiter der Abteilung Sozialversiche¬ rung in der oberösterreichischen Arbei¬ tekammer. Zum Leserbrief von Ernst Millonig in der heurigen Fe- bernummer von A&W erlaube ich mir, folgendes zu bemer¬ ken: Es kann einem Versiche¬ rungs-Angestellten nicht ver¬ wehrt werden, für seine Ge¬ sellschaft oder seine Branche im allgemeinen Werbung zu betreiben. Auch ein bißchen Schönfär¬ berei kann durchaus noch to¬ leriert werden. Aber nach¬ rechnen wird man die von E. M. angeführten Beispiele doch dürfen - oder nicht? So betragen die automa¬ tisch abgezogenen Beiträge eines Angestellten für Sozial¬ versicherung und diverse Um¬ lagen 16,95%, bei brutto 10.000 S also 1695 S. Auch wenn man die Pensionsversi- cherungs-Beiträge von Ar¬ beitgeber und Arbeitnehmer addiert, sind das erst 2270 S. Da hat M. ganz schön über¬ zogen. (Er kam auf 2753 S. Anm. d. Red.) Wenn dieser Angestellte sich eine Zusatzversicherung leisten will (eine Monatsrate kostet immerhin 917 S, minus der Steuerersparnis von 174 S noch 743 S, also weitere 7,43% seines Bruttoeinkom¬ mens), wird ein Versiche¬ rungs-Angestellter sicherlich alles daransetzen müssen, ihn von der Erschwinglichkeit des Betrags zu überzeugen. Der Mann zahlt also brav 20 Jahre lang, das ist 240mal, seine monatliche Sparrate von 743 S. Am Ende dieser 20 Jahre (man schreibt inzwischen Fe- ber 2006) und nicht einen Tag früher winken dann stolze 412.400 S. Das ist aber nicht eine Rendite von 12,51%, sondern lediglich von 7,47%! Auch das wäre noch eine ganz schöne Verzinsung. Aber der Zahn der Zeit nagt auch am Wert des Schillings. Sollte die durchschnittliche jährliche Inflationsrate 20 Jahre lang nicht 3,5% über¬ schreiten, was immerhin frag¬ lich ist, dann sind 412.400 S im Jahr 2006 gerade soviel wert wie heute 207.258 S. Und das wäre dann eine Rendite von 1,46%. Im Gegensatz dazu erhält die Versicherungsgesellschaft Monat für Monat ihre 917 S, die sie sofort zum vollen Wert wieder veranlagen kann. Sollte der Zinsfuß hierfür tat¬ sächlich nur 12,51% betragen (er ist ganz sicher höher), würde dies einen Endwert von 982.091 S bedeuten, der durch die Inflation nur wenig beein¬ trächtigt wird, weil, wie schon gesagt, jede Monatsrate sofort weiter veranlagt werden kann. Im Endeffekt wären das immer noch 783.390 S, Wert 1986! Natürlich bleibt es jeder¬ mann unbenommen, eine derartige Versicherung abzu¬ schließen. Aber man muß dabei auch die Realität im Auge behalten! Emmerich Ledwina, Wien 2 'AW' »Sperrecht« des Betriebsrates Zum Leserbrief des Herrn Manfred Kuzel in A&W 1/86 möchte ich, wegen der Bri¬ sanz des Themas, Stellung nehmen. Ganz dürfte die Diskussion um das »Sperrecht« des Be¬ triebsrats noch nicht zu Ende sein. Zwar hat der Verfas¬ sungsgerichtshof die diesbe¬ züglichen Bestimmungen des Arbeitsverfassungsgesetzes als verfassungskonform er¬ kannt, die Frage, ob die Euro¬ päische Menschenrechts¬ kommission in Straßburg diese Sicht teilt, ist aber noch offen. Gerade die Ausführungen des Betriebsratsobmanns Manfred Kuzel zeigen deut¬ lich, daß sehr wohl auch Mit¬ glieder der Belegschaftsver¬ tretung die Gefahr erkennen, die vom unüberprüfbaren Zu¬ stimmungsrecht - und nur darauf kommt es an, nicht auf die Zustimmungsbefugnis an sich - des Betriebsrats aus¬ geht. Um so mehr sind jene Schranken, die sich Betriebs¬ räte durch eine »strengere Ge¬ schäftsordnung« selbst aufer¬ legen, zu begrüßen. Hier muß Mißverständnissen vorge¬ beugt werden: Es geht nicht um die Beschränkung des Be¬ triebsrats hinsichtlich seiner Befugnisse gegenüber dem Betriebsinhaber, es geht aus¬ schließlich um die Minderung der Gefahr von Fehlentschei- 4 arbeit wirtsdiafl 5/86