düngen zuungunsten des ein¬ zelnen Dienstnehmers. Es darf aber nicht überse¬ hen werden, daß dem einzel¬ nen Dienstnehmer damit nur teilweise geholfen ist. Der Be¬ triebsinhaber ist bekanntlich ja nicht verpflichtet, sich von der Einhaltung der Bestim¬ mungen des Arbeitsverfas¬ sungsgesetzes oder der Ge¬ schäftsordnung des Betriebs¬ rats zu überzeugen. Schlim¬ mer noch - für ihn genügt die Mitteilung des Betriebsrats¬ obmanns von der beschlosse¬ nen Zustimmung, was auch dann gilt, wenn der Betriebs¬ ratsobmann etwa sein Be¬ triebsratskollegium mit dieser Frage überhaupt nicht befaßt hat! Diese Rechtslage kann die strengste Betriebsrats-Ge¬ schäftsordnung weder besei¬ tigen noch mildern. Daß also, wenn es um die materielle Existenz eines Dienstnehmers geht, die Vor¬ gangsweise des Betriebsrats durch nichts und niemand überprüfbar ist, egal von wel¬ chen Motiven der Betriebsrat sich dabei hat leiten lassen, betrachte ich angesichts un¬ seres Rechtssystems, auf das wir durchaus stolz sein dürfen, als geradezu himmelschrei¬ end. Dr. Hans Hafner, Graz Abgeordneter zum Nationalrat 'AW' Rezension einer Rezension Buchbesprechungen sollen den Leser der Rezension mög¬ lichst zur Lektüre des darin besprochenen Buches verlei¬ ten. Eine Buchbesprechung, die weitgehend bestrebt ist, den Inhalt nachzuerzählen, wird diesen Anspruch kaum erfüllen. Der Verfasser einer Rezension hat einen Stand¬ punkt, er ist also bei der Buch¬ besprechung subjektiv. Dage¬ gen ist nicht nur nichts einzu¬ wenden, sondern das würzt die Sache sogar. Selbstver¬ ständlich kann es dabei vor¬ kommen, daß sich der Rezen¬ sent mit dem Buchautor in der von diesem vertretenen Auf¬ fassung der Dinge identifiziert. Auch das ist natürlich und selbstverständlich. Wenn al¬ lerdings der Rezensent dar¬ aufhin dem Autor Objektivität und Allgemeingültigkeit seiner Meinung bescheinigt, dann ist das zwar vielleicht auch noch natürlich, aber keineswegs mehr selbstverständlich und schon gar nicht richtig. Felix Butschek hat in der Besprechung des Buches »Bleibende Werte - verbli¬ chene Dogmen« von Thomas Nowotny (A&W 2/86) mit die¬ sem Objektivierungstrick ge¬ arbeitet. Nowotny »geht in seiner umfassenden Bestands¬ aufnahme der zeitgenös¬ sischen Sozialdemokratie von den neuerdings großen Er¬ folgen austromarxistischer ?Klassiker«... aus«. Und was bescheinigt ihm Butschek zu diesem Anlauf? »Ganz korrekt sieht er darin eine romanti¬ sche Sehnsucht nach Reinheit der Lehre«, meint der Rezen¬ sent. Ganz korrekt? Es ist schon richtig, man kann eine subjektive Meinung, und um eine solche handelt es sich ja wohl, korrekt formulieren. Aber das will der Rezensent gar nicht ausdrücken: Korrekt steht bei ihm für- richtig. Und das könnte den naiven Leser zur Fehlmeinung verleiten, hier sei objektiv die Wahrheit gesagt worden, obwohl es sich einfach um die subjektive Auffassung des Herrn No¬ wotny handelt, die Herr But¬ schek teilt. So geht es also nicht. Aber in der Buchbesprechung ist damit ein Anfang gemacht, und im weiteren Verlauf soli¬ darisiert sich der Rezensent dann mehrmals mit der Mei¬ nung des Autors. Wogegen nichts einzuwenden wäre, hätte nicht einleitend der Ver¬ such scheinbarer »Objektivie¬ rung« stattgefunden. Der Leser erhält nun einige »Einsichten« vorgesetzt, die zwar zur Not korrekt formu¬ liert, aber inhaltlich doch wohl anfechtbar sind. Im »histori¬ schen Sinn bilden Sozialde¬ mokratie wie Unternehmer eine Einheit«, von der nur der Werktätige weniger entzückt sein dürfte als der Unterneh¬ mer. Und dann »zieht der Au¬ torden Schluß, daß Revolution wie Verstaatlichung zu den »verblichenen Dogmen« zäh¬ len, weil... keine ... Verände¬ rung der Gesellschaftsord¬ nung der Gesellschaft ange¬ strebt wird.« Da fällt, was die¬ sen Schluß betrifft, Butschek hinter das sozialistische Par¬ teiprogramm zurück, und die Formel »Revolution wie Ver¬ staatlichung« fügt sich wie konkav und perplex. Schließlich sorgt der Rezen¬ sent auch noch für soziologi¬ sche Innovation: Die eine oder andere Politmode scheint ihm »in neuen Klassen angesiedelt zu sein«, und diese neuen Klassen - wie heißt doch der Plural von Djilas? - scheinen sich ihm rund »um das Ge- sundheits- und Erziehungs¬ wesen, vor allem aber in den Massenmedien« gebildet zu haben. Wie hier der Gruppen-, Kasten- oder gar nur Cliquen¬ begriff zur Kategorie Klasse aufgeschäumt wird, das ist freilich klaß. Daß Intellektuelle die »vor¬ ausreitenden Boten, Vor¬ trupps und Herolde neuer Machthaber« sind, bedarf we¬ niger der Prophetie als des Rückblicks, nämlich auf das Jahr 1938, das klargemacht hat, wie wenig intellektuell In¬ tellektuelle manchmal zu sein vermögen. Der Schlußgedanke, in den die Rezension und vielleicht auch das besprochene Buch mündet, verdient zitiert zu werden: »Es gilt den Fort¬ schritt eines Jahrhunderts durch Verbesserung zu be¬ wahren.« Wie bewahrt man einen Fortschritt? Indem man ihn weiter vorankommen läßt? Oder indem man ihn als Fort¬ schritt konserviert, womit er allerdings korrekt aufhören würde, ein Fortschritt zu sein? Man sollte dazu Nowotny oder Butschek fragen, wie das ge¬ meint ist. Bei Tucholsky fände sich sogar eine korrekt pas¬ sende Antwort: »Jein«. Hugo Pepper, Wien 14 'AW Bewahrung des Fortschritts Mit hohem Interesse habe ich dem Kommentar Peppers entnommen, welch subtiler Methoden ich mich bediene, um im Leser den Eindruck ab¬ soluter Objektivität meiner Aussagen hervorzurufen. Nai¬ verweise hätte ich angenom¬ men, daß die Subjektivität ei¬ nes Rezensenten in jedem von ihm geschriebenen Wort zum Ausdruck kommt, auch in »korrekt«. Doch ist nach die¬ ser Information Peppers meine Hochachtung vor mir beträchtlich gestiegen. Frei¬ lich wäre dieser Umstand eine Replik nicht wert, auch nicht die Vermutung, daß Pepper einen »Aufhänger« suchte, weil ihm »die ganze Chose nicht paßte«, wäre da nicht die Bemerkung darüber, wie man »den Fortschritt bewahrt«? Nun, zunächst hat Pepper nicht richtig zitiert. Ich schrieb, es gelte »den Fortschritt eines Jahrhunderts durch Verbes¬ serung zu bewahren«, womit doch wohl ein sehr konkreter Begriff umschrieben ist! Wei¬ ters scheint mir aber gerade darin die zentrale Aufgabe der Sozialdemokratie zumindest in diesem Jahrzehnt zu liegen. Denn faktisch ist der zitierte Fortschritt, also der umfas¬ sende Ausbau des Wohl¬ fahrtsstaats, mit allen seinen egalitären Implikationen, in manchen Ländern heute ge¬ fährdet. Man sähe die Pro¬ bleme zu vordergründig, wollte man meinen, dies ge¬ schähe nur deshalb, weil in den USA und England das Böse sein Haupt erhoben hät¬ te. Das Entstehen dieser politi¬ schen Strömungen hängt zu¬ mindest teilweise damit zu¬ sammen, daß der Ausbau des Wohlfahrtsstaats schließlich auch immer stärker spürbare Belastungen mit sich brachte, wie sie sich beispielsweise in einer ständig steigenden Ab¬ gabenquote und trotzdem auch aus diesem Grund wach¬ senden Budgetdefiziten aus¬ drücken, die ihrerseits wieder zu immer stärkerer Zinsenbe¬ lastung der öffentlichen Haushalte führen. Es wird daher nicht genü¬ gen, wenn die Sozialdemokra¬ tie versucht, die auf die Zerstö¬ rung des Wohlfahrtsstaats ge¬ richteten Bemühungen poli¬ tisch abzuwehren, sondern sie wird darüber nachzudenken haben, welches Ausmaß und welche Form staatlicher Vor¬ sorge dem einzelnen Bürger wie der gesamten Volkswirt¬ schaft zweckmäßig und trag¬ bar erscheint. In diesem Be¬ mühen wird man eher manche gewohnten Denkbahnen ver¬ lassen und viele Veränderun¬ gen des letzten Jahrhunderts analysieren müssen; dazu eine Fülle von Anregungen gelie¬ fert zu haben, ist das Verdienst von Nowotnys Buch! Felix Butschek 5/86 aiHbrirwirtsriiafl 5