Ausflröe/terfammer/!undßeu/er/tsc/iaften Arbeiterkammer forciert ausgewogene Verkehrspolitik »Die Rolle des Verkehrs wird für die gesamte Wirtschaft - von der Industrie bis zum Fremden¬ verkehr- immer bedeutungsvoller. Nicht zuletzt ist die Lösung verschiedener Verkehrsprobleme für Millionen Österreicher eine Frage der Verbes¬ serung der Lebensqualität!« erklärte Dkfm. Her¬ mann Blaha, Kammeramtsdirektor-Stellvertreter der Wiener Arbeiterkammer, kürzlich bei einer Pressekonferenz des österreichischen Arbeiter¬ kammertags in Wien. r: - 0 U Kundenservice der ÖBB: Wertkartentelefon im Zug. »Für uns heißt das, daß der Österreichische Arbeiter¬ kammertag in Anbetracht der Wichtigkeit und der ständigen Zunahme des Verkehrs for¬ ciert für eine ausgewoge¬ ne Verkehrspolitik eintreten wird!« Blaha nannte einige Zahlen, um die volkswirtschaftliche Lage des Verkehrs darzustel¬ len. Der Verkehrssektor erar¬ beitet 5,6% des gesamten Bruttoinlandsprodukts - mehr als die Landwirtschaft. Ohne die Post sind im Verkehrsbe¬ reich 154.000 Beschäftigte tätig. Ein durchschnittlicher Wiener Arbeitnehmerhaushalt wendet 13% seines Budgets für Verkehrsausgaben auf - mehr als für Wohnzwecke. »Wenn wir dazu noch die Auswirkungen des Verkehrs auf Energiebilanz und Umwelt betrachten, so wird deutlich, daß rasch vernünftige Lösun¬ gen gefunden werden müs¬ sen«, sagte Blaha. »Der Arbei¬ terkammertag sieht diese Lö¬ sungen vor allem in einer Ausweitung des öffentlichen Verkehrs als energiesparend- ster und umweltfreundlichster Faktor!« Zuwächse überwiegend auf die Schiene lenken Hans Schmölz, Vizepräsi¬ dent der Wiener Arbeiter¬ kammer und Zentralsekretär der Gewerkschaft der Eisen¬ bahner, wies darauf hin, daß das Verkehrsaufkommen in den letzten Jahrzehnten gi¬ gantisch gewachsen sei: von 1960 bis 1985 hat sich der Gü¬ tertransport auf der Schiene verdoppelt, auf der Straße ist er aber auf das 37fache ge¬ stiegen. »Wir wollen keine beste¬ henden Strukturen vernich¬ ten, die ÖBB wollen keiner an¬ deren Branche das Geschäft wegnehmen und damit Ar¬ beitsplätze gefährden!« be¬ tonte Schmölz. »Aber dieser Zuwachs des Verkehrsauf¬ kommens wird weiter anhal¬ ten, und wir glauben, daß es von allen Gesichtspunkten aus am vernünftigsten ist, den größten Teil dieses Zuwachses von vornherein auf die Schiene zu lenken.« Der Schienenverkehr sei sehr energiesparend, was die Handelsbilanz entlaste. Damit werden auch Umweltschä¬ den weitgehend vermieden. Schließlich dürfe man nicht übersehen, daß der Güter- schwerverkehr auf der Straße - vor allem der überwu¬ chernde Transitverkehr - im¬ mer stärker die Lebensqualität der Österreicher bedrohe, was sich immer weniger Menschen gefallen lassen, sagte Schmölz. Der Ausbau derÖBB zu einer modernen Serviceor¬ ganisation müsse Hand in Hand mit der Förderung des öffentlichen Verkehrs in städ¬ tischen Bereichen und Bal¬ lungsräumen gehen. Mehr Sicherheit im Verkehr Dr. Gerhard Fuhrmann, der Leiter der Abteilung Verkehrs¬ politik in der Wiener Arbeiter¬ kammer, stellte die Hebung der Verkehrssicherheit in den Vordergrund. Dazu gehören auch Maßnahmen, die mehr auf die Bedürfnisse von Kin¬ dern, Fußgängern und Rad¬ fahrern Rücksicht nehmen. Große Bedeutung komme der Verbesserung der Ver¬ kehrssicherheit im Berufsver¬ kehr zu, unterstrich Fuhr¬ mann. Um die Berufskraftfah¬ rer mit dem nötigen Wissen auszustatten, sei eine Berufs¬ ausbildung für Berufskraftfah¬ rer notwendig. Im Güterfern¬ verkehr und im Autobusge¬ werbe komme es immer wie¬ der vor, daß Lenkzeiten extrem überschritten werden; über¬ müdete Lenker bedeuten aber ein großes Gefahrenpotential. Die Exekutive sollte das Recht bekommen, bei starker Über¬ schreitung der erlaubten Lenkzeiten das betreffende Fahrzeug behördlich abzu¬ stellen. Fuhrmann erklärte, die Ar¬ beiterkammer sei grundsätz¬ lich für das vieldiskutierte Nachtfahrverbot für den Schwertransport, vor allem im Transitverkehr. Ein Nachtfahr¬ verbot würde nicht nur der Wohnbevölkerung die Nacht¬ ruhe gewähren, sondern auch den Fahrern eine längere nächtliche Ruhepause si¬ chern. Allerdings müsse man vorerst klären und fixieren, welche Fahrten in der Nacht unbedingt notwendig sind (etwa zur Nahversorgung), und dann müsse man das Ver¬ bot rigoros gesetzlich festle¬ gen. Das Beispiel der Schweiz zeige, daß dies durchaus durchführbar ist, betonte Fuhrmann. Redaktionsschluß für das Juli/Augustheft ist der 26. Mai 1986, für das Septemberheft der 22. Juli 1986. 6 ariitit wirtsdiaA 5/86