AK Steiermark: Alle Industriestandorte erhalten! Bei der Vollversammlung der Arbeiterkammer Steier¬ mark, die in der zweiten März¬ hälfte stattfand, stellte Präsi¬ dent Franz lleschitz Maßnah¬ men für die Betriebe der ver¬ staatlichten Industrie in der Steiermark in den Mittelpunkt seines Referats, lleschitz for¬ derte, daß alle Standorte erhal¬ ten werden müssen. Schwere Managementfehler dürften nicht als Rechtfertigung dafür dienen, sich der regional- und beschäftigungspolitischen Verpflichtungen zu entledi¬ gen. Wo es wegen des Struk¬ turwandels zu Personalein¬ schränkungen kommen sollte, müsse zeitgerecht für Ersatz¬ arbeitsplätze gesorgt werden. lleschitz verlangte in seinem Bericht an die Vollversamm¬ lung nachdrücklich wirksame Maßnahmen gegen die Ar¬ beitslosigkeit. Bei der Ju¬ gendbeschäftigung könnte eine überbetriebliche Ausbil¬ dungsstätte sehr nützlich sein. Weiters unterstrich Präsident lleschitz, daß eine Lohnsteu¬ ersenkung spätestens ab 1. Jänner 1987 unbedingt not¬ wendig sei, wobei besonders die Bezieher kleiner und mitt¬ lerer Einkommen sowie allein¬ verdienende Familienerhalter berücksichtigt werden mü߬ ten. Weitere Forderungen von lleschitz waren: Einrichtung eines schnellbahnähnlichen Nahverkehrs in der Steier¬ mark, baldige Fertigstellung der Pyhrnautobahn und Be¬ kämpfung des »modernen Sklavenhandels« mit Leihar¬ beitern. Finanzminister Dr. Franz Vranitzky, der bei der Vollver¬ sammlung referierte, erklärte, er verstehe das Verlangen der Gewerkschaften und Ar¬ beiterkammer nach einer Lohnsteuersenkung, als Fi¬ nanzminister müsse er aber auch die Sanierung des Bun¬ desbudgets im Auge behalten. Vor Jahresmitte könne er sich zu einer Lohnsteuersenkung nicht näher äußern. Vranitzky lehnte eine Pri¬ vatisierung oder Zerschla¬ gung der verstaatlichten Indu¬ strie ab, betonte aber, die verstaatlichten Unternehmen müßten in nächster Zeit auf ei¬ nen Gewinnkurs gebracht werden. In den nächsten ein bis zwei Jahren werden sie mit Mitteln ausgestattet, um bilan¬ zieren und neue Wege gehen zu können. Nach dieser Frist seien aber Dauerverluste auch volkswirtschaftlich nicht trag¬ bar. Auch für den Jahrgang 1985 wurde wieder ein aus¬ führliches Personen- und Sachregister angelegt. Es kann kosten¬ los (auch frühere Jahr¬ gänge bis 1962 zurück) bei der Redaktion von »Arbeit & Wirtschaft« angefordert werden. Muri berichtet... »Der ÖGB räumt dem Kampf gegen die Arbeitslosigkeit wei¬ terhin absolute Priorität ein!« er¬ klärte Präsident Anton Benya bei einer ÖGB-Pressekonferenz am 9. April in Wien. Der ÖGB werde alle Maßnahmen der Regierung und der Wirtschaft unterstützen, die geeignet sind, Arbeitsplätze zu si¬ chern oder zu schaffen. Eine der Maßnahmen dazu sei eine Verkür¬ zung der Arbeitszeit. Gemäß dem Beschluß des ÖGB-Bundeskon- gresses 1983 haben bereits einige Arbeitnehmergruppen auf Kollek- tiwertragsebene den Einstieg in die 35-Stunden-Woche geschafft. Zur Lohnsteuersenkung sagte Benya, für den ÖGB sei der 1. Jän¬ ner 1987 der letzte Termin für eine Lohnsteuerreform. Benya berich¬ tete auch über die Mitgliederbe¬ wegung des ÖGB im Jahre 1985 (ein minimaler Rückgang von rund 1400 Mitgliedern oder0,1 % war zu verzeichnen) sowie über den Stand der ÖGB-Aktion »Forde¬ rungen an die Zukunft«. ÖGB- Vizepräsidentin Hilde Seiler for¬ derte mehr und bessere Berufs¬ chancen für Frauen. Dr. Robert Lichal, ÖGB-Präsidiumsmitglied, erklärte, es müsse so rasch wie möglich eine Lohnsteuersenkung mit besonderer Entlastung der Familien geben. * Roman Rautner (60) legte mit 31. März seine Funktion als Ge¬ schäftsführer der Gewerkschaft der Bau- und Holzarbeiter zurück. Mit der Geschäftsführung wurde Josef Hesoun (54) betraut. Raut¬ ner ist seit 1976 Vorsitzender der Gewerkschaft, seit 1979 ÖGB- Vizepräsident und seit einigen Jahren Wiener Bautenstadtrat. Hesoun war seit 1973 niederöster¬ reichischer Landessekretär der Bau- und Holzarbeiter, wurde 1978 Landesobmann sowie stellvertre¬ tender Gewerkschaftsvorsitzender und ist auch Präsident der Arbei¬ terkammer Niederösterreich. * Franziska Fast, eine der drei Volksanwälte, erhielt die Johann- Böhm-Plakette, die höchste Aus¬ zeichnung des ÖGB. Fast war seinerzeit Frauensekretärin der Gewerkschaft Metall - Bergbau - Energie, von 1979 bis 1983 Staats¬ sekretärin und ist seit 1983 in der Volksanwaltschaft. * Nach äußerst schwierigen Ver¬ handlungen konnte die Gewerk¬ schaft Textil, Bekleidung, Leder anfangs April einen neuen Kollek¬ tivvertrag für die rund 27.000 Arbeiter der Textilindustrie abschließen. Rückwirkend mit 1. April wurden die kollektivvertrag¬ lichen Mindestlöhne um 4,8 und die Ist-Löhne um 4,2 Prozent erhöht. Der Vertrag hat eine Lauf¬ zeit von zwölf Monaten. * Erwin Frühbauer, Vorsitzender der ÖGB-Landesexekutive Kärn¬ ten, feierte am 11. April seinen 60. Geburtstag. Frühbauer, der den Berufeines Maschinenschlos¬ sers erlernte, war seit seiner Ju¬ gend in der Gewerkschaftsbewe¬ gung tätig. 1947 betreute er als Jugendreferent der Gewerkschaft der Eisenbahner die Lehrlinge der ÖBB-Hauptwerkstätte, 1952 wurde er Obmann des Vertrau¬ ensmännerausschusses und zu¬ gleich Ortsgruppenobmann der Eisenbahnergewerkschaft. 1962 wurde Frühbauer zum Kärntner Landessekretär der Eisenbahner¬ gewerkschaft bestellt. Von 1970 bis Anfang 1974 war Frühbauer Verkehrsminister, im Juni 1974 wurde er auf einer außerordentli¬ chen Landeskonferenz zum Vor¬ sitzenden der ÖGB-Landesexeku¬ tive Kärnten gewählt. Frühbauer, der auch stellvertretender Lan¬ deshauptmann ist, war auch viele Jahre Vizepräsident der Arbeiter¬ kammer Kärnten. * Zwischen der Gewerkschaft der Chemiearbeiter und dem Bundes¬ gremium des Mineralölhandels wurde für namentlich genannte Firmen des Mineralölgroßhandels ein neuer Kollektivvertrag abge¬ schlossen, der die normale wö¬ chentliche Arbeitszeit seit dem 1. Feber 1986 mit 38 Stunden festlegt. Das Lohnabkommen für den Mineralölgroßhandel trat be¬ reits mit 1. Jänner 1986 in Kraft. * Johann Schmölz, 54, Zentral¬ sekretär der Gewerkschaft der Eisenbahner, wurde Anfang April als Abgeordneter zum Nationalrat (SPÖ) angelobt. Schmölz, ein ge¬ lernter Maschinenschlosser, ist auch Vizepräsident der Wiener Arbeiterkammer. * Die kollektivvertraglichen Min¬ destlöhne für die Arbeiter der ledererzeugenden Industrie wur¬ den rückwirkend mit 1. März um 4,8% erhöht, die Ist-Löhne um 4,2%. Außerdem gab es bei der Weihnachtsremuneration eine Verbesserung. * Mit 1. April wurden die Kollek¬ tivvertragslöhne und -gehälter der im graphischen Gewerbe beschäftigten Arbeitnehmer um 5,5% erhöht. Die Ist-Löhne und -Gehälter wurden um die sich bei der Erhöhung der kollektiv¬ vertraglichen Positionen erge¬ benden Schillingbeträge erhöht. Die Lehrlingsentschädigungen wurden um 5,5% erhöht. Vorschau Für die nächsten Ausgaben sind unter anderem folgende Beiträge geplant. Von Gerhard Stemberger »Urlaub: Große Fortschritte- of¬ fene Probleme«, von Günther Chaloupek »Das Kreditwe¬ sengesetz-Konsolidierungsphase für Österreichs Kredit¬ apparat«, von Horst Brand »USA-Wirtschaftsausblick: Gewinne in Sicht - Druck auf Löhne und Gehälter«, von Günter Weninger »Das Wiener Personalvertretungsge¬ setz«, von Gabrielle Traxler über die Frage der Nachtar¬ beit, von Helmut Ornauer »Private Entwicklungshilfe aus Österreich: Doch kein leerer Wahn«, von Franz Edlinger und Oskar Meggeneder »Gesundheitsrisiko Arbeitswelt?«, von Felix Butschek über Fragen der Strukturpolitik. s/se arhrftwirtsriiafl 7