Wenn ich jetzt mehr als drei Jahr¬ zehnte zurückblicke, so hatten wir im Jänner/Feber 1954 an die 300.000 und mehr Arbeitslose, im Jahres¬ schnitt über 8% Arbeitslosigkeit! Das war für die Generation, die damals mitten im Leben gestanden ist, ein Signal, eine der großen Aufgaben, alles zu tun, daß sich die Massen¬ arbeitslosigkeit der Zwischenkriegs¬ zeit nicht mehr wiederholt. Und so sehende Einbruch schafft natürlich eine gewisse Unruhe. Erfahrungen und Befürchtungen »Arbeit & Wirtschaft«: Aber gerade ÖGB-Präsident Benya hat in den Jah¬ ren der Hochkonjunktur immer wie¬ der gesagt, wir müssen Wert legen auf möglichst hohe Beschäftigung, torisierung. Das Tempo, in dem all das vor sich ging, kann nicht auf Dauer eingehalten werden. Die Haushalte haben sich nach Möglichkeit eingerichtet, also wird man nicht alle paar Jahre die Möbel wechseln. Natürlich gibt es auch an¬ dere Bedürfnisse, Urlaubspläne, Rei¬ sepläne, Sehnsucht nach der weiten Welt. Das belebt aber nicht den hei¬ mischen Markt. mm :j? m - »mm *'W "'1 ' C3 Arbeitslose im Triestingtal, Niederösterreich März 1954. wurden auch entsprechende Pro¬ gramme erstellt. Wenn die Gewerkschaften aber vor etwa fünf Jahren den damals Vierzig¬ jährigen gesagt haben, wir müssen eine Politik machen, die den wirt¬ schaftlichen Möglichkeiten angepaßt ist, gab es viele, die da meinten: »Ar¬ beitslosigkeit ist doch gar keine Frage mehr. Ich bekomme, wenn ich da weggehe, zwei, drei Arbeitsplätze angeboten. Das sagt man ja nur, um uns zurückzubremsen.« Denn dieser heute 45jährige ist 1955/56 ins Er¬ werbsleben eingetreten, als es auf¬ wärts ging, wenn auch mit einer Ein¬ buchtung in den Jahren 1967/68. Aber ab 1970 ist es ja noch einmal ra¬ sant aufwärtsgegangen, daher hat er das nicht empfinden können, womit er jetzt in der Familie konfrontiert wird, wenn plötzlich der eine oder andere arbeitslos wird, weil der Be¬ trieb den Belegschaftsstand redu¬ ziert, weil die Rationalisierung, die Technisierung fortschreitet, weil es weniger Aufträge gibt. Nun ist das Familieneinkommen verkleinert. Die¬ ser für viele verhältnismäßig überra- denn es wird nicht immer so sein. Ge¬ rade Benya war einer der wenigen, die klar gesagt haben, es werden noch harte Zeiten kommen. Das kann man auch in »Arbeit & Wirtschaft« nachlesen. Anton Benya: Das sagte ich aus leidvoller Erfahrung und aus einer Befürchtung heraus. Ich habe ja diese Zwischenkriegszeit bewußt erlebt, als es in Österreich etwa 1,7 Millionen unselbständig Beschäftigte gegeben hat, aber bis zu 600.000 Menschen arbeitslos waren, von denen nur etwa 300.000 noch eine Unterstützung be¬ kamen. Und nun dieser Aufschwung, aber als Gewerkschafter muß man realistisch denken. Wenn in der Welt die Produktion überall steigt, wenn mehr Waren auf den Markt kommen, wird die Konkur¬ renz größer, da heißt die Frage, wo sind die Absatzmärkte? Denn im ei¬ genen Land wird vieles nicht mehr in dem Ausmaß gebraucht wie in den Nachkriegsjahren, ob Bekleidung, ob Schuhe, da gibt es eine gewisse Sät¬ tigung. Dann kam die Elektrifizierung in den Haushalten, dann kam die Mo- '4 i » t 12 5/86