man gesagt, jetzt macht der Gewerk¬ schaftsbund dieser Regierung die Mauer, und auch jetzt sagt man, der Gewerkschaftsbund müßte viel härter gegen die Regierung kämpfen. Ich bleibe dabei, was ich vor zwei Jahrzehnten, beim ÖGB-Kongreß 1967, gesagt habe: Der Österreichi¬ sche Gewerkschaftsbund ist eine überparteiliche, unabhängige Orga¬ nisation, unabhängig vom Staat, der Regierung, den Unternehmern, den politischen Parteien. Unsere Ein¬ stellung wird sich immer danach richten, was eine Regierung für die Arbeitnehmer zu tun bereit ist. Stärke und Schwäche »Arbeit & Wirtschaft«: Das kann sich in Wirklichkeit nur eine starke Gewerkschaftsbewegung erlauben. Wenn wir jetzt umherblicken, so se¬ hen wir, daß in manchen Ländern mit alter Gewerkschaftstradition, zum Beispiel in Großbritannien und in den USA, im letzten Jahrzehnt die Ge¬ werkschaften ziemlich geschwächt worden sind, teils durch eine andau¬ ernd hohe Arbeitslosigkeit, teils durch gewerkschaftsfeindliche Ma߬ nahmen und Gesetze der Regierung. Vor kurzem ist auch gegen den er¬ klärten Willen und Widerstand des starken Deutschen Gewerkschafts¬ bundes in der Bundesrepublik Deutschland ein Gesetz geschaffen worden, das bei Arbeitskonflikten den durch Aussperrung mittelbar da¬ von Betroffenen die Arbeitslosenun¬ terstützung wegnimmt und sie auf die Streikkassen der Gewerkschaften verweist. Das ist eindeutig eine Schwächung der deutschen Ge¬ werkschaften, aber auch in Öster¬ reich gibt es immer wieder gewerk¬ schaftsfeindliche Haltungen. Natür¬ lich nicht von der Regierung, aber von Unternehmern, die sich mit Hän¬ den und Füßen erfolgreich dagegen wehren, daß ein Betriebsrat installiert wird. Anton Benya: Wir haben eine überparteiliche Organisation, einen Organisationsgrad von etwas mehr als 60%, wir sind in den Großbetrie¬ ben zwischen 90 und 100% organi¬ siert, wir haben dort Betriebsratskör¬ per, die aufgrund guter Informatio¬ nen und auch der gewerkschaftli¬ chen Bildungsarbeit imstande sind, dem Unternehmer in der Diskussion standzuhalten. Das bedeutet schon etwas. Der Österreichische Gewerk¬ schaftsbund wird auch von der Re¬ gierung als gleichrangig mit öffent¬ lich-rechtlichen Körperschaften wie den Kammern anerkannt. Die Wirt¬ schafts- und Sozialpartnerschaft tut dazu ein übriges, so daß wir schon auf dieser Ebene vorbereiten können, was im Interesse des Gedeihens der Wirtschaft geschehen soll. Es wäre ja falsch, würden wir nur auf jene hö¬ ren, die sagen, was kümmert euch die Wirtschaft, ihr habt euch nur um ein besseres Sozialrecht und einen höheren Lohn zu kümmern. All diese Dinge können wir nur leisten, wenn wir eine florierende Wirtschaft ha¬ ben. Das hat sich, glaube ich, schon in den breiten Massen durchgesetzt, daß wir in der Wirtschaft mitreden, ob auf Betriebsebene, ob auf der Bran¬ chenebene, ob bei Wirtschaftsfragen, die von der Bundesregierung behan¬ delt werden. Bis jetzt hat noch jede Bundesregierung mit den Gewerk¬ schaften Kontakt gesucht, wenn auf wirtschaftlicher Ebene große Pro¬ bleme zu lösen waren. Sicher haben auch, bei aller Härte, die es gibt, die Unternehmer in Öster¬ reich doch erkennen müssen, daß es wenig Sinn hat, zu meinen, Herr im Haus bin ich, und nur ich entscheide, sondern daß es vernünftiger ist, mit dem Betriebsrat, mit den Gewerk¬ schaften Gespräche zu führen. »Arbeit & Wirtschaft«: Aber Allge¬ meingut ist das noch nicht gewor¬ den? Anton Benya: Das stimmt, aber anderseits stetigen Klassenkampf zu predigen, wäre auch nicht gut. Man muß ja den Kampf nicht auf der Straße führen, wenn man gute Argu¬ mente hat, wenn man überzeugen kann, wenn auch der andere weiß, allein kann er das nicht ziehen. Dann kann man in langen, schwierigen Verhandlungen viele Dinge durch¬ bringen. Das ist für die Wirtschaft, für die gesamte Bevölkerung, für das Land gut. Eine ruhige Entwicklung bringt auch mit sich, daß Österreich als stabiles Land die Chance hat, daß hier Betriebe angesiedelt werden, weil man sehr wohl weiß, da wird flei¬ ßig gearbeitet, da gibt es gute Fach¬ arbeiter, da ist doch eine ruhige Ent¬ wicklung. »Arbeit & Wirtschaft«: Merkwürdi¬ gerweise gibt es manches multina¬ tionale Unternehmen, das im Heimat¬ land, zum Beispiel in den Vereinigten Staaten, absolut gewerkschaftsfeind¬ lich ist, aber wenn es sich in Öster¬ reich ansiedelt, mit den Gewerk¬ schaften kooperiert. Anton Benya: Das ist sicherlich nicht von sich aus. Aber wenn ein Un¬ ternehmen die Absicht hat, sich in Österreich niederzulassen, versu¬ chen wir, von Anfang an dabei zu sein, so daß sie auch wissen, so schaut es in Österreich aus. Sie müs¬ sen eben österreichische Gesetze anerkennen. So haben wir halt dann in den österreichischen Betrieben solcher Unternehmen oft eine stär- Konkurrenz aus Niedriglohnländern. kere gewerkschaftliche Organisation, als es sie in den Stammländern gibt. Letztlich können wir jedoch aus dem Betrieb nur dann mehr herausholen, wenn auch eine entsprechende Lei¬ stung da ist. Leistungsfähig ist aber die österreichische Arbeitnehmer¬ schaft sehr. Eckzinssatz und Kapitalmarkt »Arbeit & Wirtschaft«: Nun einige Einzelfragen. Es ist immer gesagt worden, für den kleinen Sparer sei der Eckzinsfuß entscheidend. Vori¬ ges Jahr wurde der von 4 auf 3,75% gesenkt. Vor kurzem wurde der Kapi¬ talmarktzinssatz von 7,5% auf 7,75% erhöht, aber der Eckzinsfuß blieb bei 3,75%. Da hat sogar der Generalse¬ kretär des Verbandes der Landeshy¬ pothekenanstalten erklärt, man hätte auch den Eckzins um Ys" anheben können. Anton Benya: Als der Eckzinsfuß 14 arhcii Wirtschaft 5/86