viele Jahre bei 3% gelegen ist und die Kapitalzinsen bei 8, 9, 10% waren, haben wir verlangt, daß der Eckzins erhöht wird. Dieser wurde auch auf bis zu 5% erhöht. Die Kapitalmarkt¬ zinsen waren dann bei 11 bis 14%. Da konnten aber viele Betriebe nicht mehr mitkommen. Wenn aber Be¬ triebe deswegen in Konkurs gehen, sind auch die Arbeitnehmer davon betroffen. So mußte wieder eine rück¬ läufige Bewegung einsetzen, was mit einer Senkung der Kapitalmarktzin¬ sen auch ein Absinken des Eckzins¬ fußes mit sich brachte. Zum Beispiel arlberg des ÖGB fordert nun seit einiger Zeit, daß jeder Ganztags¬ beschäftigte zumindest 10.000 S brutto im Monat verdienen sollte. Könnte es sein, daß der 11. Kon¬ greß des Gewerkschaftsbundes sich auch mit der Frage Mindestlohn be¬ schäftigt? Anton Benya: Die Lohnpolitik hat, und das ist nicht nur meine Auffas¬ sung, Sache der einzelnen Gewerk¬ schaften in den einzelnen Branchen zu sein. Eine Lohnleitlinie, ganz gleich wer sie vorschlagen möchte, V ß Arbeit bei General Motors Österreich. ist ein möglichst niedriger Kapital¬ marktzins auch für den Wohnbau äu¬ ßerst wichtig. Da aber der Kapital¬ markt doch nicht so ausgestattet ist, wie er sein sollte, mußte der Zinssatz wieder etwas gesteigert werden. Da ist nach Verhandlungen eben dieses viertel Prozent herausgekommen. Zugegeben, man könnte bei jeder Schwankung auch nach Änderung des Eckzinsfußes fragen, aber es gibt letztlich eine Reihe von günstigen Sparmöglichkeiten. Das ist auch eine Frage der Information. Mindestlohn »Arbeit & Wirtschaft«: Eine andere, aber sicher noch wichtigere Einzel¬ frage als der Eckzins. Ein Landtags¬ abgeordneter aus der Steiermark hat in einem Beitrag für die »Furche« un¬ ter anderem festgestellt, Aufgabe der Gewerkschaften könnte es sein, lei¬ denschaftlich für einen Mindestlohn, einen Mindestlohn durch Arbeit ein¬ zutreten. Die Landesexekutive Vor- sollten wir nicht ziehen. Die Betriebe und die Branchen entwickeln sich verschieden, daher muß je nach der Entwicklung auch eine gewisse Be¬ weglichkeitvorhanden sein. Ich kann daher nicht in Vorarlberg sagen, Bruttomindestlohn 10.000 S, wenn es schwache Branchen gibt, die das derzeit noch nicht leisten können, weil ihr Produkt mit dem anderer Länder in Konkurrenz steht. Wenn Produkte aus den sogenannten Nied¬ riglohnländern in die Welt geliefert werden, dann kann Österreich nicht einfach sagen, es muß der und der Betrag gezahlt werden, denn dann wird mancher Betrieb nicht mehr mitkommen. Auf dem Kongreß kann natürlich über diese Dinge diskutiert werden, es wird vielleicht auch einmal über die Frage diskutiert werden, über¬ haupt jedem Menschen Geld zu ge¬ ben, auch wenn er keine Arbeit leisten kann, weil für ihn kein Arbeitsplatz vorhanden ist. Wir werden vor dem Kongreß si¬ cherlich, so wie wir das immer ge¬ macht haben, Arbeitskreise für ver¬ schiedene Bereiche haben. Das ist verständlicherweise Beschäfti¬ gungspolitik, Lohnpolitik, Sozialpoli¬ tik, Kulturpolitik. Die Arbeitskreise werden ausführlich diskutieren und dann dem Kongreß Vorschläge er¬ statten, die die Grundlage des Pro¬ gramms für die nächsten vier Jahre sein werden. Diskutiert wird sicher auch über den Mindestlohn, aber grundsätzlich soll die Lohnpolitik bei der zuständi¬ gen Gewerkschaft bleiben. Man kann sie nicht über einen Leisten schlagen. Das Bild des ÖGB »Arbeit & Wirtschaft«: Wenn wir Schlagzeilen gesehen haben wie »Deutliche Kratzer am Bild des Ge¬ werkschaftsbundes«, so hat das viel¬ leicht vor acht Jahren mit der Volks¬ abstimmung über Zwentendorf be¬ gonnen. Eine Angelegenheit, die sich, so wie Hainburg, anders entwik- kelt hat, als es wiederholte Willens¬ kundgebungen der gewerkschaftli¬ chen Gremien ausdrückten. Da kann sich natürlich auch bei eingefleisch¬ ten Gewerkschaftern eine gewisse Resignation einstellen, denn man kann ja die Menschen nicht zu ihrem Glück zwingen. Anton Benya: Als Gewerkschafter sind wir seit eh und je für umwelt¬ freundliche und billige Energie ein¬ getreten. Wir haben daher den Be¬ schluß der Bundesregierung, und es war eine ÖVP-Alleinregierung, auch in Österreich die Kernenergie für die Stromerzeugung heranzuziehen, durchaus begrüßt, denn es war eine internationale Entwicklung. Wir ha¬ ben auch, als dann unter der SPÖ- Alleinregierung der Bau begonnen wurde, die Sache unterstützt. Es wa¬ ren ja auch beide große Parteien ein¬ hellig dafür. Lange Zeit war das über¬ haupt keine Frage. Erst als es dann von Deutschland herüber eine Ge¬ genbewegung gegeben hat, entstand auch in Österreich eine Anti-Kern- kraft-Bewegung. So kam es schlie߬ lich zur Volksabstimmung von 1978. Was den Gewerkschaftsbund be¬ trifft, ist es nach wie vor schade, daß ein Kraftwerk, das etwa zehn Milliar¬ den und, wenn wir die Folgekosten s/se luHbrit wirisriiafl 15