mumm smmiiäw Gute Wirtschaftswerte Obwohl im April überra¬ schend nochmals der Winter eingebrochen ist und die Frühlingsstimmung trübte, hat bereits der Konjunkturfrühling begonnen: begünstigt durch den sinkenden Ölpreis wurden die Prognosen für das heurige Jahr revidiert. Nach den jüng¬ sten Meldungen des Instituts für Wirtschaftsforschung wird die österreichische Wirt¬ schaft, entgegen ursprüngli¬ chen Annahmen, statt 2,5% heuer um 3,0% wachsen. Dank fallender Importpreise - allein im Feber 1986 verringer¬ ten sich die Warenimporte wertmäßig um 5,6%-wird die inländische Nachfrage stei¬ gen, und auch die Investitio¬ nen sollen heuer kräftig zu¬ nehmen. Die Industrie wird ihre Ausrüstungsinvestitio¬ nen voraussichtlich um 7% steigern. Die österreichische Binnenkonjunktur wird somit kräftige Impulse durch die Öl- preisentlastung verzeichnen. Erfreulich auch die künftige Entwicklung der Verbrau¬ cherpreise: Gerade Öster¬ reich, das traditionell mehr Waren aus dem Ausland be¬ zieht als exportiert, profitiert von der internationalen Preis¬ reduktion. So wird heuer der Verbraucherpreisindex vor¬ aussichtlich nur um 2% stei¬ gen. Ein Vergleich zu früheren Jahren zeigt diesen starken Rückgang: 1981: 6,8% 1982: 5,4% 1983: 3,3% 1984: 5,6% 1985: 3,2% Mit 2,0% wird Österreich wieder zu den preisstabilen Ländern zählen, die großen Industrienationen erwarten heuer eine durchschnittliche Rate von 2,0%. Stabilitätsvor¬ reiter wird heuer voraussicht¬ lich die BRD sein, die, wie es dort bezeichnet wird, „eine Null vor dem Komma" erwar¬ tet, das heißt, sie wird mit etwa 0,5% absoluter »Spitzenrei¬ ter« sein. Angesichts des An¬ teils von 41 % der Importe aus der BRD an den Gesamtim¬ porten Österreichs ist die preisstabilisierende Wirkung auf unser Preisgefüge leicht vorstellbar. 30% unserer Exporte gehen in die BRD, welche heuer ein Wirtschaftswachstum von 4% zu erwarten hat. Die DM-Auf¬ wertung und das Mitziehen des Schillings wird daher auf unseren Export infolge des hohen BRD-Anteils nur ge¬ ringfügige Wirkung haben. Zwar wird ein »Inflations«- Unterschied (deshalb unter Anführungszeichen, weil bei einer Preissteigerung von knapp 2% der Ausdruck »Inflation« nicht recht ange¬ bracht erscheint) sich auch nicht besonders exporthem¬ mend auswirken, da die übri¬ gen wichtigen BRD-Kunden, wie Frankreich, Italien, USA usw., mit Ausnahme Japans, das eine Preiserhöhung von 0,6% erwartet (nach 2,3% 1985), gleich hohe Preissteige¬ rungsraten, wenn nicht sogar etwas höhere als Österreich erwarten, mit der Ausnahme, daß eben die Währungsrela¬ tion sich zugunsten dieser Länder verbessert hat, wäh¬ rend ja Österreich mit der DM mitgezogen ist. Es wird also für Österreich, was den BRD- Markt betrifft, voraussicht¬ lich, trotz höheren Wachs¬ tums in der BRD, nicht zu Marktanteilserhöhungen kom¬ men, aber wir werden unse¬ ren Anteil verteidigen können. Im Export insgesamt sind für heuer die gewohnt hohen Zuwachsraten voraussichtlich nicht zu erwarten: 1984: + 13,5%, 1985: +12,5%, da die Ölpreisreduktion ja auch die Kaufkraft der OPEC-Länder, aber auch die unseres wich¬ tigsten Abnehmers im Osten, der UdSSR, schwächt. So wird angenommen, daß die ölex- portierenden Länder gegen¬ über 1985 ihre Importe aus den Industrieländern um 15% verringern werden. Der Anteil der Exporte Österreichs in OPEC-Staaten beträgt schließlich 6%, jener in die UdSSR etwa 4% an den Gesamtexporten, zusammen somit 10%. Ein 15prozentiger Rückgang bedeutet somit etwa fünf Milliarden Schilling, der auf anderen Märkten aus¬ geglichen werden muß. Fast 5% unserer Exporte gingen in¬ folge des hohen Dollar-Kurses im Vorjahr in die USA, auch hier wird Österreich durch den Dollar-Kursverfall Marktan¬ teilsverluste hinnehmen müs¬ sen. Es ist also nicht unreali¬ stisch, daß trotz höhererWachs- tumserwartungen in den Industrieländern (+3,1 %) die Exportprognose für Österreich im heurigen Jahr von real 7% zu Anfang dieses Jahres auf real +6% reduziert wurde. An dieser Stelle wurde schon mehrmals darauf hin¬ gewiesen, daß Österreich eine breitere Streuung seiner Ex¬ portmärkte benötigt: Der An¬ teil unserer unmittelbaren Nachbarn im Westen und Sü¬ den beträgt überproportional 46% (Italien, Schweiz, BRD), nach Frankreich, England, Belgien, Holland exportieren wir 12% unseres Exportvolu¬ mens und in die skandinavi¬ schen Länder gar nur 4,7%. Nach Spanien und Portugal nur 1,76%. Der stark aufstre¬ bende asiatische Raum nimmt 8,5% unserer Exporte auf, wobei hier allerdings die ölex- portierenden Länder dieses Raumes mit 5,1 % den größten Anteil haben. Der große nord- und südamerikanische Konti¬ nent, zieht man den Anteil der USA ab, nimmt nur 2% unse¬ rer Exporte ab. Es kann aber nicht allein an der mangeln¬ den Konkurrenzfähigkeit be¬ ziehungsweise an den finan¬ ziellen Schwierigkeiten der potentiellen Abnehmer liegen, es liegt auch an der mangeln¬ den Marktbearbeitung. Denn die hohen Anteile unserer Nachbarstaaten machen uns auch stärker von deren Ent¬ wicklung abhängig und eine breitere Streuung wäre not¬ wendig. Aber diese scheitert oft an banalen Dingen, allen voran an fehlender Fremd¬ sprachenkenntnis. Es wäre eine wichtige Aufgabe, um un¬ sere Wirtschaft weltoffener zu gestalten, auch die Ausbil¬ dung auf diesem Gebiet zu verbessern. Der Arbeitsmarkt im März Veränderung Veränderung gegen Vormonat gegen Vorjahr Beschäftigte insgesamt 2,734.863 + 21.069 + 23.649 davon Inländer 2,593.747 + 18.116 + 16.703 davon Ausländer 141.116 + 2.953 + 6.946 Arbeitslose insgesamt 182.097 - 20.258 + 11.447 davon Inländer 169.305 - 19.248 + 10.402 davon Ausländer 12.792 - 1.010 + 1.045 Offene Stellen 23.296 + 1.520 + 1.216 Arbeitslosenrate 6,2% - 0,7 + 0.3 Lehrstellensuchende 3.085 13 359 Offene Lehrstellen 2.418 + 24 + 794 Verbraucherpreisindex Österreich Dezember 2,8%, Jänner 2,9% Feber 2,5%, März 1,8%. Internationale Vergleichswerte (in Prozenten) Dezember Jänner Feber März Deutschland 1,8 1,3 0,7 0,1 Schweiz 3,2 2,2 1,3 0,9 Italien 8,9 8,3 7,6 7,2 Belgien 4,0 3,5 2,5 1.5 Frankreich 4,7 4,2 3,4 3,0 Niederlande 1,7 1,4 1,2 0,7 Großbritannien 5,7 5,6 5,1 - Schweden 5,4 6,0 5,3 4,4 Norwegen 5,4 6,9 6,7 6,1 Dänemark 3,6 2,8 2,1 2,1 USA 3,8 3,9 3,2 - Kanada 4,4 4,4 4,1 4,2 Japan 1,8 1,4 1,8 0,8 s/se aiHbrt Wirtschaft 17