zeugerpreis auszahlen, weil ihr die Kostendifferenz im Weg eines Preis¬ ausgleichsystems vom Milchwirt¬ schaftsfonds ersetzt wird. Gespeist wird der Preisausgleichs¬ topf durch einen Zuschlag zum Trinkmilchpreis. Die Milchtrinker subventionieren also gewissermaßen die Butter- und Käseesser. Das Preis¬ ausgleichssystem ist bereits so kom¬ pliziert geworden, daß es nur noch einer geringen Zahl von Experten voll verständlich ist. Es wäre daher durchaus sinnvoll, Überlegungen an¬ zustellen, wie dieses System verein¬ facht werden kann. Eine völlige Aufgabe des Preisaus¬ gleichs würde zu Lasten der bäuerli¬ chen Produzenten in den Grünland¬ gebieten gehen, da in den am Markt erzielbaren Preisen für Butter und Käse die derzeitigen Erzeugerpreise für die verwendete Milch keine Dek- kung finden würden. Die Eingriffe in das Marktgesche¬ hen durch die Agrarmarktordnung gehen jedoch im Milchbereich noch viel weiter. Den Molkereien sind Ein¬ zugs* und Versorgungsgebiete zu¬ gewiesen. Innerhalb der Einzugsge¬ biete müssen sie die gesamte von den Erzeugern angelieferte Milch über¬ nehmen. Dies sichert den Produzen¬ ten den Absatz, bindet sie aber an den zugeordneten Verarbeitungsbetrieb. Die Molkereien können die angelie¬ ferte Milch nicht nach eigenem Gut¬ dünken verwerten beziehungsweise verarbeiten. Sie sind an Produktions¬ auflagen des Milchwirtschaftsfonds gebunden. Ein Betrieb, derein neues Produkt erzeugen will, braucht dazu also eine Genehmigung des Fonds. Hinter dieser Regelung steht die Überlegung, die Erzeugung be¬ stimmter Produkte auf Schwer¬ punktbetriebe zu konzentrieren, da¬ durch optimale Betriebsgrößen zu er¬ reichen und Transportkosten zu mi¬ nimieren. Dem steht der Nachteil gegenüber, daß die Betriebe an der freien Gestal¬ tung der Produktenpalette zur Nüt¬ zung von Marktchancen gehindert sind. Es sollte überlegt werden, diese Regelungen aufzulockern und den Betrieben einen gewissen Ent¬ scheidungsspielraum zu geben. Das gleiche gilt für die bestehende Beschränkung der Absatzmöglich¬ keiten. Die Betriebe dürfen ihre Pro¬ dukte, ausgenommen Käse und Fruchtjoghurt, nur in den ihnen zu¬ gewiesenen Versorgungsgebieten verkaufen. Auch daraus ergibt sich eine Beschränkung des Wettbewerbs und eine Begrenzung in der Nützung von Marktchancen. Aktuelle Probleme In allen drei der Marktordnung un¬ terliegenden Bereichen hat sich das Ungleichgewicht zwischen Entwick¬ lung der Produktion und der Nach¬ frage in den letzten Jahren verschärft. Die Kosten der Überschußverwertung sind dramatisch angestiegen. Im Jahr 1985 wurden 230.000 Schlachtrinder exportiert, das waren doppelt soviel wie fünf Jahre vorher. Die dafür nötigen Exportstützungen sind in diesem Zeitraum von 677 Mil¬ lionen auf 1,3 Milliarden Schilling pro Jahr angestiegen. Der Angebots¬ druck hat hier allerdings die Entwick¬ lung des Preisniveaus gedämpft, so daß sich günstige Auswirkungen für die Konsumentenpreise ergaben. Immer schwieriger wird die Situa¬ tion bei Getreide. Der Getreidemarkt hatte bisher eine agrarpolitische Schlüsselfunktion. Da für Getreide weitgehende Absatz- und Preisga¬ rantie ohne Mengenbegrenzung be¬ steht, wurde es zum zentralen Über¬ schußventil für den Pflanzenbau. Dies hat zu einer beträchtlichen Produk¬ tionsausweitung geführt. Seit 1970 ist die Ernte von 3,5 auf 5 Millionen Ton¬ nen gestiegen. Seit 1976 werden jährlich steigende Mengen exportiert. Weil dafür immer höhere Exportsubventionen notwen¬ dig sind, wurde seit 1979 eine Mit¬ finanzierungsverpflichtung der Bau¬ ern eingeführt, welche die Hälfte der Subventionserfordernisse abdecken soll. Der jährlich zu exportierende Ge¬ treideüberschuß ist in den letzten vier Jahren von 280.000 auf mehr als 1 Million Tonnen gestiegen. Das ist bereits ein Fünftel der Produktion und entspricht einer Anbaufläche von etwa 200.000 Hektar. Jährlich rechnet man mit einem weiteren 2%igen Produktionszu¬ wachs, das wären 87.000 Tonnen pro Jahr. Durch den Verfall des Dollarkur¬ ses und gleichzeitig sinkende Welt¬ marktpreise ist die Situation im letz¬ ten Jahr besonders prekär geworden. Während in den letzten Jahren im Durchschnitt je Tonne eine Export¬ stützung von 1400 S erforderlich war, etwa ein Drittel des Erzeugerpreises, ist das Stützungserfordernis heuer auf 2800 S je Tonne gestiegen. Der Export der Überschüsse aus der Getreideernte 1985 wird insge¬ samt über 3 Milliarden Schilling an Exportsubventionen erfordern. Die aus Beiträgen der Bauern und aus Bundesmitteln zur Verfügung stehenden Mittel reichen bei weitem nicht mehr aus. Für den Export der Überschüsse aus der Ernte 1985 feh¬ len noch mehr als 1 Milliarde Schil¬ ling, für die Exporte aus der Ernte 1986 voraussichtlich weitere 1,5 Mil¬ liarden Schilling. Diese Finanzierungslücken kön¬ nen nur durch Erschließung zusätzli¬ cher Beiträge der Erzeuger über¬ brückt werden, wobei jedenfalls auch mit einer zusätzlichen Belastung des Bundeshaushalts zu rechnen ist. Der jährliche Milchüberschuß be¬ läuft sich auf 500.000 Tonnen. Das ist rund ein Fünftel der Produktion be¬ ziehungsweise 28% des Inlandsbe¬ darfs. Die seit 1978 eingeführte Kon¬ tingentierung wirkt einem weiteren Produktionsanstieg entgegen. Dennoch ist der Stützungsbedarf für die Exporte stark gestiegen. Wäh¬ rend im Wirtschaftsjahr 1978/79 mit 1,3 Milliarden Schilling das Auslan¬ gen gefunden wurde, sind im Wirt¬ schaftsjahr 1985/86 3,3 Milliarden Schilling erforderlich. Davon zahlen 2 Milliarden Schilling der Bund und 1,3 Milliarden Schilling die Bauern. Ursache dieser Entwicklung ist die steigende Differenz zwischen Welt¬ marktpreis und höherem Inlands¬ preis. Betrug die Exportstützung bis zum Wirtschaftsjahr 1982/83 etwa 3,80 S je Kilogramm (in Form von Milchprodukten) exportierter Milch, so ist sie im Wirtschaftsjahr 1985/86 auf 6,80 S angestiegen. Die Stützung liegt damit bereits um etwa 2 S über dem Preis, den der Milchproduzent erhält. Oder, anders ausgedrückt, aus dem Exporterlös kann nur noch ein Teil der Verarbeitungskosten gedeckt werden. Der Rest und die vollen Roh¬ stoffkosten müssen subventioniert werden. Zunehmende Subventionen Das Ansteigen der Exportstützun¬ gen machte eine starke Erhöhung der Beiträge der Milchproduzenten zur Exportstützung notwendig. Dies führte zu einer Erlösverschlechte¬ rung für die Milchlieferanten und war Ursache der Bauernunruhen in den 5/86 artM^wirtsrhafl 29