vergangenen Monaten. Eine weitere Folge der Entwicklung war ein ver¬ stärktes Ausweichen in den illegalen Direktverkauf ab Hof, der in den letz¬ ten Jahren von jährlich 60.000 auf 200.000 Tonnen anstieg. Für diese Menge fehlen aber die Abgaben der Erzeuger für die Exportstützung und für den Preisausgleich. Diese beiden Problembereiche waren Kernfragen bei den Verhandlungen über die Milchmarktordnung in den letzten Monaten. Es konnten Lösungen ge¬ funden werden, die zu einer Ent¬ spannung der Situation führen sol¬ len. Die Problematik zunehmender Subventionserfordernisse bleibt aber bestehen. Während im Jahr 1982 noch mit kenen Weltmarktpreisen und der produktionsstimulierenden Wirkung von Preiserhöhungen kein Spielraum mehr vorhanden. Dazu kommt, daß bei Milchprodukten die Verbraucher¬ preise in Österreich bereits erheblich höher sind als in der BRD. Da der Export von Agrarprodukten immer schwieriger wird und ständig höhere Subventionen erfordert, wird es notwendig sein, die Produktion stärker dem Inlandsbedarf anzupas¬ sen. Dies gilt insbesondere für den Getreidesektor. Da hier eine Begren¬ zung der Produktion durch Zuteilung von Kontingenten, wie bei der Milch, aus organisatorischen Gründen nicht zielführend ist, werden andere Mög¬ lichkeiten zur Verringerung der Ge¬ treideanbauflächen geprüft werden müssen. Dazu zählen der Anbau von gente von anderen Betrieben kaufen können. Dies kann allmählich zu ei¬ ner Verbesserung der Betriebsstruk¬ tur und der Kostensituation führen. Für den Milchmarkt sollten der Um¬ fang und das Ausmaß der bestehen¬ den Regulierungsmaßnahmen über¬ dacht werden. Kritiker meinen, daß der Milchbereich heute stärker be¬ wirtschaftet ist als in der Nachkriegs¬ zeit. Das schränkt die Dispositionsmög¬ lichkeit der Betriebe ein, anderseits wird ihnen das Marktrisiko weit¬ gehend abgenommen. Eine Verstärkung des Wettbewerbs in diesem Bereich könnte nicht nur zu einer Kostensenkung beitragen, son¬ dern wäre auch Anreiz zur Erweite¬ rung und Verbesserung der Produkt- XI s -- Ar *2« I * v.-JW' t/S __ Milch und Butter erzeugen wir mehr als genug, Öl aus Ölfrüchten zu wenig. insgesamt 2,7 Milliarden Schilling für die Überschußfinanzierung das Aus¬ langen gefunden wurde, werden heuer mehr als 7 Milliarden Schilling erforderlich sein, wovon der Bundes¬ haushalt 4,5 Milliarden Schilling zu tragen hat. Welche Maßnahmen sind denk¬ bar, um zu verhindern, daß der Agrarbereich ein Faß ohne Boden wird? Die Diskussion in der EG zeigt, daß eine Politik, die über den Weg starker Preissenkungen mit entsprechend sinkenden Agrareinkommen zur Ein¬ schränkung der Produktion und da¬ mit Verringerung der Überschüsse führen würde, auf großen politischen Widerstand stößt. Dennoch wird der Preispolitik eine Schlüsselstellung zukommen müs¬ sen. Für Preiserhöhungen ist wegen des hohen Abstandes zu den gesun- Alternativprodukten, wie Eiweißfut¬ termittel und Ölfrüchte, die Erzeu¬ gung schnellwüchsiger Hölzer auf Ackerflächen, die Aufforstung von Grenzertragsböden, aber auch die zeitweise Stillegung von Anbauflä¬ chen. Zur Deckung des erhöhten Sub¬ ventionsbedarfs für die Überschußfi¬ nanzierung von Getreide wurde eine Abgabe auf Düngemittel eingeführt. Eine solche Abgabe ist auch aus öko¬ logischen Gründen sinnvoll, da zum sparsameren Düngemitteleinsatz an¬ geregt wird. Im Bereich der Milchwirtschaft ist vor allem eine Verbesserung der Pro¬ duktionsstruktur anzustreben. Bei den jüngsten Verhandlungen erfolgte eine Weichenstellung in diese Rich¬ tung. Künftig wird es möglich sein, daß Milchproduzenten unter be¬ stimmten Voraussetzungen Kontin¬ palette und könnte zur Erhöhung des Inlandsabsatzes führen. Die Grundkonzeption unserer landwirtschaftlichen Marktordnung stammt noch aus der Zeit der Unter¬ versorgung mit Nahrungsmitteln und enthält daher viele Elemente, die produktionssteigernd wirken. Eine Anpassung an die geänderten Verhältnisse erweist sich daher im¬ mer mehr als notwendig. Wenn auch die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen, daß sich Ver¬ handlungen zur Änderung der Agrarmarktordnung sehr schwierig gestalten, zwingt die Entwicklung der letzten Zeit zu Veränderungen und neuen Weichenstellungen, um zu verhindern, daß das System der Agrarmarktordnung für die Konsu¬ menten zu teuer, für den öffentlichen Haushalt unfinanzierbar und vom gesamtwirtschaftlichen Standpunkt ineffizient wird. 30 arbrit wirtsrittifl 5/86