Kurz//berichtet... Ansonsten gibt es überall Ar¬ beitszeiten, die zum Teil weit unter den in Österreich erreich¬ ten liegen. In der Bundesrepublik Deutschland - immerhin un¬ serem Haupt-Exportpartner - wurde für die Stahlindustrie schon im Juni 1984 die 38- Stunden-Woche erreicht, im Feber 1988 die 36,5-Stunden- Woche. Metallindustrie und Druckereien arbeiten seit April 1988 37,5 Stunden und ab April 1989 37 Stunden. In Dänemark läuft seit 1986 ein Etappenplan, nach dem die Arbeitszeit in der Industrie bis 1991 auf 37 Stunden verkürzt wird, seit 1987 gilt bereits die 38,5-Stunden-Woche. In Norwegens Industrie wird seit 1. Jänner 1987 37,5 Stun¬ den gearbeitet, in den Nieder¬ landen durchschnittlich 38 und in Spaniens Industrie durch¬ schnittlich 39 Stunden. Belgiens Gewerkschaften haben heuer für fast alle Indu¬ striebereiche die 38-Stunden- Woche erreicht, einige Bran- r-fSEBZSSSSK Der libertinistische Freiheitsbegriff Franz Klüber (Professor für christliche Gesellschaftslehre an der Universität Regens¬ burg) interpretiert die »soziale Marktwirtschaft« als Typus des Kapitalismus. »Der Begriff So¬ ziale Marktwirtschaft< ist eine Zweckkonstruktion der politi¬ schen Propaganda mit dem Ziel, die Mißstände des Kapitalismus zu verschleiern und den Status quo zu stabilisieren. Es ist doch einfach nicht wahr, daß die »So¬ ziale Markwirtschaft< größt¬ mögliche Freiheit auf dem Markt gewährt. Das Gegenteil trifft zu. Der libertinistische Frei¬ heitsbegriff des unter dem Deck¬ mantel der »Sozialen Marktwirt¬ schaft« agierenden Kapitalismus führt zur Zerstörung der Frei¬ heit.« (Herwig Büchele: Christ¬ licher Glaube und politische Vernunft, in: »Soziale Brenn¬ punkte. Herausgegeben von der Katholischen Sozialakademie Österreichs«. Europaverlag.) Drei Gehirne Der Mensch hat drei Gehir¬ ne, von denen er gesteuert wird. Den Neokortex, der dem Fernsehen, und das limbische System, das dem Rundfunk entspricht. Das älteste aber ist das Reptilienhirn, zuständig für Herdenbildung, Hierarchien, Kampf und Territorialität. Sollte chen sind bereits bei 37 Stun¬ den angelangt. Seit heuer gilt im öffentli¬ chen Dienst Portugals die 35-Stunden-Woche, wobei die Gewerkschaften sich bemü¬ hen, dies bei ihren Verhandlun¬ gen in der Privatwirtschaft als Vorbild zu nützen. Auch in Griechenland ha¬ ben einige Branchen - die größten sind die Bauwirtschaft, die Werften und die Banken - bereits die 35-Stunden-Woche erreicht. Als einziges Land Westeuro¬ pas hat Frankreich nicht nur auf dem kollektivvertraglichen Sektor die 40-Stunden-Woche unterschritten: in Frankreich ist die 39-Stunden-Woche für alle sogar gesetzlich festgelegt. In Anbetracht dieser Zah¬ len ist die »Angst« der Bundeswirtschaftskammer, Österreich könne bei der Arbeitszeitverkürzung inter¬ national eine Vorreiterrolle spielen, sicher nicht berech- Martina Csapo es gar mit dem dritten oder viel¬ mehr ersten Medium, nämlich der Zeitung, zu tun haben? (Lotte Ingrisch: »Die Relativi¬ tätstheorie des Erfolgs«, in »Start und Aufstieg«, Zeit¬ schrift des Berufsförderungs¬ instituts, 1/1987.) Man Um die Mitte unseres Jahr¬ hunderts hat sich die Eigenart der Autorität geändert. Es ist jetzt keine offene Autorität mehr, sondern eine anonyme, unsichtbare, entfremdete Auto¬ rität. Niemand stellt mehr eine Forderung an uns, weder eine Person noch eine Idee noch ein moralisches Gebot. Den¬ noch gehen wir alle ebenso¬ sehr oder sogar noch mehr mit allen anderen konform, als dies die Menschen in einer durch und durch autoritären Gesell¬ schaft tun würden. Tatsächlich gibt es bei uns keine andere Autorität als das Man. Was aber ist dieses Man? Es ist der Profit, die wirtschaftliche Not¬ wendigkeit, der Markt, der ge¬ sunde Menschenverstand, die öffentliche Meinung, das, was »man« tut, denkt und fühlt. Die¬ se Gesetze der anonymen Au¬ torität sind ebenso unsichtbar wie die Gesetze des Marktes - und genauso unangreifbar. (Erich Fromm: Wege aus einer kranken Gesellschaft. Bücher¬ gilde Gutenberg.) Wie ein grüner Faden zog sich ein Thema durch alle Beiträge auf der Bauwirt¬ schaftstagung der Gewerk¬ schaft der Bau- und Holzar¬ beiter: ohne die klassischen Aufgaben der Bauwirtschaft in Osterreich vernachlässi¬ gen zu wollen, hat für die Bauarbeiter Beschäftigung durch Sanierung der Umwelt absoluten Vorrang. Die Bau¬ wirtschaftstagung, veranstal¬ tet von der Gewerkschaft der Bau- und Holzarbeiter, fand am 6. und 7. September unter dem Motto »Ohne Bauen kei¬ ne Zukunft« im Austria Cen¬ ter Vienna statt. Zahlreiche prominente Referenten - darunter vier Bundesminister und der ÖGB-Präsident - behandelten die Problematik aus ihrer Sicht. An derTagung nahmen rund 500 Betriebsrä¬ te und Gewerkschaftsfunktio¬ näre aus ganz Österreich teil, die in vier Arbeitskreisen über ihre Anliegen berieten. Josef Hesoun, der Vorsitzende der Gewerkschaft Bau-Holz, hielt das Schlußreferat. Da die Ta¬ gung bei Redaktionsschluß dieser Nummer durchgeführt wurde, werden wir in der nächsten Nummer ausführ¬ lich darüber berichten. * Die Gewerkschaft Metall- Bergbau-Energie überreich¬ te in der ersten September¬ woche die Forderungen für 200.000 Beschäftigte der Metallindustrie und des Bergbaus und eröffnete da¬ mit die herbstliche Lohnrun¬ de. Die Gewerkschaft MBE verlangte eine Erhöhung der Ist-Löhne um 4,5% sowie der Mindestlöhne und der Lehrlingsentschädigungen um 6,5% Die Zulagen sollen im gleichen Ausmaß angeho¬ ben werden. Außerdem sollen die Verhandlungen über eine weitere Verkürzung der Ar¬ beitszeit fortgeführt werden. Die nächste Verhandlung wur¬ de für Ende September fest¬ gelegt, der neue Vertrag soll mit 1. November in Kraft tre¬ ten. * Auch die vier Gewerk¬ schaften des öffentlichen Dienstes haben zur gleichen Zeit ihre Forderungen schrift¬ lich deponiert. Die Gewerk¬ schaft Öffentlicher Dienst und die Gewerkschaften der Ge¬ meindebediensteten, der Ei¬ senbahner sowie der Post- und Fernmeldebediensteten haben eine Forderung nach Erhöhung der Löhne, Ge¬ hälter, Nebengebühren und Zulagen um 4,5% erhoben. Erste Verhandlungen darüber wurden ebenfalls für Ende September fixiert. Das Be¬ soldungsabkommen soll am 1. Jänner 1989 in Kraft treten und eine Laufzeit von zwölf Monaten haben. Alvis Kalauner, viele Jahre für die Büchereiabteilung des Österreichischen Gewerk¬ schaftsbundes tätig und seit 1984 deren Leiter sowie lang¬ jähriger Mitarbeiter von A&W, ging kürzlich in Pension. Die Leitung der Büchereiabteilung übernahm Direktor Fritz Fad- ler. Die Büchereiabteilung, sei¬ nerzeit als Zentralstelle für Be¬ triebsbüchereien gegründet, betreut und berät mehr als 450 Büchereien. * Das Berufsförderungsin¬ stitut Kärnten führt seit fünf Jahren in der benachbarten Region Friaul-JulischVenetien Sprachferien durch. Bisher nahmen 160 Kärntner daran teil. * Weiße Fahne in der ÖGB- Lehrwerkstätte Krumpen¬ dorf: Im Rahmen einer klei¬ nen Feier überreichte ÖGB- Landessekretär Gerhard Hau¬ senblas 20 Lehrlingen der ÖGB-Lehrwerkstätte, die ih¬ re Facharbeiterprüfungen durchwegs mit gutem Er¬ folg bestanden hatten, die Lehrabschlußzeugnisse. Ins¬ gesamt wurden in der ÖGB- Lehrwerkstätte für Metallberu¬ fe, die knapp nach Kriegsende gegründet wurde, bisher 700 Facharbeiter in den Lehr¬ berufen Maschinenschlosser, Technischer Zeichner und Werkzeugmaschineur ausge¬ bildet. * Karl Klein, 39, Sekretär der Gewerkschaft der Privatange¬ stellten (GPA), wurde von der Fraktion Christlicher Gewerk¬ schafter als Nachfolger für den im August unerwartet ver¬ storbenen GPA-Zentralsekre- tär Hans Klingler nominiert. Die offizielle Bestellung soll am 24. November im Zentral¬ vorstand der GPA erfolgen.