..Iii snm Abschwächung für heuer prognostiziert Mit dem Lied »The American Dream« besingt einer der Hauptdarsteller in einem mit großem Erfolg in London aufgeführten Musical »Das Mädchen aus Saigon« seine Sehnsucht nach Amerika als Synonym für materiellen Wohlstand und sorgloses Leben. Auch in dem berühmten Bernstein-Musical »West-Side-Story« wird unter dem Titel»I want to be in America« derTraum nach einem sicheren und reichen Leben besungen. Amerika - und eingeschränkt gemeint damit sind ja die USA - ist noch immer ein Land der un¬ begrenzten Möglichkeiten mit ei¬ ner enormen Wirtschaftskraft, und wenn es nicht die strikten Es gibt nur wenige Länder der Erde, die solche Sehnsüchte wie Amerika hervorrufen können, der »amerikanische Traum« ist für viele Völker der Erde zwar uner¬ füllbar, aber er darf geträumt wer¬ den, denn für viele ist es das Land - biblisch gesehen - in dem »Milch und Honig fließen«. Wer die Nachkriegszeit in Öster¬ reich erlebt hat, war ebenfalls vom materiellen Überfluß der amerikanischen Soldaten beein¬ druckt und dachte, daß Amerika das Schlaraffenland schlechthin sei. Einwanderungsbestimmungen gäbe, würden beträchtliche Teile der Weltbevölkerung versuchen, nach Amerika auszuwandern. An Amerika läßt sich viel kritisieren und das Leben ist dort sicherlich nicht so rosig, wie es scheinen mag. Auch Amerika hat wirt¬ schaftliche Probleme: derzeit befindet sich die amerikani¬ Der Arbeitsmarkt im Dezember 1990 Veränderungen Veränderungen gegen Vormonat gegen Vorjahr Beschäftigte insgesamt 2,929.614 - 28.161 + 78.403 davon Inländer 2,668.213 - 33.522 - 3.630 Männer 1,542.540 - 30.797 - 10.723 Frauen 1,125.673 - 2.725 + 7.093 davonAusländer 261.401 + 5.361 + 82.033 Männer 170.760 810 + 59.355 Frauen 90.641 + 6.171 + 22.678 Arbeitslose insgesamt 216.480 + 28.406 + 27.629 davon Inländer 189.786 + 23.947 + 16.809 Männer 110.508 + 33.023 + 6.986 Frauen 79.278 - 9.076 + 9.823 davonAusländer 26.694 + 4.459 + 10.820 Männer 20.193 + 5.836 + 8.338 Frauen 6.501 - 1.377 + 2.482 Offene Stellen 46.576 + 1.399 - 3.426 Arbeitslosenquote 6,9% + 0,9% + 0,7% Lehrstellensuchende 2.256 - 257 + 151 Offene Lehrstellen 12.255 - 1.202 + 2.204 Verbraucherpreisindex Österreich August 3,2%, September 3,7%, Oktober 3,8%, November 3,7%, Dezember 3,5%. internationale Vergleichswerte (in Prozenten) August September Oktober Novembe Dezember Deutschland 2,8 3,0 3,3 3,0 2,8 Schweiz 6,1 6,1 6,4 6,1 5,3 Italien 6,3 6,3 6,2 6,5 6,4 Belgien 3,2 3,7 4,3 4,0 3,5 Frankreich 3,5 3,9 3,8 3,6 3,3 Niederlande 2,4 2,7 2,9 2,8 2,6 Großbritannien 10,6 10,9 10,9 9,7 9,3 Schweden 10,8 11,2 11,0 11,5 - Norwegen 3,8 3,9 4,6 4,5 4,4 Dänemark 2,6 3,1 2,7 2,2 — USA 5,6 6,2 6,3 6,4 6,6 Kanada 4,0 4,2 4,7 5,0 - Japan 2,9 3,0 3,5 4,2 — sche Wirtschaft sogar auf Tal¬ fahrt, der Dollar hat internatio¬ nal stark an Wert verloren, ein riesiges Budgetdefizit belastet die amerikanische Regierung, die Auslandsschulden haben stark zugenommen usw. Doch bei aller Kritik: Es ist ein Land, in dem es sich noch immer gut le¬ ben läßt - wenn man Arbeit hat (wenn nicht, dann sind Zustände möglich, die jenen in der »Dritten Welt« nicht unähnlich sind). Von Energie besonders abhängig Bedenkt man, daß vor nicht langer Zeit für einen Dollar 24 Schilling bezahlt werden mußten und gegen Jahresende 1990 nunmehr 10,40 Schilling, so ist es gar nicht mehr so teuer, sich selbst ein Bild von den USA zu machen. So werden von österreichischen Reisebüros zum Beispiel Wochenaufenthalte mit Flug und Hotel bereits um 13.000 Schilling, also zu einem durchaus erschwinglichen Preis, angeboten. Ist man dort, so fällt sofort auf, daß das Land von Energie mehr abhängig ist als jedes andere Land: enorme Entfernungen, rie¬ sige, auseinandergezogene Städte, benzinfressende Autos, permanent laufende Klimaanla¬ gen, schlecht isolierte Häuser, enorme Abfallberge usw. - nur als Streiflichter erwähnt. Dazu kommt ein Benzinpreis, von dem wir nur träumen können, etwa 4 Schilling pro Liter. Echte Nah¬ versorgung gibt es nur in den Großstädten, ansonsten sind etliche Kilometer zurückzule¬ gen, um die einfachsten Dinge zu kaufen. Die Geschichte des Landes zeigt, daß die wirtschaftliche Entwicklung und die Besiede- lung dieses riesigen Landes erst durch moderne Transportmit¬ tel, zuerst durch die Eisenbahn, dann durch das Auto, möglich war. Manche Gegenden sind nur durch den Einsatz von Energie (wie Kühlung usw.) überhaupt als wohnlich zu be¬ zeichnen (zum Beispiel Las Ve¬ gas mitten in der Wüste) - kurz: Die USA sind ein Land, das sei¬ ne wirtschaftliche Kraft auf die Aufrechterhaltung von Ener¬ gieversorgung aufgebaut hat. Und damit wird auch verständ¬ lich, weshalb Amerika so emp¬ findlich auf Krisensituationen auf den Ölmärkten reagiert. Eine Öl- preiserhöhung beeinflußt den Lebensstandard in den USA weitaus empfindlicher als zum Beispiel in Europa, verteuert aufgrund derTransportkosten Pro¬ dukte weit mehr und hat somit stärkere inflatorischeWirkung. Wenn nun auf eine Rezession noch eine Ölpreiserhöhung trifft (denn die sich im Sommer ab¬ zeichnende Ölkrise war nicht Ursache für die Rezession in den USA), so kann dies auf die ame¬ rikanische Wirtschaft eine zu¬ sätzliche negative Wirkung ha¬ ben, die Arbeitslosigkeit erhö¬ hen (6,1% im Dezember), die Preiserhöhung wird (ohne mög¬ liche Ölpreiserhöhung) für das erste Halbjahr auf 5,4% (nach 4,1% im zweiten Halbjahr 1990) geschätzt. Trotz der starken Ab¬ wertung des Dollars erhöhte sich sogar das Handelsdefizit, ob¬ wohl Abwertung bedeutet, daß Exporte billiger, Importe teurer werden, so daß sich das Handels¬ bilanzdefizit verringern müßte). Weder Schnupfen noch Lungen¬ entzündung? Amerika hat immer noch Flexi¬ bilität bewiesen, allzu große Sor¬ gen müssen wir Europäer uns nicht machen, auch wenn es frü¬ her hieß: hat Amerika Schnup¬ fen, bekommt Europa Lungen¬ entzündung. Die Ölkrise wird in jedem Fall bald vorbei sein, und es ist eher anzunehmen, daß der Ölpreis von derzeit 25 Dollar pro Barrel vielleicht noch kurz anzie¬ hen wird, aber aufgrund des vor¬ handenen Angebots auf 15 Dol¬ lar wieder zurückgehen wird, so daß für die US-Wirtschaft dieses Problem gravierend werden wird. Alle internationalen Wirt¬ schaftsforscher prognostizie¬ ren für heuer gegenüber 1990 eine wirtschaftliche Abschwä¬ chung, in der EG soll das Wach¬ stum von 2,9% auf 1,8% zurück¬ gehen, in den USA von +0,7% auf -0,9%, OECD gesamt von 2,3% auf 1,0% (nur die Länder im fernen Asien, wie Singapur, Ko¬ rea, Taiwan, Japan usw. erwarten eine Steigerung von 1990 mit 4,6% auf 4,8% im Jahr 1991). Aber: alle sind überzeugt, daß der Aufschwung 1992 wie¬ der kommen und sich bis 1995 verstärken wird, also Pessimis¬ mus ist nicht angebracht, zumal Österreich die Rezession gar nicht spüren und sich Aufschwung an Aufschwung reihen wird. Österreich wird sich der inter¬ nationalen Entwicklung nicht ganz entziehen können: so wird heuer die Preissteigerung mit 4,5% den höchstenWert der letz¬ ten sieben Jahre erreichen, ob¬ wohl die Zahl der Arbeitsplätze steigen wird, bleibt die Arbeits¬ losenquote mit 5,5% hoch - daher ist es verständlich, wenn Österreich eine striktere Einwanderungspolitik be¬ treibt als früher, denn für viele Bewohner des Ostens er¬ scheint der »amerikanische Traum« auch in Österreich er¬ füllbar zu sein. 2/91 arbeit Wirtschaft