^FRAUENARBEIT- Studie überArbeitszeit: Die Unterordnung Familiäre Zeitorganisation wird der beruflichen un¬ tergeordnet. Dies ist Ergebnis der Studie »Betrieb¬ liche Arbeitszeit zwischen Wunsch und Wirklich¬ keit«, die von der Abteilung für grundsätzliche An¬ gelegenheiten der Frauen im Sozialministerium in Auftrag gegeben wurde. Auffällig war, daß Männer sich mehr Zeit für Freizeitaktivitäten und Frauen mehr Zeit für die Familie wünschen. Analysiert wurde in Betrie¬ ben (Bereichen), in denen Nacht-, Schicht-, Wochen¬ endarbeit oder Turnusdienst üblich sind. Von der »Haushaltsfront« wird in der Studie nichts Neues gemeldet: Die Hauptlast für Hausarbeit und Kinderbe¬ treuung beziehungsweise Organisation der Kinderbe¬ treuung tragen die Frauen. FRAUENRECHT Männer helfen gelegentlich mit und spielen mit den Kindern. Auch im Akutfall (zum Beispiel bei Krankheit) sind Mütter, Großmütter und dann erst die Väter für die Kinder da. Die These, daß Alleinerzie¬ herinnen nicht mehr Zeitnot, aber größeres Organisations¬ talent haben, stellte sich für die in der Studie Befragten als richtig heraus. Abstieg durch »familiäre Erfordernisse« Die Geburt von Kindern und die damit meist verbundene Unterbrechung der Berufs¬ tätigkeit führt bei Frauen oft zu einem Berufs- beziehungs¬ weise Arbeitsplatzwechsel. Für die meisten der befragten Mütter war damit auch ein be¬ ruflicher Abstieg verbunden; insbesondere dann, wenn die Arbeitszeit den »familiären Erfordernissen« angepaßt wurde - das heißt, wenn die Frau nun Teilzeit arbeitete oder in den Nachtdienst wechselte. Personen mit Regelarbeits¬ zeit und Beschäftigte, die ihre Arbeitszeiten bereits den fa¬ miliären Gegebenheiten an¬ gepaßt hatten, äußerten weni¬ ger Wünsche nach Verände¬ rung der Arbeitszeit. »Es sich miteinander ausmachen können« »Es sich miteinander ausma¬ chen können«, wer wann arbei¬ tet, also ein hohes Maß an Mög¬ lichkeiten der Selbstorganisa¬ tion in einem vorgesehenen Rahmen, wirkt sich laut Studie äußerst positiv auf Arbeitskli¬ ma und subjektive Zufrieden¬ heit der Beschäftigten aus. In der Studie wird daran fest¬ gehalten, daß eine familien¬ freundliche Arbeitszeit vor allem über die Verkürzung der tägli¬ chen Arbeitszeit (auch über Eindämmung von Wochenend-, Nacht- und Schichtarbeit) er¬ reicht werden kann. Gleichzeitig wird in der Studie gewarnt: Es dürfe aber nicht davon ausge¬ gangen werden, daß sich durch eine solche Arbeitszeitverkür¬ zung quasi automatisch die Ver¬ antwortung für Haus- und Fami¬ lienarbeit zwischen Frauen und Männern anders verteilt. AW Pressekonferenz der ÖGB-Frauen: Krank sein is net drin Zu wenig Personal, die Angst vor Verlust des Ar¬ beitsplatzes und Kollegialität spielen mit - es gibt mehr als genug Gründe, daß krank sein oft »net drin is«. Schockierende Ergebnisse der Untersu¬ chung »Arbeitsbedingungen von Frauen in ausge¬ wählten Berufen« präsentierte ÖGB-Frauenvorsit- zende und ÖGB-Vizepräsidentin Irmgard Schmid- leithner vor kurzem auf einer Pressekonferenz. Durchgeführt wurde die Un¬ tersuchung in 18 oberöster¬ reichischen Betrieben. Eine Kassierin in einem Super¬ markt erklärte: »Wenn man im Krankenstand ist, wird man zu Hause angerufen und fast genötigt, doch zur Arbeit zu kommen. Dabei wagt eh nie¬ mand, ohne ernstlichen Grund zu Hause zu bleiben; schon al¬ lein aus Rücksicht auf die Kol¬ leginnen. Wir sind personal¬ mäßig so schwach besetzt, daß - wenn irgendeine fehlt - gleich die anderen herhalten müssen. Weigert man sich, in die Arbeit zu kommen, obwohl man krank geschrieben ist, hat man nur Nachteile ...« So bleiben nur drei Pro¬ zent der berufstätigen Frau¬ en immer zu Hause, wenn sie krank sind. 31 Prozent der Frauen gehen trotz Krankheit immer zur Arbeit, 32 Prozent häufig und 34 Prozent manch¬ mal. Lediglich 14,9 Prozent ga¬ ben an, daß sie völlig gesund sind. Wesentliche Gründe für Krankenstände sollten be¬ denklich stimmen: Viele Kran¬ kenstandstage ergeben sich I I 7 •V schon aus Arbeits- und Ar¬ beitswegunfällen. So ereig¬ neten sich laut Statistik der Allgemeinen Unfallversiche¬ rungsanstalt (AUVA) 1991 186.000 Arbeitsunfälle (348 davon waren tödlich) und 18.304 Arbeitswegunfälle (136 verliefen tödlich). Von den 470.000 Kran¬ kenstandsfällen aufgrund von Unfällen entfielen 47 Prozent auf Arbeits¬ unfälle und vier Pro¬ zent auf Arbeitsweg¬ unfälle. Schmidleith- ner: »Und das bedeu¬ tet, daß 51 Prozent der Unfallkranken¬ stände auf die Ar¬ beitswelt zurückzu¬ führen sind.« Todesfälle durch Berufskrank¬ heiten 17 Personen star¬ ben 1991 an den Fol¬ gen einer Berufs¬ krankheit. Fast die Hälfte der Berufs¬ krankheiten (932 Fäl¬ le) entfiel auf Schwer¬ hörigkeit, die durch Lärm am Arbeitsplatz verursacht wur¬ de, und ein Drittel (665 Fälle) waren Hauterkrankungen. Als Folge von Arbeitsunfäl¬ len und Berufskrankheiten fal¬ len volkswirtschaftliche Kosten an, wie zum Beispiel Heilbe¬ handlung und Rehabilitation der Opfer sowie Produktions¬ ausfall. Nach Berechnungen 32 arlxil Wirtschaft 3/93