im Ausmaß von 2,3 Milliarden Schilling wirkten auch die Ein¬ sparungen bei den Zinsenzah¬ lungen für die Finanzschuld. Ausschlaggebend dafür war das sinkende Zinsniveau. Die Ausgaben des Budgets 1993 lagen um 11,3 Milliarden Schilling über dem Voran¬ schlag. Etwa drei Milliarden Schilling davon entfallen auf Überschreitungen bei den Per¬ bedingte Anstieg der Arbeitslo¬ sigkeit. Höhere Ausgaben fielen auch beim Familienlastenaus- gleichsfonds an: 3,2 Milliarden Schilling infolge der Änderung des Auszahlungsverfahrens bei den Familienbeihilfen, 0,5 Mil¬ liarden Schilling bei den Schülerfreifahrten, 0,9 Milliar¬ den Schilling bei den Pensions¬ beiträgen für das Karenzur¬ laubsgeld. Die Überweisungen SN Bei den ÖBB waren erhebliche Einnahmenausfälle zu verzeichnen (-3,7 Milliarden Schilling) % Die Zahl der Pensionsempfänger ist gestiegen sonalausgaben, die darauf zurückzuführen sind, daß der Lohnabschluß zu diesem Zeit¬ punkt nicht bekannt war und daher nicht in voller Höhe bud- getiert wurde. Eine weitere Ur¬ sache ist der Anstieg der Pen¬ sionsempfänger und der Ne¬ bengebühren. Letzterer war deutlich stärker als der der allge¬ meinen Lohnerhöhung. Über¬ durchschnittlich stark war auch der Anstieg des Personalauf¬ wandes für die Landeslehrer. Sozialbereich Besonders hoch fielen die Mehrausgaben im Sozialbe¬ reich, insbesondere in der Ar¬ beitslosenversicherung aus (6,6 Milliarden Schilling). Die Ur¬ sache dafür ist der konjunktur- an die Arbeitsmarktverwaltung waren hingegen um über 3 Mil¬ liarden Schilling niedriger. In der Pensionsversicherung kam es zu Mehrausgaben von über 2 Milliarden Schilling für die Ausgleichszulagen und für Überweisungen an die Sozial¬ versicherungsanstalten der Bau¬ ern und Gewerbetreibenden. Dadurch, daß im Budget¬ vollzug des Vorjahres die kon¬ junkturbedingten Einnahmen¬ ausfälle und Mehrausgaben (automatische Stabilisatoren) zugelassen wurden, hat das Budget zur Verhinderung eines noch stärkeren Konjunkturein¬ bruches beigetragen. Dadurch können etwa zwei Drittel des Defizitanstieges von 64 auf über 98 Milliarden Schilling er¬ klärt werden. SEITENBISSE Der Weitblick des Adlers Hübsche Frauen, denen auf der Straße ein murmelnder Mann folgt, sportlich braun¬ gebrannt, randlose Brille mit zarter Goldfassung, der Gang federnd oder fast raub- katzenartig, wissen es längst aus Erfahrung: Der Mann hat keineswegs die Absicht, ei¬ nen Straßenflirt einzuleiten, sondern spricht in sein Hand¬ telefon. Und die Anweisun¬ gen, die er auf diese Art wei¬ tergibt, sind aus jenem Stoff, der die Wirtschaftswelt ver¬ ändert, manchmal sogar aus den Angeln hebt: »Hong¬ kong-Aktien abstoßen, Sin- gapur-Papiere kaufen. Auf kanadisches Holz konzen¬ trieren, chinesische Räu¬ cherstäbchen schwelen las¬ sen.« Große Industrielle haben den Weitblick des Adlers, scharf, kühn, gipfelstürmend. Mit ei¬ nem Auge beobachtet der In¬ dustrie-Adler seine Monats¬ bilanz, mit dem anderen die Bilanzen der weltweiten Kon¬ kurrenz. Das Gehirn des In¬ dustriellen gleicht einem Großrechner, der synchron in zehn verschiedenen Währungen rechnet. Der Kurs, dem der Industrielle unbeirrt folgt, ist der Börsen¬ kurs. Entsprechend kühn sind auch die Strategien, die er verfolgt. Arbeitszeitverkür¬ zung mit Lohnabstrichen ist der letzte Schrei. 4-Tage- Woche plus Wochenend¬ schicht, die Maschinen müs¬ sen laufen und laufen. Über¬ zeugend. Oder doch nicht? Denn schon springt der zweite In¬ dustrielle in den Ring, hohn¬ lachend, denn seine Strate¬ gie ist noch kühner: Nichts da mit kürzerer Arbeitszeit, heißt die Maxime, ganz im Gegen¬ teil: Länger arbeiten ist ange¬ sagt. Weg mit den überflüssi¬ gen Feiertagen, Ostern und Weihnachten kann auch ge¬ meinsam gefeiert werden. Weihnachtsmänner lassen sich mit geringem Aufwand mit Hasenohren ausstatten. Überzeugend. Hier allerdings beginnt der geübte Beobachter in dump¬ fes Grübeln zu verfallen: Länger arbeiten, kürzer ar¬ beiten, wie paßt das zusam¬ men? Kann es wirklich sein, daß die Adler in Wirklichkeit gar keine Strategie haben? Daß sie gar nicht die kühnen Adler sind, sondern einfache Hühner, die rat- und kopflos im Hühnerhof durcheinan¬ derlaufen? Das darf doch einfach nicht wahr sein, daß unsere Illusio¬ nen plötzlich wie Seifenbla¬ sen zerplatzen. Schade, daß wir über dieses Thema nicht weiter nachdenken können. Denn unser Handtelefon läu¬ tet. Zeit, unsere heutigen Direktiven weiterzugeben. Also: Hongkong abstoßen. China weiter beobachten. w. b. Neben den automatischen Stabilisatoren ergriff der Bund aber auch eine Reihe von kon¬ junkturstützenden Maßnah¬ men im Bereich der Investiti¬ onsförderung. Das Familienpa¬ ket 1993, das auf ein Erkennt¬ nis des Verfassungsgerichtsho¬ fes hin beschlossen wurde und zu einer Erhöhung der Kinder- absetzbeträge führte, wirkte ebenfalls konjunkturstützend. Insgesamt dürfte damit das Budget 1993 konjunkturstabi¬ lisierend gewirkt haben. Da wir aber mit dem Budgetergebnis 1993 doch sehr deutlich vom Konsolidierungskurs abgekom¬ men sind, wären Analysen, die sich mit den Abweichungen vom geplanten Budget aus¬ einandersetzen, dringend erfor¬ derlich. Bruno Roßmann 5/94 urteil Wirtschaft 15