VOR 20 JAHREN Anreisemöglichkeit, Infrastruk¬ tur usw. die wichtigen Kriteri¬ en. Der Urlaubsgast der 80er und 90er Jahre orientiert sich in seiner Urlaubsentscheidung immer mehr an seinen persönli¬ chen Neigungen. Damit wer¬ den zusätzliche Angebote und Gästebetreuung immer wichti¬ ger. Für den Arbeitnehmer liegt die Qualität in der Möglichkeit, mit der Familie Zusammensein zu können und sich von der Be¬ lastung der Arbeit erholen zu können. Aufgrund der Be¬ schränkung durch das Einkom¬ men wird er nur dann als Gast im eigenen Land in Frage kom¬ men, wenn der Qualitätsbegriff aufallen Ebenen Gültigkeit hat. Für die im Hotel- und Gastge¬ werbe beschäftigten Arbeitneh¬ mer ist die Situation insoferne / Löy schwierig, als sie durch ihre Branchenkenntnisse sehr kri¬ tisch, durch die zeitliche Ein¬ schränkung ihrer Urlaubsmög¬ lichkeiten jedoch zusätzlich be¬ nachteiligt sind. Abfertigungskasse Primäre konkrete Maßnah¬ me aus der Sicht der Bundesar¬ beitskammer im Interesse der Arbeitnehmer ist mittelfristig vor allem die Installierung einer Abfertigungskasse, die einen Anreiz für einen längeren Ver¬ bleib der einzelnen Beschäftig¬ ten in der Branche bieten kann. Mit der zu erwartenden Verlän¬ gerung der Beschäftigungsdau¬ er in der Tourismusbranche kann auch die Ausbildung wei¬ ter verbessert und können vor allem Erfahrungen an Jüngere weitergegeben werden. Damit kann in der Gesamtheit das Niveau in den einzelnen Berei¬ chen erheblich verbessert wer¬ den. Nur mit erfahrenen Ar¬ beitskräften kann es zu einer qualitativen Hebung des Ange¬ botsstandards kommen. Auch der Bundeskanzler stellte in diesem Zusammen¬ hang fest, daß zur Arbeitsqua¬ lität für die im Tourismus Be¬ schäftigten neben der Art der Arbeit, der Arbeitsinhalte, der Ausstattung der Arbeitsplätze und der zeidichen Verteilung der Arbeit auch die Lösung je¬ ner Fragen gehöre, die mit der berufsbedingt hohen Mobilität zusammenhängen. Die er¬ wünschte Mobilitätsbereit¬ schaft dürfe keine individuellen Nachteile im sozialen Bereich, etwa bei der Abfertigung, nach sich ziehen. Zusammenfassung und weitere Aktivitäten Die aufgeworfenen Fragen und Probleme sowie die ge¬ machten Vorschläge werden in einer ausführlichen Dokumen¬ tation der Veranstaltung veröf¬ fentlicht und allen Interessier¬ ten zugänglich gemacht wer¬ den, so daß sie als Basis für wei¬ tere Diskussionen und Lösungs¬ vorschläge dienen können. Hiebei wird aber auch zu berücksichtigen sein, daß die ständige Ausweitung des Tou¬ rismus zu erheblichen Belastun¬ gen für Bevölkerung und Um¬ welt geführt hat. Da in einzel¬ nen Alpenregionen Österreichs das Tourismuswachstum be¬ reits seine Grenzen erreicht hat, müssen in verstärktem Maße Steuerungs- und Lenkungsme¬ chanismen eingesetzt werden, damit in strukturschwachen Regionen Wachstum forciert, in bereits überlasteten Regio¬ nen des alpinen Raums jedoch Kapazitäten wieder zurückge¬ nommen werden können. Durch örtliche und überörtli¬ che Raumplanung sowie die Neuorientierung der Fremden¬ verkehrsförderung sollen neue Entwicklungsschwerpunkte ge¬ schaffen werden. Qualitätstourismus ist zu¬ gleich auch umweltfreundlicher Tourismus, daher sollen in Zu¬ kunft auch Maßnahmen geför¬ dert werden, die eine Redukti¬ on des Autoverkehrs in Touris¬ musregionen bewirken. Geför¬ dert soll weiters auch die um- arhoirWirtschaft ARBEITERKAMMERWAHLEN 19»EINE VORSCHAU Im Maiheft 1974 von »Arbeit & Wirtschaft« gab der damalige Direktor der Wiener Arbeiter¬ kammer, Otto Scheer, eine » Vorschau auf die Arbeiterkam- merwahlen 1974«: »Nur bei Nationalratswahlen und bei Bundespräsidenten¬ wahlen werden mehr Österrei¬ cher zu den Wahlurnen gerufen als bei Arbeiterkammerwahlen, aber was die Wahlbeteiligung betrifft, so liegen diese, sportlich gesprochen, höchstens im Mit¬ telfeld.« Mit Fragen der kommerziellen Werbung setzte sich Edith Zim¬ mermann in einem Beitag unter dem Titel »Schrankenlose Wer¬ bung?« auseinander, in dem sie damals feststellte, daß schwin¬ dende Rohstoff- und Energie¬ reserven zusammen mit dem rapid anwachsenden Problem der Abfallbeseitigung eines Ta¬ ges auch in der Werbung die Umstellung vom Denken im Quantitätsmaßstab zum Qua¬ litätsdenken erzwingen werden. Eine Voraussage, die inzwi¬ schen schon eingetreten ist, weltfreundliche An- und Abrei¬ se mit öffentlichen Verkehrs¬ mitteln werden. Zur Verbesserung der Situa¬ tion der Arbeitnehmer in der Branche steht die bereits er¬ wähnte Installierung einer Ab¬ fertigungskasse im Vorder¬ grund. Ein diesbezügliches Konzept liegt bereits vor und soll in Kürze auf Sozialpartner¬ ebene erörtert werden. Auch im Bereich derArbeits¬ zeit und der Ausbildung sollen Verbesserungen erarbeitet wer¬ den. So wäre beispielsweise die Einführung eines Flächenberu¬ fes mit dem Ersatz der Lehrab- wenn man die Werbung mit um¬ weltverträglichen Produkten be¬ trachtet. In dem Beitrag »Die Organisati¬ on der Betriebsvertretung« sah Karl Dirschmidt von der sozial¬ politischen Abteilung der Wie¬ ner Arbeiterkammer die wesent¬ liche Funktion der neuen Ar¬ beitsverfassung in der Aufgabe, die natürlichen Gegensätze im Betrieb in geordneten Bahnen auszutragen. Ein Beitrag des damaligen ÖGB-Bildungsreferenten Josef Eksl befaßte sich mit einem Buch von Lorenz Stucki »Lob der schöpferischen Faulheit«: »In der kapitalistischen Gesell¬ schaft ist die Arbeit die Ursache des geistigen Verkommens und der körperlichen Verunstal¬ tung«, hieß es 1887 in der Schrift »Das Recht auf Faul¬ heit« von Paul Lafargue, dem Schwiegersohn von Karl Marx. »Die Verkürzung der Arbeits¬ zeit, erkämpf durch die Arbeiter¬ bewegung, und eine gewisse materielle Sicherheit haben erst der großen Masse der arbeiten¬ den Menschen die Vorausset¬ zung gebracht, daß die Arbeiter und Angestellten Zeit finden, am geistigen und kulturellen Leben der Gesellschaft teilzunehmen.« In einem Beitrag über Äthiopien und Haile Selassie, »Der alte Mann von Addis Abeba«, weist Otto Fielhauer auf den helden¬ haften Verteidigungskampf der »Bloßfüßigen« gegen den fa¬ schistischen Aggressor Italien hin und sagt voraus, daß Äthio¬ pien bald, wie viele andere afri¬ kanischen Staaten, ein Militär¬ regime haben wird. Schlußprüfung in den Lehrbe¬ rufen Koch und Kellner ein wichtiger Schritt in Richtung einer qualitativen Verbesse¬ rung, erhöhten Flexibilität und Mobilität derArbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt. Mit der schrittweisen Reali¬ sierung dieser nur beispielhaft angeführten Maßnahmen sol¬ len spürbare Verbesserungen für die Arbeitnehmer verwirk¬ licht werden, die eine wichtige Voraussetzung für eine ver¬ nünftige Entwicklung in Rich¬ tung Qualitätstourismus dar¬ stellen. GerhardSeidlmann/ BerhardEngleder 5/94 iirbcit »IrlM-luifl 17