AUS ARBEITERKAMMERN UND GEWERKSCHAFTEN Weiterbildung - ein Luxusgut Lebenslanges Lernen wird allmählich zur wichtigsten Voraus¬ setzung für beruflichen Erfolg und wirtschaftliche Sicherheit. Denn nur, wer flexibel genug ist, um seine Kenntnisse und Fertigkeiten auf den letzten Stand zu bringen, kann den Erfordernissen des Arbeitsmarktes gerecht werden. Der Bereich Kurse hat im Warenkorb die höchste Preis¬ steigerung... Was dabei zählt, ist aller¬ dings mehr als nur der gute Wille. Auch die Weiterbil¬ dungsmöglichkeiten müssen perfekt sein und sollten jedem offen stehen, der davon Ge¬ brauch machen möchte. Hier zeigt sich aber, daß es in Osterreich nicht einfach ist, Zugang zur Weiterbildung zu finden. Der ÖGB-Bildungs- sekretär Franz Josef Lackinger bezeichnete ihn sogar als re¬ gelrechten Hürdenlauf und li¬ stete die größten Mängel auf: • Fehlende Zeit beziehungs¬ weise ungünstige Zeitbedin¬ gungen der Arbeitnehmerin¬ nen und Arbeitnehmer: 60 Prozent haben atypische Ar¬ beitszeiten; in Osterreich gibt es im Unterschied zu vielen anderen europäischen Län¬ dern keine Bildungsfreistel- lung. • Im innerbetrieblichen Schu¬ lungswesen sind Facharbeiter sowie un- und angelernte Kräfte klar benachteiligt. # Regionale Zugangsbarrie¬ ren: Während in den 70er und 80er Jahren das Schulwe¬ sen flächendeckend ausgebaut wurde, sind einigermaßen umfassende Weiterbildungs¬ möglichkeiten nur in Bal¬ lungszentren vorhanden. # Fehlende Information über die Angebote, da es keine funktionierende Gesamtschau gibt. # Zu geringe öffentliche För¬ derung der Weiterbildung, wodurch der Preis praktisch »zu Marktbedingungen« ent¬ steht. Dazu Lackinger: »Dadurch hat im November 1994 der Bereich Kurse im Verbrau¬ cherpreisindex 1986 die höchste Preissteigerung aller im Warenkorb vertretenen Waren aufgewiesen. Während der Gesamtindex 126,0 betra¬ gen hat, stand der Index für die Weiterbildung bei 186,8. Weiterbildung ist also zum Luxusgut geworden.« Durch diese Mißstände kommen gerade jene, deren Bedarf an Weiterbildung am größten ist, am schwersten an die bestehenden Möglichkei¬ ten heran. Beweis dafür ist die Tatsache, daß laut Statistik je¬ der zweite Arbeitslose nur über einen Pflichtschulab¬ schluß verfügt. Die Forderun¬ gen des ÖGB zielen daraufab, den Teufelskreis zwischen Bil¬ dungsdefizit und Arbeitslosig¬ keit zu durchbrechen. Etwa durch den Ausbau der aktiven Arbeitsmarktpolitik; durch Bildungsfreistellung für alle Arbeitnehmerinnen und Ar¬ beitnehmer in Zusammen¬ hang mit weiteren Schritten bei der Arbeitszeitverkürzung; und durch die Integration der Weiterbildung in das Gesamt¬ bildungssystem. ÖGB: Elektronisches System ausgebaut Seit kurzem ist der ÖGB weltweit verkabelt: Der Einstieg ins »World Wide Web«, ein internationales elektronisches Informa¬ tionssystem, eröffnet zeitgemäße Kommunikationsmöglich¬ keiten, die allen Mitgliedern zugute kommen werden. Beispielsweise kann jetzt jeder, der mit seiner Unter¬ schrift die »Aktion Fairness« unterstützen will, auch via In¬ ternet agieren. Voraussetzun¬ gen sind lediglich ein Perso¬ nalcomputer mit Modem und ein Internetzugang, wie er beispielsweise über einen ganzen Telefonanschluß mög¬ lich ist. Interessierte, die die Homepage des ÖGB anrufen, können dort die aktuellen Pressemeldungen einsehen; sie erhalten Informationen über die einzelnen Gewerk¬ schaften, können die Leser¬ briefecke abrufen oder Mate¬ rial anfordern. Bisher haben innerhalb eines Monats rund 2600 Personen vom neuen Angebot Gebrauch gemacht, und die Kontakte kamen zum Teil aus den entlegensten Winkeln der Erde. Für die nächste Zukunft ist ein weite¬ rer Ausbau des elektronischen Netzes und des Serviceange¬ bots geplant. »A schöne Leich'« Frieden ist vor allem eine Frage der sozialen Entwicklung und der sozialen Standards eines Staates: so der Tenor einer Diskussion, an der namhafte Vertreter der österreichischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite teilnahmen. ÖGB-Präsident Verzet- nitsch betonte, wie wichtig es sei, beim derzeitigen Ringen um die Europäische Wäh¬ rungsunion an bestimmte Sta¬ bilitätskriterien zu denken. Und damit sei in erster Linie eine niedere Arbeitslosenrate gemeint. Denn eine harte Währung, begleitet von hoher Arbeitslosigkeit, sei wie »eine schöne Leich', die zwar finan¬ zierbar, aber doch eine schöne Leich' ist«. Der einzig wirksa¬ me Garant für den Frieden sei eine positive soziale Entwick¬ lung. Deshalb sei gerade heute die Zusammenarbeit zwischen Regierung, Arbeitnehmern und Arbeitgebern wichtiger denn je. Und zwar aufeuropäi¬ scher und aufglobaler Ebene. 2/96 arbeit wirtsrhaft 5