sfctwzm SEITENBISSE Very bedeutsam Beim Heurigen. An jenem Ort, an dem die Konturen der fernen Kalksburg noch igno¬ riert werden. An jenem Ort, der von den Engeln im Him¬ mel Tag und Nacht obser¬ viert wird. 1. Gast: Heute möcht ich mit Ihnen ein philosophisches Problem diskutieren, und ich packe des Pudels Kern gleich beim Schopf: Woran erkennt man einen bedeu¬ tenden Menschen, ich meine einen, der very, very bedeut¬ sam ist? 2. Gast: Sehr philosophisch, sehr doppelgründig. Ich wür¬ de sagen: an seinen Titeln. (Laut): Oh, Grüß Gott, H§rr Doktor, wieder einmal auf ein Plauscherl mit Herrn Hofrat? Ich sage ja immer: In vino very Spaß, wie es die alten Römer beim Heurigen so trefflich formuliert haben. 1. Gast: Das ist mir zu ein fach. Es hat große Erfinde gegeben, die hatten über haupt keinen Titel. Außer dem geht ein großer Erfinde nicht mit einer Tafel spazie¬ ren, auf der steht: »Ich habe die Mausefalle erfunden.« 2. Gast: Da muß ich Ihnen zögerlich beipflichten. Die Bedeutsamkeit muß ja nicht äußerlich sichtbar sein, den¬ ken Sie nur an den Mann mit der großen Nase, der inner¬ lich eine unheimliche Tiefe hatte wie ein Brunnen. Ein Brunnen mit Nase, würde ich formulieren. 1. Gast: Also, damit wir heute noch nach Hause kommen, werde ich Ihnen meine Er¬ kenntnis anbieten: Bedeut¬ samkeit erkennt man daran, daß der Bedeutsame ein Handy trägt wie ein heiliger seinen Heiligenschein. Das Handy ist der Strahlenkranz der Bedeutsamen. 2. Gast: Na ja, so habe ich diese Dimension noch gar nicht betrachtet. Eigentlich habe ich bis jetzt geglaubt, ein Handybesitzer ist eine Person, die sich keine Se¬ kretärin leisten kann. 1. Gast: Weil Sie eben histo¬ risch unbeleckt sind. Das Handy von früher war die De¬ pesche. Denken Sie an den General, dem der Ober im Kaffeehaus eine Depesche brachte und sagte: »Maje¬ stät, der Kaiser, läßt fragen, ob Sie ihn über den nächsten Krieg beraten könnten, aber es tät pressieren.« Und der General sagte laut: »Der Krieg kann warten, bis ich meinen Kaffee ausgetrunken habe.« 2. Gast (das Handy läutet): Uii, Ihr Handy klingelt. 1. Gast: Und ich genieße die Spannung: Wird es mein Ge¬ neraldirektor sein, der Bun¬ deskanzler oder gar Rom? (Hebt ab.) Ja. Ah, du bist es, Mausi? Was tropft in der Ba¬ dewanne? Aha, der Wasser¬ hahn. Ich bin gleich daheim, Mausi, nur mehr ein paar Un¬ terschriften unter ganz bri¬ sante Akten. Wiedersehen, Mausi. Wiedersehen, Herr Nachbar. NS: In Österreich wurden bisher rund zehntausend Handyatrappen verkauft. Man kann mit ihnen weder reden noch hören. Ihrem Er¬ finder verleihen wir gerne das Prädikat »very bedeu¬ tend«. Winfried Bruckner Vorschau Im Märzheft von »Arbeit & Wirtschaft« wird unter dem Titel »Wichtige Arbeit in aller Stille« erklärt, wie die Aus¬ schüsse der Arbeiterkammern funktionieren. Ein weiterer Beitrag behandelt den »Europäischen Sozialfonds«. Redaktionsschluß Manuskripte für das Aprilheft müssen bis spätestens 26. Feber in der Redaktion einlangen. Redaktionsschluß fiir das Maiheft ist der 26. März und fiir das Juniheft der 23. April. Manuskripte fiir die Doppelnummer Juli/August müssen bis spätestens 22. Mai in der Redaktion eintreffen. • • • * »1 * • Neue Formen der Arbeit Mit neuen Formen der Arbeit setzte sich eine Veranstaltung des Bildungsforums Steiermark (ÖGB, AK und BFI) im November 1995 in Graz auseinander. Im Mittelpunkt der Ta¬ gung standen die zunehmen¬ de Arbeitslosigkeit in Europa und Veränderungen in der Arbeitswelt durch Internatio- nalisierung, massiven Wettbe¬ werb und Rationalisierung. Der neue steirische AK-Präsi¬ dent Walter Rotschädl be¬ grüßte dazu als Referenten Mag. Rudolf Moser (AK Oberösterreich), Dr. Jörg Flecker (FORBA, Wien), Dr. Peter Samlicki (AK Steier¬ mark) und Prof. Dr. Birgit Mahnkopfvon der Fachhoch¬ schule für Wirtschaft, Berlin. Die Referentin sprach sich für die Annäherung europäischer Großregionen durch beglei¬ tende politische und soziale Integration aus, wobei die In¬ teressenvertretungen der Ar¬ beitnehmer ihrer Meinung nach eine aktive Rolle zu übernehmen haben. Monetä¬ re Konvergenzkriterien wie die Höhe von Haushaltsdefi¬ ziten, Staatsverschuldung, In¬ flationsraten, langfristigen Zinsniveaus oder Wechsel¬ kursen sind durch soziale und ökologische Konvergenzkrite¬ rien zu ergänzen oder ganz zu ersetzen. Gleichermaßen wichtig wäre eine Kontrolle der Kapitalbewegungen von und nach Drittländern, die steuerliche Erfassung von An¬ lagekapital und insbesondere eine Steuer auf spekulative Fi¬ nanzbewegungen sowie ein Verbot von Finanztransaktio¬ nen in »Steuerparadiese« vor allem innerhalb der Europäi¬ schen Union. Für eine nicht¬ regressive Bewältigung der Ar¬ beitsmarktkrise ist eine aktive Umverteilungspolitik heute unabdingbar, meinte Prof. Mahnkopf abschließend. Weitere Schwerpunkte in der den Referaten folgenden Dis¬ kussion: Im Übergang zur so¬ genannten Informationsge¬ sellschaft ergeben sich Proble¬ me der Umorganisation und Birgit Mahnkopf Neuverteilung von Arbeit und Arbeitszeit, Arbeitsmärkte schrumpfen bzw. segmentie¬ ren sich. Der strukturell am wenigsten verstandene und ebensowenig bewältigbare Wandel besteht darin, daß es einerseits offensichtlich im¬ mer mehr Arbeit, andererseits aber immer weniger Arbeits¬ plätze und bezahlte Lohnar¬ beit gibt. Neue Formen von Selbständigkeit, zunehmende Bedeutung von Informations¬ dienstleistungen und Telear- beit erscheinen manchen als Rettungsanker gegen den Verlust von Arbeit und Ein¬ kommen. Neue Unterneh¬ menskonzepte gehen in Rich¬ tung »schlanker« Betriebe, verstärkt durch Prozesse des »business reengineering« oder Qualitätsmanagements nach ISO 9000 ff. oder »betriebsge¬ strickter« Konzepte. Die Ori¬ entierung am Kunden sowie die Kombination fachlicher mit problemlösender und so¬ zialer Kompetenz als An¬ spruch an »moderne Arbeit¬ nehmer« gewinnen an Bedeu¬ tung. Traditionelle Lohnan¬ reizsysteme mit ihren Mu¬ stern der systematischen und kontrollierten Datenermitt¬ lung geraten damit an Gren¬ zen. ÖGB undAK Steiermark haben gemeinsam mit Be¬ triebsräten in den Vorträgen 6 arbt-ii wirtsriuift 2/96 < IS» A