exakt gleich schnell und in exakt den gleichen Sektoren wie im übrigen West¬ europa auch. Darin spiegelt sich der Ra¬ tionalisierungsdruck und die Auslage¬ rung, vor allem von wirtschaftsnahen Dienstleistungen. Dort sind Arbeits¬ plätze entstanden. Ich möchte hier gleich anmerken, daß ich nicht den Rückgang der industriellen Arbeitsplät¬ ze für österreichspezifisch halte, sondern die vielfach mangelnde Internationalität und Differenziertheit der wirtschaftsna¬ hen Dienstleistungen in Osterreich. Hier müßten wir ein möglicherweise für den Arbeitsmarkt entscheidendes Be¬ schäftigungspotential aktivieren. Unbequeme Anpassung Halten wir schließlich auch noch fest, daß es nicht überraschend kommen kann, wenn als Folge der Integration und der Ostöffnung überall im Land teilweise unbequeme Strukturanpassun¬ gen erzwungen werden. Nur wer geglaubt hat, • daß wir über eine vollständig weltof¬ fene Wirtschaft bereits vor dem EU-Bei¬ tritt verfügten, • daß uns die EU, sollte dennoch etwas zu tun sein, dies schon abnehmen wer¬ de, • die positiven Effekte der Teilnahme am Binnenmarkt am 6. Dezember 1995 vollständig zu bilanzieren wären, könnte enttäuscht werden. Leider hat die öf¬ fentliche Diskussion vor dem Beitritt solch unrealistische Ansichten genährt. In Wirklichkeit sind wir in einen sehr breiten strukturellen Anpassungsprozeß eingetreten, der uns auch nicht erspart geblieben wäre, wären wir Nichtmit- glied der EU und hätten wir versucht, die Ostöffnung zu verzögern. Dann wäre er später mit wahrscheinlich viel fa¬ taleren Folgen über uns hereingebro¬ chen. Erfaßt davon sind weite Teile der Landwirtschaft, der Nahrungsmittelver¬ arbeitung, der Niedriglohnindustrien, der ausschließlich auf den österreichi¬ schen Heimmarkt ausgerichteten und teilweise durch unhaltbare Kartelle und Monopole abgesicherten Erzeuger, des Importhandels, des Güterverkehrs, eini¬ ger freier Berufe und der parastaatlichen Bereiche, Medien, Versorgungsunter¬ nehmungen und Telekommunikations¬ einrichtungen, sprich Post. Nicht zu übersehen auch die fortschreitende In- «\ WIFO-Chef Kramer für befristeten Steuerzuschlag Wien (APA) Der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts, Helmut Kramer, sprach sich in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin »profil«, das Mitte Jänner veröffentlicht wurde, flir einen »befristeten prozentuellen Zuschlag zur persönlichen Steuerleistung« aus, der zwischen drei und fünf Prozent betragen sollte. Ebenso sollte nach Meinung des Wirtschaftsforschers die Kapitalertrag¬ steuer von 22 auf 25 Prozent erhöht und ein sozial gestaffelter Selbstbehalt im Gesundheitsbereich eingeführt werden. Kramer begründet seine Vorschläge da¬ mit, daß bei der jetzt bekannten Größenordnung des Sanierungsbedarfs Ein¬ sparungen allein nicht zur Konsolidierung des Budgets ausreichen würden. 1997 von Konjunkturbelebung bis »Absturz« alles möglich Wien (APA) Für 1997 hält WIFO-Chef Helmut Kramer wegen der noch großen Unsicherheiten über die weitere Entwicklung der Rahmenbedingungen von einemwiederbelebten Wachstum bis zu einem »Absturz« der Konjunktur al¬ les für möglich, erklärte er Ende Dezember 1995. In ganz Westeuropa und Österreich werde sich die Arbeitsmarktlage vorüber¬ gehend verschlechtern, da erst nach den Budgetkonsolidierungen die öffentli¬ chen Ausgaben wieder ansteigen werden. Der notwendige restriktive Budgetkurs werde die Arbeitslosenrate 1996 gering und 1997 stärker ansteigen lassen, so daß aus Sicht des WIFO 1997 dann im Schnitt 241.400 Menschen in Österreich ohne Job sind - nach 217.400 im nächsten und 241.900 in diesem Jahr. 1996 werde es aber noch einen entlastenden Effekt durch die jetzige Frühpensionsre- gelung geben. Positiv wird sich 1996 nach Meinung von Kramer die deutsche Steuersen¬ kung auswirken — vor allem für den Tourismus und damit auch für die Lei¬ stungsbilanz. Für 1996 geht der Fremdenverkehrsexperte des WIFO, Egon Sme- ral, nur mehr von einer leichten Abschwächung im Tourismus aus und erwartet für 1997 bereits eine Belebung wegen der anziehenden Nettolöhne in Deutsch¬ land. Die vom WIFO prognostizierte Halbierung des Leistungsbilanzdefizits von heuer geschätzten 42 Milliarden auf20 Milliarden Schilling bis 1997 begründe¬ te Konjunkturexperte Georg Busch neben der besseren Entwicklung im Touris¬ mus auch mit dem Wegfall von EU-Vorzieh- und -Nachzieheffekten bzw. dem Wegfall von heuer fälligen EU-Beitrittszahlungen. ternationalisierung der Banken- und der sonstigen Finanzlandschaft. Das ist nicht wenig. Ich schätze den im Prinzip nun weitgehend geöffneten Teil der österreichischen Wirtschaft auf 40 Prozent. 40 waren schon bisher inter¬ national ohne Fangnetz und 20 Prozent sind der öffentliche Dienst im engeren Sinn. Wie bietet sich nun das konjunktu¬ relle, das mittelfristige, vor allem das in¬ ternationale Umfeld im nächsten Jahr und in den nächsten Jahren dar, vor des¬ sen Hintergrund in Österreich die poli¬ tischen Aufgaben zu lösen und neue wirtschaftliche Strukturen herauszubil¬ den sind? Die internationalen Prognosen rech¬ nen mit einer Fortsetzung des insgesamt mäßigen Aufschwungs, der in Europa seit 1994 in Gang ist, bis 1997. Japan werde sich erholen, die Konjunktur in den USA scheine trotz ihrer nun schon ziemlich langen Dauer einigermaßen ro¬ bust, in Deutschland werde der Wegfall der temporären Sonderbesteuerung die 22 nrtiril Wirtschaft 2/96