SEITENBISSE SPS* Aktion Wachküssen Die Tatsache, dass die Partei der Nichtwähler ständig anschwillt wie die Donau bei Hochwasser, liegt den Politikern schwer im Magen wie einst dem bösen Wolf die berühmten Wackersteine. »Man müsste etwas tun, um die Wähler wachzurüt- teln«, sagte der erste Politi¬ ker, »Mit Rütteln erreichen wir gar nichts, da rütteln wir höchstens am Watschen¬ baum«, sagte der zweite. »Wir müssen listig vorge¬ hen«, sagte der dritte Poli¬ tiker. »Wir müssen die Nichtwähler wachküssen wie der Prinz das Dorn¬ röschen.« »Wachküssen ist geil«, sagte der erste, »da habe ich endlich eine Ausrede, wenn mich meine Frau mit einer Blondine erwischt.« Er stürzte davon, fand das schlafende Dornröschen, riss ihm die Kleider vom Leibe und küsste es. »Das ist der klassische Fall von sexueller Belästi¬ gung«, schrie das Dorn¬ röschen, »das ergibt einen Skandal, das ergibt einen Prozess, dagegen ist der Clinton-Prozess eine laue Sommernacht, Sie parla¬ mentarischer Wüstling.« »Sie haben alles falsch ge¬ macht«, sagte der zweite Politiker lachend. »Sie müssen der Maid zeigen, wie sie um sie gekämpft haben, wie sie sich durch die Rosen geschlagen ha¬ ben, wo die Dornen lebens¬ gefährliche Wunden hinter¬ lassen haben.« Also zer¬ kratzte er sich sein Gesicht und klagte dem Dornrös¬ chen: »Sieh her, schöne Maid, sieh meine Wunden und meine Kratzer.« »Na und?«, fragte das Dornröschen, »welcher Politiker hat keine Kratzer? Das ist doch Normalität, du Rosenstingl.« Da beschloss der dritte Po¬ litiker, es mit der Psycholo¬ gie zu versuchen. »Warum verschnarchst du dein jun¬ ges Leben, Schönste der Schönen?«, fragte er. »Ist das ein Wunder, bei diesem Fernsehpro¬ gramm?«, antwortete das Dornröschen. »Aber ich will doch nur dei¬ ne Stimme«, bettelte der Politiker. »Dafür bin ich be¬ reit, dir alles zu geben.« »Gut, dann gib mir eine Satellitenschüssel«, sagte das gähnende Mädchen. »Und wenn du mich küs¬ sen willst, nimm Unterricht bei der Gerti Senger. Und dann komm in hundert Jah¬ ren wieder.« Da schläft sie also. Wahl¬ kampf und Aktion Küssen gehen weiter. Winfried Bruckner Vorschau Im nächsten Heft ist ein AW-Spezial beigehef¬ tet, das rechtliche Grundlagen des Kinder- und Jugendschutzes und der Berufsausbildung zum Thema hat. Autoren sind Ernst Löwe und Walter Nöstlinger. Redaktionsschluss Manuskripte ftir das Dezember¬ heft müssen bis spätestens 20. Oktober in der Redaktion einlan¬ gen, ftir Jänner 2000 bis 23. November. Redaktionsschluss ftir das Februarheft ist der 20. Dezember 1999. T V yN Verzetnitsch:## — Altere Arbeitnehmer nicht ausgliedern Der im Parlament verabschiedete Pakt für ältere Arbeitnehmer stößt auf die Zustimmung der Gewerkschaften. ÖGB-Präsident Verzetnitsch bezeichnete die vorgeschlagenen Maßnahmen als wirksames Mittel gegen die Ausgrenzung Älterer. Allerdings hänge der tatsächliche Erfolg vor allem von den Arbeitgebern ab: »Sie müssen die neuen Möglich¬ keiten wie etwa Altersteilzeit gemeinsam mit den Arbeit¬ nehmern in die Praxis umset¬ zen. Mit den Ausreden, dass ältere Arbeitnehmer zu teuer oder zu schlecht ausgebildet sind, muss jetzt endlich Schluss sein.« Jedenfalls seien mit der Einführung der beiden Alters¬ teilzeitmodelle und der Ver¬ besserung der Bildungskarenz ganz entscheidende Forde¬ rungen des ÖGB erfüllt wor¬ den. Jetzt sei ein Gesinnungs¬ wechsel bei den Unterneh¬ mern nötig: »Sie müssen ein¬ sehen, dass ältere Arbeitneh¬ mer keine Belastung sind, sondern auf Grund ihrer Er¬ fahrung und Routine ein wichtiges Rückgrat eines je¬ den erfolgreichen Unterneh- AK fordert klare Produktangaben Der Strichcode mit Ziffern, im Fachjargon EAN-Balkencode, lässt nicht eindeutig auf die Herkunft eines Produktes schließen. Die Konsumentenschützer der Arbeiterkammer fordern deshalb klare Angaben auf den Etiketten, die auch für den Konsumenten verständlich sind. Auslöser der neu ent¬ flammten Diskussionen war ein Skandal bei Coca Cola: Die Softdrinks wurden in Bel¬ gien vom Markt genommen, nachdem Konsumenten mit Übelkeit und Bauchschmer¬ zen im Krankenhaus lande- urixit ulrtsotuift 10/99