BESCHÄFTIGUNG die Arbeitslosigkeit? Die Verbesserung der Dienst- leistungs- und Vermittlungs¬ qualität der Arbeitsämter soll nach den Vorstellungen der Hartz- Kommission eine effizientere Ar¬ beitsvermittlung ermöglichen. So sollen die Vermittler von Verwal- tungs- und Nebenaufgaben befreit werden, um sich vorrangig der Ak- quisition offener Stellen und der Pflege der Betriebskontakte widmen zu können. »Job-Center« statt Arbeitsamt Ab sofort werden daher die Ar¬ beitsämter zu so genannten »Job- Centern« umgestaltet, die im Sin¬ ne einer ganzheitlichen Unterstüt¬ zung der Zielgruppe neben den Vermittlungsaufgaben ab 2004 auch alle arbeitsmarktrelevanten Betreuungs- und Beratungsleis¬ tungen (etwa Sozialhilfe oder Schuldnerberatung) erbringen sollen. Organisationsreformen innerhalb des Arbeitsmarktservice (AMS) sind in Österreich, trotz des ständig gege¬ benen Bedarfs zur Verbesserung der Vermittlungsprozesse, nicht in je¬ nem Ausmaß, vor allem aber nicht in derselben Form erforderlich wie in Deutschland. Die deutsche Arbeits¬ marktverwaltung hat im Vergleich zum österreichischen AMS tatsäch¬ lich einen durchaus beachtlichen Nachholbedarf bei Strukturrefor¬ men, die in Österreich seit der Über¬ führung in ein drittelparitätisches Sys¬ tem - getragen von den Sozialpart¬ nern und der Regierung - sehr erfolg¬ reich umgesetzt worden sind. Hierzu¬ lande ist es gelungen, den Struktur¬ wandel von einer zentralistischen Behörde zu einem dezentral aufge¬ bauten und durch ein modernes, ziel¬ orientiertes Managementsystem ge¬ steuerten Unternehmen so gut zu be¬ wältigen, dass die AMS-Organisati- on als »Best-Practice-Modell« im EU-Raum gilt. In Österreich sind auch relativ mehr Mitarbeiter des AMS in der Vermittlung beschäftigt, was nicht zuletzt in der Vermittlungs¬ dauer (Österreich 15 Wochen, Deutschland derzeit 33 Wochen) ihren positiven Niederschlag findet. Was in Österreich allerdings auf der Tagesordnung steht, ist der Ausbau der Qualität der einzelnen Dienstleis¬ tungen, wie z. B. der Beratungs- und Vermittlungsprozesse. Ausweitung von Leiharbeit Herzstück der Hartz-Reformvor- schläge und bereits in die Umset¬ zungsphase getreten ist die Auswei¬ tung der Leiharbeit. Dazu werden zum einen ab sofort bei jedem Ar¬ beitsamt (Job-Center) eigene oder in Kooperation mit kommerziellen Leiharbeitsfirmen betriebene Per¬ sonal Service Agenturen (PSA) eingerichtet. Es handelt sich dabei um Personalüberlassungsfirmen, die Arbeitslose einstellen und gegen Entgelt bzw. sogar kostenlos anderen Unternehmen überlassen. Ohne Zweifel diskriminierend und in ihrer beschäftigungsfördernden Wirkung umstritten ist die Regelung, dass PSA-Leiharbeitnehmer während ei¬ ner »Einarbeitungszeit« von sechs Wochen nicht den Tariflohn, sondern nur das Arbeitslosengeld erhalten. Dies vor allem auch deshalb, da die PSA-Zuweisung verpflichtend ist und bei Weigerung mit Arbeitslosen¬ geldkürzung sanktioniert wird. Den¬ noch stellt die gesetzliche Umset¬ zung eine Verbesserung gegenüber dem ursprünglichen Hartz-Vor- schlag dar, in dem noch von einer sechsmonatigen Einarbeitungsphase die Rede war. Zum anderen war von der Hartz- Kommission vorgesehen, die Inan¬ spruchnahme von Leiharbeit für Un¬ ternehmen generell attraktiver zu machen, indem die Beschränkungen des Arbeitskräfteüberlassungsgeset- zes (besonderes Befristungsverbot, Wiedereinstellungsverbot, Abwer¬ beverbot, Beschränkung der Dauer der Überlassung) abgeschwächt wer¬ den und eine Bezahlung der Leihar¬ beiter unter dem für den Beschäfti¬ gerbetrieb geltenden Tarifsatz er¬ möglicht werden sollte. Zumindest den von der Gewerkschaft gegen die¬ ses Lohndumping erhobenen Ein¬ wänden wurde im Zuge der Umset¬ zung der Kommissionsvorschläge Rechnung getragen. Die Leiharbeit¬ nehmer müssen daher in den wesent¬ lichen Arbeitsbedingungen den Be¬ schäftigten in den Entleihbetrieben gleichgestellt werden. Die Tarifver¬ tragsparteien sind jedoch ermächtigt, insbesondere für Langzeitarbeitslose niedrigere Einstiegstarife vorzuse¬ hen. Dadurch soll auch ein Anreiz für die Tarifvertragsparteien ge¬ schaffen werden, den längst überfal¬ ligen Tarifvertrag für Zeitarbeitsfir¬ men abzuschließen. Es wird aber dabei daraufzu achten sein, Versu¬ che von Arbeitgebern, besser entlohnte fest angestellte Mitar- 1/2003 iirtn-h wh-tschnit 15